Hilden: Thiele: Politik oft zu zögerlich
VON BARBARA JAKOBY - zuletzt aktualisiert: 06.11.2010Düsseldorf (RPO). Bei der Kommunalwahl 2009 wurde der SPD-Mann Horst Thiele mit 46,4 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister der Stadt Hilden gewählt. Sein Fazit des ersten Jahres im Amt: Es sei viel erreicht worden, aber es seien auch große Projekte unnötig verschleppt worden.
Ein Jahr nach seiner Wahl zum Bürgermeister sitzen Horst Thiele im Stadtrat sieben statt sechs Fraktionen und ein fraktionsloser Ratsherr gegenüber. "Das Tagesgeschäft der Verwaltung wird dadurch unglaublich erschwert, weil nicht berechenbar ist, wohin eine Entscheidung tendiert", sagt der Verwaltungschef. Weil bei vielen Projekten "drei, vier Runden gedreht werden", müsse er bei den Mitarbeitern der Fachämter "ständig Motivationsarbeit leisten". Doch Thiele nimmt's gelassen: "Das ist eben der Preis der Demokratie."
Gerne wäre er in seinem ersten Amtsjahr weiter gekommen mit dem Bebauungsplan für das Gelände der seit zwei Jahren leer stehenden Albert-Schweitzer-Schule. "Da sind wir durch das zögerliche Verhalten der Politik ins Hintertreffen geraten. Ich hätte mir ein schnelleres Handeln gewünscht." Thiele rechnet damit, dass frühestens 2013 Baurecht für das Areal geschaffen ist.
Horst Thiele
Bei der Kommunalwahl 2009 wurde Horst Thiele (SPD) mit 46,4 Prozent der Stimmen zum Hildener Bürgermeister gewählt.
Am 21. Oktober 2009 trat er sein Amt an.
Eine zweite Amtsperiode hat Thiele von vorneherein ausgeschlossen. Er war als Bürgermeisterkandidat der SPD angetreten, nachdem sein Vorgänger Günter Scheib überraschend seinen Rückzug angekündigt hatte.
Misstrauen gegen Reserve
Dass auch beim geplanten Kauf des Kolpinghauses mehr Runden als nötig gedreht werden, weil die Sanierung teurer wird als geplant, schieben CDU und Bürgeraktion Thiele in die Schuhe. Die Verwaltung habe versäumt, vor dem Kaufangebot ein umfassendes Sanierungsgutachten anzufertigen. Den Ball spielt Thiele zurück: Jeder private Bauherr rechne in seiner Planung eine Reserve für Unvorhergesehenes ein.
"Bei der Hildener Politik ist das Misstrauen gegen eine solche Reserve in allen Fraktionen verbreitet", bedauert er. Über die Gründe kann er nur spekulieren: Vielleicht glaube man, dass Geld, das einmal kalkuliert werde, auch komplett verbraten werde, selbst wenn es nicht nötig wäre. Am kommenden Mittwoch hat der Rat das Thema Kolpinghaus wieder auf dem Tisch. Der Kolpingsverein sei bereit, das Gebäude für 380 000 Euro (statt 400 000 Euro) an die Stadt zu verkaufen, berichtet Thiele.
Auf die Kappe der Verwaltung nimmt ihr Chef die Verzögerung bei der Ausschreibung des Organisationsgutachtens. Weil das zuständige Dezernat dem Fachausschuss die Matrix zur Auswahl der Bewerber nicht vorab vorgelegt hatte, musste sie überarbeitet werden. "Hinterher ist man immer klüger. Das wird nicht mehr passieren", kommentiert Thiele den Vorgang. Rückblickend auf das erste Jahr nennt der Bürgermeister unter anderem als Erfolge – "die immer eine Gesamtleistung der Verwaltung ist" – die Verabschiedung des Spielhallenkonzepts, den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung, den Bau des Seniorenzentrums am Fliederweg, die Fertigstellung des Bahnhofsvorplatzes und die Sanierung des Helmholtz-Gymnasiums.
Sein Fazit nach einem Jahr im Bürgermeisteramt: "Es läuft alles rund im Dorf."
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