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Langenfeld: 1987: Galkhausens dunkle Geschichte

zuletzt aktualisiert: 11.09.2008 - 10:29

Hitler verkündete 1929 auf dem Nürnberger Reichsparteitag seiner NSDAP: „Würde Deutschland jährlich eine Million Kinder bekommen und 700 000 bis 800 000 der Schwächsten beseitigt, dann würde das Ergebnis am Ende sogar eine Kräftigungssteigerung sein.“ Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde das NS−Menschenbild Reichspolitik: Es sah einen soldatischen, starken, vitalen Deutschen vor.

Vor allem Behinderte hatten in diesem mörderischen System keinen Platz. Die Nazis riefen das „Euthanasie“−Programm ins Leben, dem zehntausende Menschen mit Behinderungen zum Opfer fielen. Euthanasie bedeutet „Sterbehilfe“. Dieser beschönigende Begriff sollte die Massentötung von Behinderten rechtfertigen, da sie von ihrem Leiden angeblich „erlöst“ werden mussten. Dreh− und Angelpunkt der „Euthanasie“ im Rheinland war Galkhausen.

Die heutigen Rheinischen Kliniken waren ab 1939 Zwischenstation für Patienten aus der gesamten Region, bevor sie gesammelt in Vernichtungsanstalten transportiert wurden. Immer wieder kamen Züge voll Behinderter am Immigrather Bahnhof an, die dann mit Sonderzügen der Straßenbahn nach Galkhausen gebracht wurden. Von dort aus verließen die Kranken wiederum die Anstalt in schwarz−grauen Bussen Richtung Osten. Zunächst wurden sie ins hessische Hadamar transportiert. Dort wurden die Opfer vergast, später mit Medikamenten ermordet. Ab 1943 wurden die Behinderten weiter Richtung Osten verlegt und umgebracht.

So auch im polnischen Meseritz, wo 1987 Mitarbeiter der Rheinischen Kliniken das dortige Psychiatrische Krankenhaus besuchten, um sich der Geschichte ihrer eigenen Anstalt zu stellen. Im selben Jahr veröffentlichte zudem der Klinikträger Landschaftsverband Rheinland eine umfangreiche Dokumentation und Darstellung der mörderischen Ereignisse in Galkhausen (Matthias Leipert/Rudolf Styrnal/Winfried Schwarzer: Verlegt nach unbekannt. Sterilisation und Euthanasie in Galkhausen 1933−1945, Rheinland−Verlag Köln). 1933 waren 667 der 983 Galkhausener Patienten als „erbkrank“ eingestuft worden. 1935 fanden in der Anstalt erste Führungen und Vorträge zum Kampf gegen „lebensunwertes Leben“ statt. 478 Patienten wurden zwangssterilisiert.

Genaue Zahlen über Opfer, die Galkhausen passierten oder aus der hiesigen Heil− und Pflegeanstalt stammen, sind nicht bekannt. Allein bis August 1941 wurden 870 Patienten nach Hadamar abtransportiert. Einige Wochen nach Befreiung durch US−Truppen nahm sich Dr. Leonhard Josef Winkel, Anstaltsleiter in Galkhausen, das Leben. 1948 und 1950 standen die Abteilungsärzte Weißenfeld und Rohde vor Gericht. Sie wurden freigesprochen, da sie 42 Patienten vor dem Abtransport bewahrt haben sollen.


 
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