Hilden: Schweinegrippe im Gepäck
VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 15.07.2009Düsseldorf (RPO). Bei einem Spanien-Urlaub haben sich sechs junge Hildener mit der Influenza A/H1N1 angesteckt. 45 weitere und teilweise deren Angehörige müssen sieben Tage zu Hause isoliert abwarten, ob auch sie infiziert sind.
Sechs junge Hildener haben die "Schweinegrippe" von einem Spanien-Urlaub mitgebracht. Sonntag kamen sie aus Lloret de Mar zurück. Montagabend bestätigte das Kreisgesundheitsamt Mettmann: Die Jugendlichen sind an der Influenza A/H1N1 erkrankt.
Die Betroffenen gehören zu einer Gruppe von rund 100 Urlaubern (davon 51 aus Hilden), die sowohl in Lloret de Mar als auch auf der Rückfahrt – 35 Hildener kamen mit dem Bus aus Spanien, 16 mit dem Flieger – Kontakt hatten. Bei drei Hildenern wurde die "Schweinegrippe" bereits in Spanien diagnostiziert, bei den anderen drei Erkrankten erst nach der Rückkehr in der Uniklinik Düsseldorf.
Lloret de Mar
Lage Im Nordosten Spaniens an der Costa Brava, etwa 80 Kilometer von Barcelona entfernt.
Partymeile Über 100 Bars und Discotheken und die Strände machen Lloret de Mar im Sommer für zigtausend Jugendliche aus ganz Europa zum Top-Ferienziel und zur angesagten Partymeile.
Alle Mitreisenden werden zurzeit ermittelt und auch deren Angehörige informiert, sagte Dr. Rudolf Lange, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Da sie als ansteckungsverdächtig gelten, müssen sie für mindestens sieben Tage in häuslicher Absonderung bleiben.
Lange rechnet in den nächsten Tagen mit weiteren Erkrankungsfällen: "Es gibt mehrere Jugendliche mit abklingenden und teils beginnender Erkrankung." Die Schweinegrippe sei in allen Fällen bislang "relativ harmlos" verlaufen.
Die meisten betroffenen Jugendlichen reagierten vernünftig auf die Bitte des Kreisgesundheitsamtes, mindestens sieben Tage lang abgeschieden zu Hause zu bleiben. "Es gibt aber auch Einzelfälle, wo es Heranwachsenden offenbar schwer fällt, sieben Tage lang auf Kontakte und Party zu verzichten."
Unter den gut vernetzten Jugendlichen kursiere ein Gerücht. Wenn man zum Arzt gehe und der nichts feststelle, brauche man nicht zu Hause in freiwilliger Quarantäne zu verharren. "Das ist falsch", betonte der Leiter des Kreisgesundheitsamtes.
In der Inkubationszeit sei ein Test auf Schweinegrippe nicht positiv. Erst kurz vor Ausbruch der Erkrankungszeichen lasse sich die Influenza A/H1N1 nachweisen. Deshalb habe eine Untersuchung "nur auf Verdacht" keinen Sinn: "Wenn der Test negativ ausfällt, ist das keine Garantie, dass der Betroffene nicht an Schweinegrippe erkrankt ist und wieder unter die Leute darf." Erst wenn nach Abwarten der Sieben-Tage-Frist keine Krankheitssymptome aufgetreten sind, sei man auf der sicheren Seite.
Bei Schweinegrippe-Erkrankten gelten auch die nahen Angehörigen als potenzielle Überträger. Zwei der erkrankten Hildener hatten bei dem Kölner Verein Spectral Kinder- und Jugendreisen gebucht. Die Hotels, in denen die Erkrankten wohnten, und die spanischen Behörden seien informiert worden, sagte Geschäftsführer Otto Schmitt.
Gemeinsam mit dem Kreisgesundheitsamt Mettmann arbeite man eine Strategie aus, wie die Reisenden informiert und vor Ansteckung geschützt werden könnten. Ob in der nächsten Woche eine andere Gruppe wie geplant nach Lloret de Mar fahren könne, sei bislang unklar: "Wir warten auf Anweisungen der spanischen Behörden." Von Spanien-Reisenden, die über JugendZeit Hilden e.V. gebucht haben, sei bislang niemand erkrankt, sagte gestern Geschäftsführerin Catharina Giesler.
Dr. Lange geht davon aus, dass es wenig Zweck habe, Jugendliche von einer geplanten Reise in das spanische Party-Paradies Lloret de Mar abzuhalten: "Es wird nicht zu vermeiden sein, dass wir dort eine weitere Ausbreitung der Schweinegrippe erleben werden."
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.