Hilden: Zug für Wirtschaft abgefahren?
VON SILKE SCHIRMER - zuletzt aktualisiert: 07.02.2008Düsseldorf (RPO). Der Industrie-Verein und die Stadt haben einen Protestbrief an Bahnchef Mehdorn geschrieben. Der Grund: An Hildens Verkehrsdrehscheibe Solingen sind die Fernverbindungen weiter gekappt worden.
Der Industrie-Verein Hilden schlägt Alarm: „Unsere Wirtschaft wird von der Deutschen Bahn in Gefahr gebracht, wenn sie uns hier sukzessiv vom Fernverkehr abkoppelt“, erklärt Hans-Ulrich Peters, Geschäftsführer des Industrie-Vereins, in dem sich mehr als 60 ortsansässige Unternehmen zusammengeschlossen haben. Der Hintergrund: Zum Fahrplanwechsel 2008 hält nun auch der IC 2043 nicht mehr in Solingen-Ohligs, das die Verkehrsdrehscheibe für Hildener Unternehmen in das Ruhrgebiet ist. Bereits 2006 hatte die Deutsche Bahn die täglichen ICE-Halte in Solingen Hauptbahnhof von elf auf fünf reduziert.
Flughafen-Verbindung in Gefahr
Bündnis gegen Bahn
Die Bürgermeister von Solingen, Wuppertal, Remscheid, Hilden und Haan sowie der Präsident der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid haben am 22. Januar in einem Brief an Bahn-Chef Hartmut Mehdorn gegen das Streichen von Intercity-Verbindungen in Solingen-Ohligs protestiert. Eine Reaktion steht bis heute aus.
Bereits 2005 war die ICE-Linie 43 trotz Protests gestrichen worden.
Doch dies ist für Hans-Ulrich Peters nicht das einzige Ende, an dem Hilden abgekoppelt wird. „Immer wieder droht die Bahn, die S-Bahnlinie 7 nicht mehr bis Düsseldorf-Flughafen durchfahren, sondern in Düsseldorf-Hauptbahnhof enden zu lassen. Somit ist auch unsere Anbindung zum Flughafen in Gefahr.“ Der Industrie-Verein hat daraufhin ebenso wie die Stadt Hilden einen Protestbrief an Bahn-Chef Hartmut Mehdorn geschrieben.
„Die Deutsche Bahn darf uns nicht den Boden unter den Füßen wegziehen. Wir von Qiagen sind hier in Hilden, weil die Infrastruktur so gut ist“, erklärt Thomas Theuringer, Pressesprecher von Europas größtem Biotechnologie-Unternehmen. „An IC und ICE hängen auch die Anbindungen an den Flughafen Frankfurt/Main, auf den wir angewiesen sind, um von unserem Europa-Hauptsitz Hilden auf dem Kontinent zu agieren.“ Und nicht nur die längere Reisezeit, die bei mehrmaligem Umsteigen entstehe, schlucke Arbeitszeit des reisenden Mitarbeiters. „Wenn ich als Geschäftsmann mit dem ICE reise, habe ich einen Arbeitsplatz für mein Laptop und kann die Fahrtzeit nutzen. Entscheidungsträger der Bahn könnten ja versuchen, in der ruckeligen Regionalbahn ein Notebook auf den Knien zu balancieren“, schlägt Theuringer vor. Durch die zahlreichen Staus auf den Autobahnen sei die Straße keine gute Alternative. Außerdem: „Wenn ich in Frankfurt lange in wichtigen Verhandlungen stecke, will ich danach nicht Auto fahren, weil ich müde werden könnte.“
„Lassen uns das nicht gefallen“
Unterstützung für Qiagen und die anderen Unternehmen kommt aus dem Rathaus. „Die Deutsche Bahn kappt aus wirtschaftlichen Gründen die Anbindungen, weil sich ein Halt nicht lohne. Aber die, die reisen, sind die, die bei uns Arbeitsplätze schaffen. Das muss berücksichtigt werden“, erklärt Wirtschaftsdezernent Norbert Danscheidt. Wie der Industrie-Verein erwartet er eine verbindliche Antwort Mehdorns. Hans-Ulrich Peters ist entschlossen, nicht nachzugeben: „Unser großes Plus in Hilden war immer unsere verkehrsgünstige Lage. Wie sollen wir noch neue Unternehmen anwerben, wenn sie von Hilden aus nicht mehr schnell zu ihren Verhandlungspartnern kommen? Das lassen wir uns nicht gefallen.“
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