Hilden: Treffpunkt Abenteuerspielplatz
VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 23.12.2011Hilden (RP). 16 651 Kinder besuchten im vergangenen Jahr die Einrichtung der Freizeitgemeinschaft Behinderte und Nichtbehinderte an der Richard-Wagner-Straße. 70 Prozent von ihnen kommen aus Zuwandererfamilien.
ASP Hilden
Öffnungszeiten Oktober bis März montags bis freitags von 13 bis 18 Uhr. Eintritt frei. Rauchen und Alkohol sind auf dem Spielplatzgelände untersagt.
Angebote Reiten, Mädchen- und Jungentage, Spiel und Bewegung in der Turnhalle Furtwänglerstraße, Kochen, Bastelaktionen, Schmiedewerkstatt, Baubereich, integrative Angebote für behinderte und nichtbehinderte Kinder, Abenteuernächte, Familientrödelmärkte.
Wo Richard-Wagner-Straße 101 in Hilden.
Kontakt Tel. 02103 937130.
Der Abenteuerspielplatz im Hildener Norden ist ein Magnet für Kinder und Jugendliche. 16 651Heranwachsende besuchten die Einrichtung der Freizeitgemeinschaft für Behinderte und Nichtbehinderte an 237 Wochenöffnungstagen im vergangenen Jahr, berichtet Leiter Bodo Seume in einem Bericht für den Jugendhilfeausschuss. Das entspricht im Durchschnitt knapp 70 Kinder pro Tag. Das seien ähnlich viele wie in 2009.
Mehr sozial auffällige Kinder
Die pädagogischen Mitarbeiter (ein Sozialpädagoge in Vollzeit und drei Erzieherinnen, zwei davon in Teilzeit) beobachten zwei Entwicklungen. Von den 50 Stammkindern, die mindestens einmal die Woche vorbei schauen, seien 70 Prozent emotional und sozial auffällig; 2002 habe dieser Anteil bei 30 Prozent gelegen. Die Jungen und Mädchen litten unter der Trennung der Eltern, Problemen in der Schule und der Armut ihrer Familien, erläutert Seume.
Das äußere sich in Aggression, Niedergeschlagenheit, Stress- und Überforderungssymptomen, Verwahrlosungserscheinungen, Sprachdefiziten und der Unfähigkeit, sich mit Problemen konstruktiv auseinanderzusetzen. Die Eltern dieser Kinder versuchten, ihre Erziehungsaufgabe immer stärker an die Mitarbeiter des Abenteuerspielplatzes zu delegieren. Diese seien damit überfordert, macht Seume klar. Zweiter Trend: Die Zahl der Kinder aus Zuwandererfamilien nehme deutlich zu. Etwa 70 Prozent der Besucher des Abenteuerspielplatzes seien Kinder aus dem osteuropäischen und muslimisch geprägten Kulturkreis.
Viele Besucher mit Migrationshintergrund nutzten den Abenteuerspielplatz auch für angemeldete Familienfeste. Deshalb sei er ein wichtiger sozialer Ort für gelebte Integration. Besucherkinder hatten sich bereits 2009 gewünscht, in einer Gruppe gemeinsam mittags zu kochen und zu essen. "Das ist der Wunsch nach Gemeinschaft und Fürsorge", analysiert der Leiter des Abenteuerspielplatzes. Viermal in der Woche wurde gemeinsam gekocht und gegessen – einfache, aber leckere und gesunde Mahlzeiten. Dank einer erneuten, großzügigen Spende der Gemeinschaftsgrundschule Kalstert von 1400 Euro konnte der Mittagstisch auch 2010 finanziert werden. Die Kinder zahlen pro Essen 75 Cent.
"Wenn das Essen kostenfrei ist, hat es für die Kinder keinen Wert", hatte Seume festgestellt. Deshalb werde ein symbolischer Beitrag erhoben. Die Tiere sind ein Hauptanziehungspunkt des 5000 Quadratmeter großen Areals mit Wäldchen, Bach und vielen selbst gebauten Buden. Die Heranwachsenden lernen, Verantwortung zu übernehmen. In einer "Kinderversammlung" erleben die Mädchen und Jungen, wie wichtig Mitbestimmung ist – und wie anstrengend sie mitunter sein kann.
Die Stadt Hilden bezuschusst den Abenteuerspielplatz mit rund 242 000 Euro im Jahr.
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