Hilden/Haan: Spediteure stoßen an ihr Limit
VON HELEN GEISLER - zuletzt aktualisiert: 21.07.2008Düsseldorf (RPO). Hohe Dieselpreise, eine schwierige Auftragslage und höhere Mautgebühren ab Februar kommenden Jahres bringen viele Speditionen an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Wer sich ein zweites Standbein aufbauen kann, fährt besser.
Die Hildener Spedition von Fritz Ressle ist ein Familienunternehmen. „Angefangen hat unser Transportgeschäft 1803 mit 110 Pferden und dem Salzhandel“, erzählt er stolz. Doch er wird gleich wieder nachdenklich. „Die Dieselpreise, Fahrerknappheit und dann noch die Mauterhöhung nächstes Jahr – noch sind die Lasten zu schultern, aber solche Bedrohungen haben wir schon sehr lange nicht mehr erfahren.“
Dieselpreis legte rapide zu
Ganze 40 Cent pro Liter hat der Dieselpreis in den vergangenen eineinhalb Jahren zugelegt. Ein Ende des Preisanstiegs ist nicht in Sicht. Viele Fuhrunternehmen stehen so vor dem existenziellen Aus. „Eine schwarze Null am Monatsende? Das ist im Moment kaum möglich“, stellt der erfahrene Unternehmer fest. Doch mit seinen 30 Lastwagen ist Fritz Ressle auf den Erlös aus dem Transportgeschäft angewiesen. Auch die Firmenleitung von Rosskothen-Transporte in Hilden sieht sich an der Leistungsgrenze. Jeden Monat wird neu kalkuliert und verhandelt, ein enger Kontakt zu den Kunden ist unverzichtbar. „Zum Glück sehen unsere Auftraggeber ja selbst an der Zapfsäule, was wir an Mehrkosten jeden Monat auffangen müssen. Fraglich ist, wie lange die Kunden noch mitmachen, wenn die Preise weiter steigen“, sagt Mitarbeiter Herzig.
Mauterhöhung
Zum 1. Februar 2009 soll die Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen auf durchschnittlich 16,2 Cent pro Lastwagen und Kilometer steigen. Der Betrag richtet sich nach Größe und Schadstoffemission. Die Anschaffungskosten werden oft nicht durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau übernommen, wie die Bundesregierung zuvor angekündigt hatte.
Alternativen zum Diesel gebe es jedoch nicht. Die Kostenersparnis durch Biosprit sei aufgrund höherer Wartungs- und Materialkosten eine „Milchmädchenrechnung“. „Nur wer jetzt gut haushaltet, hat die Chance zu überleben. Eine Garantie ist das aber keinesfalls.“ Da das reine Transportgeschäft kaum noch rentabel ist, hat sich das Familienunternehmen mittlerweile im Lagergeschäft ein zweites Standbein aufgebaut. „Ein reines Fuhrunternehmen lohnt sich nicht mehr“, urteilt Herzig. Zu den steigenden Preisen komme jetzt auch noch die schlechte Auftragslage und die laxe Zahlungsmoral.
Glück im Unglück hat die internationale Spedition Engemann und Co. Das in Haan ansässige Unternehmen weicht bei seinen europaweiten Transporten immer mehr auf ausländische Fuhrunternehmen und den Schienenverkehr aus. „Wir versuchen unsere Strecken zu optimieren und kombinieren vermehrt Straße und Schiene. Da wir eine Menge nach Ost- und Südeuropa liefern, klappt das gut“ erklärt Matthias Koehler. Und Geschäftsleiter André Ventker ergänzt: „Für uns ist die Situation nicht existenzbedrohend. Wir haben kaum eigene Fahrzeuge, sondern verstehen uns als Logistikunternehmen. So können wir flexibel reagieren.“
Ungewisse Zukunft
Unternehmen mit reinem Transportgeschäft jedoch sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. „Die zusätzlich geplante Mauterhöhung ist eine Kriegserklärung“, sagt Fritz Ressle. Der Endverbraucher werde langfristig unter den steigenden Transportkosten leiden, da sind sich die Spediteure einig. KOMMENTAR
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