Hilden: Teilzeit-Lehre für junge Mütter
VON PETRA CZYPEREK - zuletzt aktualisiert: 30.05.2009Düsseldorf (RPO). Die VHS Hilden-Haan bietet in Kooperation mit der Regionalagentur Düsseldorf des Arbeitsamtes und der Fachstelle Frau & Beruf des Kreises Mettmann ein sieben Monate dauerndes Projekt in Hilden an.
Nicole Veit (20) bekam ihre Tochter mit 16 Jahren. Da ging sie noch zur Schule. Und weil die Schwangerschaft problematisch verlief, verpasste sie ein ganzes Jahr. Als das Kind da war, stieg sie im zweiten Halbjahr der zehnten Klasse wieder ein. Damit die Tochter ihren Abschluss machen konnte, kündigte Nicoles Mutter sogar ihren Job. Die neue Lebenssituation war für die junge Frau belastend und schwierig. "Ich war einige Zeit sehr antriebslos", sagt sie rückblickend.
Doch die Wende kam mit einem Anruf ihrer Berufsberaterin beim Arbeitsamt. Kurzfristig hatte sie die Chance, an einem Projekt der VHS Hilden-Haan für junge Mütter teilzunehmen, die wegen ihrer Elternschaft keine Berufsausbildung machen konnten, oder die Lehre abbrechen mussten. "Teilzeitausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen" (T.E.P.) lautet der Titel. Finanziert wird das Projekt über das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales und die EU. "Es ist das einzige im Kreis Mettmann", betont Leiterin Monika Wetzler-Vogt. Die Teilnehmerinnen kommen aus Düsseldorf, Erkrath und Hilden.
Unterstützung suchen
Situation Jährlich werden über 20 000 Frauen in Deutschland während der Ausbildung schwanger. Nur knapp zwölf Prozent nehmen die Mehrfachbelastung auf sich und setzen nach dem Erziehungsurlaub ihre Lehre fort. Viele junge Mütter beginnen aufgrund ihrer Schwangerschaft erst gar keine Ausbildung.
Hilfe Monika Wetzler-Vogt, Projektleiterin bei der VHS Hilden-Haan, Tel.02129 941030, E-Mail: wetzler-vogt@vhs-hilden-haan.de
Wenig bekannte Möglichkeit
Laut Bundesausbildungsgesetz gebe es zwar seit 2005 die Möglichkeit der Teilzeitausbildung, doch bisher sei diese Form bei den Jugendlichen und den Betrieben wenig bekannt. In einem fünfmonatigen Vorbereitungskursus werden die jungen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren zunächst in ihrer Selbständigkeit gefördert. "Viele kommen aus problematischen Familiensituationen, haben nicht gelernt auf sich zu achten und können sich nur schwer selber einschätzen", weiß Monika Wetzler-Vogt.
So werde beispielsweise hinterfragt, warum die bisherigen Bewerbungen fehlschlugen. Außerdem lernten sie, Verantwortung für sich und ihr Kind zu übernehmen. Gelinge das nicht, bestehe die Gefahr langfristig von Sozialhilfe leben zu müssen.
Diesen Teufelskreis wollen die Teilnehmerinnen jedoch durchbrechen: Denise Sommerey (19), die ihren Hauptschulabschluss so gerade noch mit "dickem Bauch" machen konnte, will ihrer zehn Monate alten Tochter "etwas bieten". Und auch Michelle Lang (18), die ihr Kind in der neunten Klasse bekam, denkt an die Zukunft der inzwischen fast Dreijährigen und möchte Friseurin werden. Ein ganz wichtiges Thema ist die Kinderbetreuung. Auch die Oma könne einmal krank werden, so dass die Frauen angeleitet werden, Netzwerke gerade für Randzeiten zu knüpfen, wenn die Kita schon zu habe, die Friseurin aber noch im Laden stehen müsse, sagt die Projektleiterin.
Späterer Einstieg ist möglich
Neben einem intensiven Bewerbungstraining werden die jungen Frauen bei der Suche nach einem Ausbildungplatz unterstützt. Das Projekt wird gefördert und begleitet durch die Regionalagentur Düsseldorf – Kreis Mettmann und die Fachstelle Frau & Beruf des Kreises Mettmann. Auch ein späterer Einstieg ist nach Absprache noch möglich.
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