Hilden: Vertrauen in die Ausbildung
zuletzt aktualisiert: 26.02.2007Düsseldorf (RPO). Interview Hildener Feldjäger werden in diesem Jahr in Afghanistan und auf dem Balkan Dienst tun. Kommandeur Andreas Couwenbergs setzt auf die gute Vorbereitung seiner Soldaten.
Rund 100 Soldaten und Soldatinnen aus der Waldkaserne Hilden werden bis Mai zu einem Auslandseinsatz abkommandiert. Welche Aufgaben sie dort erfüllen, erfuhr RP-Redaktionsleitern Barbara Jakoby im Gespräch mit Oberstleutnant Andreas Couwenbergs (41), dem Kommandeur des Feldjägerbataillons 252.
In welche Länder werden die Feldjäger geschickt?
Couwenbergs Die Feldjägertruppe leistet einen wesentlichen und ständigen Anteil an den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Mein Personal wird dieses Mal auf den Balkan und nach Afghanistan entsandt.
Mit welchen Aufgaben?
Couwenbergs Grundsätzlich mit den Aufgaben, die ihnen das Mandat der UN und der Bundestag zuweisen. Dabei unterstützen sie den nationalen Befehlshaber und den Kommandeur der Einsatzkräfte unmittelbar. Neben Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen leisten sie in vielen spezialisierten Bereichen – wie zum Beispiel Personenschutz und Tatortarbeit – ihren Dienst. Auch zum Eigenschutz der Truppe tragen die Feldjäger entscheidend bei. Dazu arbeiten sie eng mit der Militärpolizei der anderen Entsenderstaaten zusammen.
Was prädestiniert die Feldjäger, die Militärpolizei der Bundeswehr, für solche Aufgaben?
Couwenbergs Jeder Feldjäger hat eine militärische Basisausbildung wie den Ordnungs-, Sicherheits- und Verkehrsdienst, aber auch Fähigkeiten im Objektschutz. Ein Großteil wird zusätzlich im Rahmen intensiver Aus- und Weiterbildung spezialisiert. Etwa für Zugriffsoperationen, Unruhen und Demonstrationen oder als Hundeführer. Das sind alles Fähigkeiten, die – je nach Mandat – gebraucht werden.
Ob Balkan oder Afghanistan: Die deutschen Soldaten treffen hier wie dort auf Menschen mit anderen Kulturen und Mentalitäten. Wie werden sie darauf vorbereitet?
Couwenbergs Sie erhalten vor Einsatzbeginn landeskundlichen Unterricht und eine detaillierte Einweisung in ihre Aufgaben. Das Führungspersonal wird vorab am Zentrum Innere Führung geschult, geht zur Erkundung ins Einsatzland und gibt nach seiner Rückkehr die Eindrücke, die es dort gewinnt, weiter an die Soldaten, die später folgen.
Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen sind die Soldaten – zuletzt in Afghanistan – Anschlägen ausgesetzt. Wie gehen die Soldaten mit dieser permanenten Bedrohung um? Kann man sie darauf überhaupt vorbereiten?
Couwenbergs Die Gefahr ist da und die Sorge ist berechtigt. Aber erfahrungsgemäß zeigt sich, dass die meisten Soldaten sich nicht fragen, ob der Einsatz gefährlich ist, sondern daran denken, was sie für ihre Sicherheit tun können. Das Vertrauen in die Ausbildung und das Team, dem sie angehören, ist in der Regel sehr groß.
Das heißt, Gefahr schweißt zusammen?
Couwenbergs Ja, und das muss auch so sein. Wenn man über mehrere Monate in einem Team, wie zum Beispiel einem Personenschutzkommando, zusammen ist, muss man sich nahezu blind aufeinander verlassen können. Im Ernstfall ohne Worte.
Ist das Image eines Soldaten, der im Ausland zum Einsatz kommt, höher als das von einem, der im Inland seinen Dienst tut?
Couwenbergs Beides ist wichtig; ich glaube jedoch auch, dass die Verantwortung des Einzelnen, für Deutschland in der Welt im Auftrag zu stehen, eine sehr viel höhere Motivation sein kann.
Und die negativen Schlagzeilen von Soldaten, die mit Totenschädeln Fußball spielen?
Couwenbergs Das darf man auf keinen Fall entschuldigen. Aber Soldaten sind Menschen wie alle anderen auch, mit ihren Stärken und Schwächen. Die Bundeswehr ist ein Spiegelbild der Gesellschaft; wie viele andere Strömungen erreichen auch gesellschaftliche Versäumnisse und Fehlentwicklungen die Streitkräfte. Diejenigen, die auf solche Weise auffallen, sind zum Glück die Minderheit.
Ist ein Auslandseinsatz ein Sprungbrett auf der Karriereleiter eines Soldaten?
Couwenbergs Die Bewährung in einem Einsatz ist eine Schlüsselqualifikation, die bei der späteren Verwertung mit entscheidend sein kann.
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