Hilden: "Todesstoß für Hauptschulen"
VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 13.01.2011Düsseldorf (RPO). Am 12. März will die NRW-CDU ihr neues Schulkonzept verabschieden. Darin stellt sie erstmals die Hauptschule zur Disposition. In Hilden ist diese bereits durch die rot-grüne Wahlfreiheit der weiterführenden Schulform gefährdet.
Der Vorstoß der Landes-CDU, dass eine Hauptschule nicht mehr qua Verfassung von jeder Kommune vorgehalten werden müsse, kommt für Klaus Drewer nicht überraschend. Für den Leiter der Theodor-Heuss-Hauptschule in Hilden kam "der Todesstoß für meine Schulform" zuvor von der rot-grünen Landesregierung: "Dass die verbindliche Lehrer-Empfehlung für die weiterführende Schule abgeschafft wurde, wird wohl dafür sorgen, dass unsere Anmeldezahlen in der zweiten März-Woche gegen Null tendieren werden."
Lieber auf die Realschule
Etwa 40 Prozent seiner 240 Schüler haben einen Migrationshintergrund. "Muslimische Eltern haben mir schon gesagt, dass sie die Geschwisterkinder jetzt lieber an der Realschule anmelden werden." Zudem würden der Schule, die auch behinderte Kinder in den Regelunterricht integriert, mit Wegfall der GU-Klassen Fördermittel gestrichen. Gerade mal 21 Fünftklässler verzeichnet das laufende Schuljahr – trotz gebundenem Ganztag und einer erfolgreichen Bildungspartnerschaft mit der Jugendförderung. Zur Erinnerung: Vor gerade mal zwei Jahren hatte Hilden noch zwei Hauptschulen. "Die Schüler werden ja nicht plötzlich alle schlauer", gibt Drewer zu bedenken.
"Man kann zwar die Hauptschule abschaffen, aber nicht die Hauptschüler", ergänzt Reinhard Gatzke. Der Hildener Schuldezernent ärgert sich vor allem darüber, dass sich "die CDU nicht so richtig traut, sich zum Zwei-Säulen-Modell zu bekennen". Wenn im Sommer noch eine Eingangsklasse an der Theodor-Heuss-Schule gebildet werden könne, wäre ein wie auch immer gearteter Verbund mit der städtischen Fabry-Realschule für Gatzke eine Option. Die hat derzeit in den unteren Stufen zwei Züge, ist aber auf Dreizügigkeit angelegt. Gibt es keine Eingangsklasse, müsse die Hildener Hauptschule auslaufen und nach aktueller Verfassungslage eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit der Hauptschule einer Nachbarstadt treffen.
Zum Beispiel in Haan. Deren Schuldezernentin Dagmar Formella hält die Hauptschule zum Diek für nicht gefährdet. "Dank des gemeinsamen Schulstandorts mit der Emil-Barth-Realschule haben wir eine hervorragende Ausgangsposition – ganz zu schweigen von der erfolgreichen Arbeit, die dort geleistet wird." 380 Schüler zählt die auch von Solinger und Wuppertaler Eltern gefragte Hauptschule, die bereits zwei Mal als "ausbildungsfreundliche Schule" zertifiziert wurde. 55 Prozent seiner Schulabgänger fänden auf Anhieb einen Ausbildungsplatz, bestätigt Schulleiter Markus Helf. Er empfindet es als "sehr unglücklich", dass Eltern nun die alleinige Wahlfreiheit haben: Die Einschätzung der Grundschul-Kollegen sei oft besser für den angehenden Fünftklässler als ehrgeizige Eltern, die in Kauf nähmen, dass ihr Kind vom Gymnasium nach unten durchgereicht werde und sich als Schulversager fühle.
Gute Hauptschüler bevorzugt
Auf die Chance des durchlässigen, "aufsteigenden Schulsystems" verweist auch Barbara Wachsmann. Die Initiatorin der Haaner Praktikums- und Lernpartnerbörse zeigt sich "irritiert, dass Eltern heute großes Selbstbewusstsein brauchen, um sich gesellschaftlich mit einem Hauptschulkind zu outen". Als Unternehmerin ziehe sie einen Hauptschüler mit einem mindestens befriedigenden Zeugnis auf jeden Fall "ausreichenden Realschülern oder Gymnasiasten" vor.
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