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Monheim: An neuen Beruf heran getastet

VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 08.09.2007

Düsseldorf (RPO). Die blinde Monheimerin Beate Gräßer nimmt an einem landesweiten Forschungsprojekt teil: Als eine von zwei angehenden medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU) unterstützt sie Gynäkologen bei der Brustkrebs-Vorsorge.

„Hier kann ich meine Behinderung als Begabung nutzen“: Die blinde Monheimerin Beate Gräßer ist eine von zwei medizinischen Tast-Untersucherinnen (MTU) eines Pilotprojektes in NRW. Foto: RPO

„Willkommen in meinem Reich!“ Mit einem freundlichen Lächeln öffnet Beate Gräßer die Tür zu dem kleinen Behandlungszimmer in der Frauenarzt-Praxis Gethmann / Fester, in dem sich eine Liege und ein Computer befinden. Auf der Tastatur befinden sich gestanzte Punkte – die Braille-Schrift –; in der Ecke lehnt ein weißer Stock. Die 33-jährige Monheimerin ist blind – und eine von zwei angehenden medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU) im NRW-Forschungsprojekt „Discovering Hands“.

Früher Befund – bessere Chancen

Die Idee kam dem Duisburger Gynäkologen Frank Hoffmann nach eigenem Bekunden unter der Dusche: angesichts der häufigen Brustkrebs-Erkrankung die besondere Tastfähigkeit von Blinden zu nutzen, um die Diagnose einer pathologischen Brustveränderung früher zu ermöglichen und damit die Heilungschancen zu verbessern. „Diese Überlegungen brachten uns dazu, ein neues Berufsbild für blinde Frauen anzudenken“, erläutert Hoffmann. Die MTU war geboren.

Info

„Discovering Hands“

Was: Forschungsprojekt zur Verbesserung der Brustkrebsfrüherkennung und zur Schaffung eines neuen Berufsfeldes für Blinde

Wie: Palpationsdiagnostik der weiblichen Brust durch blinde Frauen

Initiator: der Duisburger Gynäkologe Dr. Frank Hoffmann

Projekt-Zeitraum: von August 2006 bis Juli 2008 (Prüfung der beiden MTU’s und Abschlussbericht der begleitenden Universitätsfrauenklinik Essen)

In Kooperation mit dem Berufsförderungswerk Düren gGmbH als Bildungsträger für blinde und sehbehinderte Menschen wurde – quasi maßgeschneidert für Beate Gräßer und ihre Kollegin Jeannette Wölper – ein Curriculum entworfen. Ein halbes Jahr theoretische Ausbildung liegt ebenso hinter ihnen wie ein Praktikum in der Klinik. Vor einer Woche hat für die frühere Telefonistin die buchstäbliche Praxis-Erfahrung an der Heinestraße begonnen.

Der Duisburger Kollege habe ihn nicht nur als Monheimer angerufen – zuvor musste die blinde Auszubildende ein halbes Jahr allmorgendlich nach Düren pendeln –, sondern „auch, weil wir in der Weiterbildung sehr aktiv sind“, betont Dr. Friedhelm Fester. Mit der neuen Methode der Brustdiagnostik habe Hoffmann bei ihm „offene Türen eingerannt“. Zwischen zwei und fünf Minuten könnten er und sein Kollege Ernst Rainer Gethmann pro Vorsorge-Untersuchung in den Tastbefund investieren: „Mehr ist bei aller Sorgfalt im Praxisalltag leider nicht möglich.“

Beate Gräßer tastet je nach Cup-Größe 30 bis 40 Minuten die Brüste und auch die Lymphknoten ab. Etwa 70 Patientinnen – inklusive des Praktikums im Brustzentrum – sind bereits durch ihre Hände gegangen. Eine von ihnen ist Sylvia Matika. „Ich hatte danach ein deutlich sichereres Gefühl, dass da wirklich nichts ist“, berichtet die 45-Jährige. Für ihre Mit-Patientin Ute Radenbach ist zudem wichtig, dass „die Untersuchung ohne Strahlenbelastung“ stattfand. „Jeder kennt doch heutzutage jemanden, der Brustkrebs hat“, so die 51-Jährige. „Ich werde das sicher jetzt regelmäßig in Anspruch nehmen.“ Während der Pilotphase noch gratis, werden sie für diesen Extra-Service künftig etwa 25 Euro zahlen: „Das ist es mir wert.“ Zumal Gräßer auch Tipps zum Selbst-Abtasten gibt: „Viele Frauen denken, sie müssten einen Golfball suchen. Dabei gilt es eher, ein Reiskorn zu erspüren.“

Quelle: RP

 
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