Haan: Segnung: Evangelische Gemeinde begann offene Diskussion
VON RALF GERAEDTS - zuletzt aktualisiert: 26.10.2006Düsseldorf (RPO). „Wenn es in Haan so weit ist, dass ein Pfarrer das segnet, möchte ich von dem Pfarrer keinen Segen mehr haben!“ Der ältere Mann mochte auch „bei gutem Willen“ den Argumenten von Dr. Rainer Stuhlmann , der am Dienstagabend im CVJM-Saal zum Thema „Segnung Schwule und Lesben – was die Bibel dazu sagt und nicht sagt“ referiert hatte. Rund 60 Gäste – jung und alt, Frauen und Männer – begrüßte Pfarrer Hans-Peter Gitzler im Vereinshaus; darunter ein kompletter Religions-Oberstufenkurs des Haaner Gymnasiums.
Ein weiterer Vortrag folgt
Mit dem Vortragsabend eröffnete die Evangelische Kirchengemeinde die Diskussion um die Segnungs-Frage, die das Presbyterium zwar schon vor Jahren negativ beschieden hatte. Doch seit einer Anfrage zweier Männer auf Segnung ist die Debatte wieder aufgenommen worden. In Kürze, so kündigte Pfarrer Frank Weber an, werde ein weiterer Vortrag angeboten; dabei soll der Referent eine andere Position vertreten, als es Rainer Stuhlmann (Mitglied im theologischen Ausschuss der Landeskirche) tat.
Die Besucher hörten, dass es sieben Bibelstellen gibt, die Homosexualität ansprechen. „Ich relativiere nicht, was in der Bibel steht, sondern sehe genau hin“, betonte Stuhlmann. Zu weiblicher Homosexualität gebe es nicht einen Satz, lediglich Hinweise zu „natürlichem und widernatürlichem Verkehr“.
In der Antike, so Stuhlmann, sei Analverkehr „die verbreitetste Form der Empfängnis-Verhütung“ gewesen. Allerdings nicht bei den Juden: „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen“, heißt es im Alten Testament (3. Mose 20). Die Bibel äußere sich sehr scharf gegen alle homosexuellen Praktiken, die der Mann zu seiner Befriedigung treibe. „Es gibt keine Silbe über homosexuelle Liebe“, erklärte Stuhlmann. Außer unter 1. Samuel 18: Da redet die Bibel mit Hochachtung von der Liebe zwischen David und Jonatan.
Jeder könne sagen, er habe eine andere Weise zu leben. Liebe habe Respekt, mahnte der Referent. „Man kann sagen, anderes ist mir fremd. Aber es ist nicht minderwertig“, mahnte Stuhlmann. Homosexuelle Frauen oder Männer sollte man „in ihrem Anderssein annehmen“. Sie seien Glieder der Gemeinde „und stehen mit uns beim Abendmahl“. Er habe schon viele Gottesdienste gefeiert, in denen gleichgeschlechtliche Partner für ihre Beziehung dankten.
Disput über die Eheschließung
Kritische Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum parierte der Theologe mit der Erfahrung aus hunderten Veranstaltungen zum Thema. Etwa: dass es nicht Ziel des Menschseins sei, fruchtbar zu sein und sich zu mehren. Einen Disput gab es um die Eheschließung. Nach Auffassung von Presbyter Gerd Krieckhaus sei die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott gewollt. Stuhlmann nannte die Trauung in der Kirche einen „Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung“, die seit Bismarck vor dem Standesamt vollzogen werde. In dem Gottesdienst werde die Verheißung und das Gebot Gottes über beide Menschen versichert; dies könnten auch Frau und Frau oder Mann und Mann sein.
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