Hilden: Vom Bosporus an die rheinische Itter
VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009Düsseldorf (RPO). Yilmaz Kösemehmetoglu ist ein echter Rheinländer. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er in Istanbul geboren wurde. Mit vier Jahren kam er nach Hilden. Hier ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sein Vater, ein Maschinenbau-Ingenieur, arbeitete unter anderem bei Rheinmetall und der bekannten Hildener Firma Montz. 1978 machte Yilmaz Kösemehmetoglu auf dem städtischen Helmholtz-Gymnasium sein Abitur – als einer der ersten Türken in Hilden. Musik ist seine Leidenschaft und die hat der heute 51-jährige Familienvater von zwei erwachsenen Söhnen auch zum Beruf gemacht. Er studierte Klavierpädagogik an der Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf. Seit über 20 Jahren unterrichtet er an der Musikschule Hilden Klavier und Keyboard. Wenn Kösemehmetoglu gelegentlich bei Festen und Feiern in die Tasten greift, dann spielt er gerne Jazz- und Swing-Titel von Frank Sinatra oder Duke Ellington.
In den 90-er Jahren erwarb Kösemehmetoglu die deutsche Staatsbürgerschaft. "Das war eine bewusste Entscheidung", erzählt der Musikpädagoge: "Ich lebe hier und möchte auch wählen." Die Türkei entließ ihn aber erst aus der türkischen Staatsbürgerschaft, nachdem er mit 32 Jahren noch drei Monate Grundwehrdienst in der Türkei abgeleistet hatte und sich von dem obligatorischen Wehrdienst (zwei Jahre ) mit rund 10 000 Mark freigekauft hatte. Eine Stange Geld für einen jungen Mann. Die Sprache seiner alten Heimat hat Kösemehmetoglu immer gepflegt. "Eine Zeitlang habe ich als Übersetzer und Dolmetscher für deutsche Gerichte, die Polizei oder auch für Landsleute gearbeitet." Seine beiden erwachsenen Söhne (23 und 20 Jahre alt) beherrschten auch Türkisch, sprächen es aber nur noch selten, bedauert ihr Vater. In Deutschland, seiner Heimat, werde er aufgrund seines Names häufig als Türke angesprochen; im Urlaub in der Türkei hingegen als "Deutsch-Türke". Kösemehmetoglu nimmt das gelassen: "Ich fühle mich als Europäer, als Kosmopolit. Und in der Musik spielt die Nationalität keine Rolle." In Deutschland hält der Fußball-Fan zu Borussia Mönchengladbach, in der Türkei zu dem Istanbuler Kickern von Galatasaray. Weihnachten kommt die ganze Familie bei den Eltern ebenso zusammen wie im Ramadan. Gefeiert wird ohne Tannenbaum. "Wir hatten einen, als die Kinder klein waren", lächelt Kösemehmetoglu.
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