Hilden: Technik ist Familiensache
VON SILKE SCHIRMER - zuletzt aktualisiert: 13.09.2007Düsseldorf (RPO). Dieter Gemein feiert morgen offiziell das 50-jährige Bestehen seines Fachgeschäfts für Unterhaltungselektronik. Mit dem Familienunternehmen, das sein Vater Max aufgebaut hat, hat der 54-Jährige ein ganzes Stück deutsche Technikgeschichte von Hilden aus aktiv begleitet.
Wenn Dieter Gemein an dem alten AEG-Radio aus den 50er Jahren mit Kraft den beigen Knopf für „Bass“ drückt, klickt es laut. „Da hören sie noch, wie die Mechanik arbeitet. Spannend“, erzählt der Hildener begeistert. Wenn er noch schnell während des Erzählens ein Stäubchen vom wuchtigen Kasten entfernt, verrät sich der Liebhaber. Von den neuen, schmalen Stereoanlagen, die direkt neben dem wuchtigen braunen Kasten in Gemeins Geschäft an der Hochdahler Straße stehen, passen umgerechnet sechs Stück in den alten Empfänger hinein. Als dieser auf den Markt kam war der heute 54-jährige Dieter Gemein gerade geboren oder noch viel zu jung, um die Klangqualität des Gerätes zu beurteilen. Heute hat er unglaublichen Spaß daran, anderen aus der Funk- und Fernsehgeschichte zu erzählen. Schließlich war er die vergangenen Jahrzehnte hautnah dabei: Erst als wissbegieriger Sohn in Papas Geschäft, dann als ausgebildeter Industrietechniker mit eigenen Ideen im Familienunternehmen. Zu einem besonderen Anlass hat er alte und neue Geräte jetzt für kurze Zeit nebeneinander gestellt: Das Fachgeschäft besteht seit 50 Jahren.
„Radio Gemein“
Mitarbeiter Sechs Angestellte (darunter ein Azubi)
Struktur Radio Gemein teilt sich in die Bereiche Verkauf und Werkstatt (Kundendienst).
Kunden Dieter Gemein sagt, dass sein Kundenkreis wächst. Käufer kämen vor allem aus Solingen, Hilden, Haan, Mettmann, Opladen und Benrath.
„Mein Vater Max hat im September 1957 in einer besseren Garage begonnen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen“, sagt Dieter Gemein. „Das hat schon etwas unheimlich Romantisches. Aber in unserer Branche darf man sich nicht in Liebhabereien verlieren. Ein falsches Sortiment, das am Kunden vorbeigeht, kann die Existenz kosten.“ 1982 wurden Gemeins mit ihrem Fachgeschäft Mitglied einer Einkaufsgenossenschaft, die heute Euronics heißt. „Wir konkurrieren hier mit Unternehmen, die auf mehreren Hundert Quadratmetern Verkaufsfläche anbieten. Durch die Genossenschaft haben wir Zugriff auf eine große Produktpalette, ohne Franchise-nehmer zu sein. Wir sind autark“, erklärt der Informationstechnikermeister. „Äußerungen wie ,Geiz ist geil’ schrecken uns nicht. Wir punkten durch Kundendienst.“
Von den alten wuchtigen Radio-Schätzen in seinem Geschäft ziehen heute die neuen wuchtigen Geräte seinen Blick weg: 147 Zentimeter sichtbares Bild soll einer der Plasma-TV-Schirme bieten. „Ich weiß noch, wie ich 1966 vor unserem heimischen Schwarz-Weiß-Fernseher saß und zuschaute, wie Willy Brandt einen dicken Knopf drückte – und auf einmal hatten wir Farbfernsehen“, erinnert sich Gemein. Seine Aufgabe als Fachhändler sieht er heute darin, den Leuten eine Orientierung zwischen all den Auswahlmöglichkeiten zu geben, was den eigenen Bedürfnissen genügt.
Lächeln muss Dieter Gemein, wenn er den Familien internen Scherz zum Thema Bedürfnisse denkt: Im Kamin seines Arbeitszimmers steht auf Holzscheiden ein TV-Bildschirm. „Darauf können wir dann die Lagerfeuer-DVD gucken.“
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