Hilden: Worte für den Film im Kopf
VON GÜNTER STRECKERT - zuletzt aktualisiert: 29.12.2008Düsseldorf (RPO). Porträt Wenn Gerhard Ferenschild rezitiert, hören regelmäßig bis zu 100 Menschen zu. Der Hildener Gymnasiallehrer trägt alle Texte frei vor.
Wenn der Hildener Gymnasiallehrer Gerhard Ferenschild vor seinen Schülern am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium spricht, bleibt diesen gar nichts anderes übrig, als ihm zuzuhören. Dem Rezitator Ferenschild lauschen bei seinen Auftritten regelmäßig bis zu 100 Menschen. Freiwillig und mit großem Vergnügen. 70 oder sogar 100 Minuten macht der 49-Jährige dann literarische Werke hörbar. „Herrn Ferenschild bei einer Rezitation zuzuhören, belässt mir Spielraum für meine eigene Fantasie“, bemerkte kürzlich ein Besucher treffend. „Ich gestalte dann gewissermaßen den Film zur vorgetragenen Geschichte in meinem eigenen Kopf.“
Ferenschilds Gedächtnisleistungen – er trägt alle Texte frei vor – fallen dabei nicht vom Himmel, sie sind hart erarbeitet und werden auch erst durch den perfekten Vortrag gekrönt. Vier bis sechs Monate Vorbereitung mit ungefähr 150-maliger Wiederholung des jeweiligen Textes und um die 250 Stunden konzentrierter Arbeit liegen hinter ihm, wenn er mit einem neuen Programm vor sein Publikum tritt. Seine mehrjährige Ausbildung als Schauspieler und Sprecher kommen ihm bei der Interpretation zugute.
Zu hören
Aktueller Stoff In Grigia aus Robert Musil „Drei Frauen“ verlässt der Geologe Homo seine Familie aufgrund einer Expedition in ein abgelegenes italienisches Bergdorf. Dort entwickelt sich eine Liebesgeschichte.
Nächster Auftritt Freitag, 30. Januar, Volkshochschule Kaarst (Tel. 02131 963946).
DVDs (je zehn Euro) von Ferenschild – Georg Büchner: „Lenz“ und Heinrich von Kleist: „Der Findling“ – können per E-Mail angefordert werden unter: g.ferenschild@wtal.de.
Im Vortrag, wenn er unversehens einmal nicht mehr weiter wissen sollte, hilft ihm ein kurzer Blick ins Manuskript, das auf einem Notenständer stets ganz nebenbei von ihm weitergeblättert wird. Selbst aufmerksames Publikum bemerkt dies kaum.
Ferenschild bringt fast jedes Jahr ein neues Programm heraus. Sein Repertoire umfasst unter anderem Werke von Robert Musil, Gerhart Hauptmann, Georg Büchner und Johann Wolfgang von Goethe. In seinen Programmen „Tier-Arten“, „Geld-Stücke“, oder „Körper-Teile“ trägt er jeweils eine Auswahl typischer Passagen ausgewählter Autoren zu diesen Themenbereichen vor. Letzteres in Partnerschaft mit der Sopranistin Susanne Hille, die ihre Beiträge singend präsentiert. Das sprechende und singende Duo tritt unter dem treffenden Namen „parliOcanto“ mit Liedern und Texten auf, die mit Tieren, Geld oder Körperteilen zu tun haben. Gelegentlich agiert Ferenschild auch als Sprecher bei Hörbüchern (Serie „Atlan“).
Jedes neue Programm wurde bisher auch in der Hildener Bibliothek aufgeführt; bei der letzten Veranstaltung drängten sich dort mehr als 100 Teilnehmer. Doch längst ist der Rezitator auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Er ist in Düsseldorf, Berlin, Bonn, Heilbronn und Paderborn aufgetreten, mehrfach auch im Musil-Museum im österreichischen Klagenfurt. Ein Wunsch aber wurde ihm bisher nicht erfüllt: Ferenschild würde gerne einmal als Synchronsprecher arbeiten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum