Hilden: VRR überprüft das S-1-Konzept
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 26.01.2010Düsseldorf (RPO). Bahn und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr wollen beobachten, ob die Unpünktlichkeit und vorzeitigen Kehrtwendungen der S-Bahn S 1 dauerhaft ein Problem sind. Bislang habe der kalte Winter den Fahrplan durcheinander gebracht, erklärt die Bahn. In der Region gibt es für die vielen Züge zu wenig Gleise.
Hilden/Solingen Dass S-Bahn-Fahrgäste auf dem Weg von Düsseldorf nach Solingen unfreiwillig in Hilden aussteigen müssen, wenn ein Zug Verspätung eingefahren hat, kommt nach Auskunft eines Bahnsprechers "nicht sehr häufig" vor. Wie oft, konnte er jedoch nicht sagen. Es werde zwar Statistik darüber geführt, wann welcher Zug wo ankomme. Zu den entsprechenden Einzelheiten sei jedoch der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) als Auftraggeber zu befragen.
Bahn wägt Risiken ab
Ein vorzeitiges Wenden eines Zuges sei für die Kunden natürlich ärgerlich. "Aber es ist dann jeweils nötig, damit das komplexe Umlauf-System nicht durcheinander gerät." Zumal in der Gegenrichtung (Richtung Dortmund) bei Unpünktlichkeit auch Tausende Kunden betroffen seien, die dann ihrerseits Anschlüsse nicht bekämen. "Da müssen wir abwägen, ob wir dies in Kauf nehmen wollen, oder die relativ kleine Gruppe Richtung Solingen in Hilden hinausbitten."
Bahnverkehr im VRR
Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat einen Großteil des Schienen-Nahverkehrs bei der Bahn AG in Auftrag gegeben.
Auf rund 30 Prozent des VRR-Netzes sind Privatunternehmen im Einsatz – zum Vorteil der Kunden. "Dort ist die Qualität durchweg besser als bei der Bahn", berichtet VRR-Sprecher Lars Wagner.
Das S-Bahn-Netz ist dagegen noch komplett in den Händen der Bahn. "Es ist unwahrscheinlich, dass es privat wirtschaftlicher organisiert werden kann", meint Wagner.
Ob bei der Planung der neuen S 1 die Fahrzeit von Dortmund bis Solingen zu knapp bemessen wurde, kann der Bahnsprecher noch nicht sagen. "Seitdem das neue S-Bahn-System im Dezember eingeführt wurde, hatten wir durch die kalten Witterungsverhältnisse wenig optimale Bedingungen und kein konstantes Fahrplangefüge", erklärt er. Die Bahn werde daher in den nächsten Wochen beobachten, wie sich das neue Konzept der S 1 unter normalen Bedingungen bewähre. "Wenn sich zeigt, dass es Verbesserungsmöglichkeiten gibt, wird man sich dieses Problems annehmen."
Auch der VRR will verstärkt ein Auge darauf werfen. "Es ist nicht in Ordnung, wenn eine S-Bahn vorzeitig gedreht wird", sagt VRR-Sprecher Lars Wagner. "Alle fahrplanmäßigen Haltestellen müssen auch angefahren werden." Statistiken dazu lägen dem Verkehrsverbund noch nicht vor. Sie kämen immer erst einen Monat später. "Wenn sich die vorzeitigen Wendungen der S 1 und die Unpünktlichkeit als dauerhaftes Problem erweisen, werden wir mit der Bahn das Gespräch suchen. Schließlich soll der neue Vertrag, den wir nach zwei Jahren Ärger mit der Bahn geschlossen haben, gut funktionieren." Er gelte bis 2023. Wagner glaubt der Bahn, dass sie mit dem Rausschmiss der Solinger Fahrgäste in Hilden dafür sorgen will, dass ihr übriges System weiter funktioniert. "Das Problem ist, dass es für die vielen Züge in unserer Region zu wenig Gleise gibt." Insbesondere Düsseldorf sei ein Nadelöhr. "Auf das Schienennetz hat der VRR aber keinen Einfluss." Dafür müsse der Bund sorgen, der diese Aufgabe aber an die Bahn übertragen habe.
VRR sieht jetzt Politik gefordert
"Die Vermutung liegt nahe, dass die Bahn im Hinblick auf ihren geplanten Börsengang Geld gespart hat, um gut dazustehen." Der VRR-Pressesprecher sieht deshalb ebenfalls die Politiker gefordert, hier für eine Verbesserung zu sorgen. "Wenn jetzt auch noch der Rhein-Ruhr-Express (RRX) nicht kommen sollte, wäre das fatal für den VRR und fürs Bergische. Denn für den RRX sollen zwischen Düsseldorf und Dortmund zwei neue Gleise verlegt werden, wovon auch Bahnfahrer aus dem Bergischen Land profitieren würden."
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