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Langenfeld: "Angstraum" S-Bahnhof

VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 15.09.2009

Düsseldorf (RPO). Nach der Kriminalitätsstatistik haben Fahrgäste an beiden S-Bahnhöfen laut Stadt und Bahn wenig zu befürchten. Subjektiv ist das Gefühl oft ein anderes. Nun ist die Diskussion über die Videoüberwachung wieder aufgeflammt.

Notruf- und Infosäule auf dem Bahnsteig in Berghausen. Wie zuverlässig sind beide Dienste?  Foto: RPO
Notruf- und Infosäule auf dem Bahnsteig in Berghausen. Wie zuverlässig sind beide Dienste? Foto: RPO

Nach der tödlichen Prügelattacke zweier Jugendlicher auf einen 50-jährigen S-Bahn-Fahrgast in München hat die BGL ihre Forderung nach einem Ausbau der Video-Überwachung des S-Bahnhofs am Katzberg bekräftigt.

"Zwar ist der Bahnsteig auf unseren Druck hin seit fast drei Jahren videoüberwacht, doch der Tunnel als Zugang dorthin wird von vielen Pendlern nach wie vor als Angstraum empfunden", erklärte Harald Degner, Rats- und Kreistagsmitglied der unabhängigen Wählervereinigung, gestern gegenüber der RP.

BGL: Auch den Tunnel überwachen

Info

Video-Überwachung

Die Investitionskosten für die Video-Überwachung an den S-Bahnhöfen Langenfeld und Berghausen hat die Stadt getragen. Etwa 80 000 Euro zahlte sie dafür Ende 2006.

Die Bahn übernahm im Gegenzug die Betriebskosten für die Anlage bis 2016 und möbelte beide Bahnhöfe auf.

Die je zwei Kameras sind seit Ende 2006 an beiden Bahnhöfen der Stadt (Langenfeld und Berghausen) installiert.

Ein Dreivierteljahr zuvor, am Ostersonntag 2006, wurde ein 38-jähriger Monheimer in dem Bahnhofstunnel am Katzberg von einem oder mehreren Unbekannten so zusammengetreten, dass er wegen seiner schweren Knochenbrüche in die Düsseldorfer Uniklinik gebracht werden musste und sich nur noch bruchstückhaft ("eine schreiende Frau") an den Vorfall erinnern konnte. Die BGL verteilte darauf Flugblätter am Tatort, um ihrer Forderung nach Video-Überwachung Nachdruck zu verleihen.

"Der Tunnel ist nur schwer einsehbar, es riecht nach Urin – man fühlt sich schlichtweg unwohl darin", meint Degner. "Warum wird er nicht endlich mit in die Video-Überwachung einbezogen", fragt der Ratsherr und verweist auf das "Vorbild" Ratingen: "Dort sind überall Kameras, und Schilder weisen auch groß darauf hin." Zwar würden die Aufnahmen nur aufgezeichnet und nach kurzer Zeit wieder gelöscht – "aber als Beweismittel und vor allem als Abschreckung genügt das allemal!"

Norbert Lang von den Grünen hingegen sieht allein in der Anwesenheit von Menschen einen wirksamen Schutz vor Schlägern am Bahnhof: "Die Videokameras bieten nur eine vorgetäuschte Sicherheit. Wie oft bekommen die Mitarbeiter in der Düsseldorfer Bahn-Zentrale die Bilder aus Langenfeld denn wirklich zu Gesicht?"

Zu selten, glaubt Lang, wo doch schon die Info-Taste der rotblauen Säule kaum funktioniere. Er selbst habe schon mehrfach auf Drücken keine Antwort erhalten und zudem Zweifel, dass dies bei dem SOS-Knopf anders ist. Deshalb wirbt der Grünen-Politiker für eine bemannte Fahrrad-Station am S-Bahnhof. "Zumindest sollte der Taxi-Stand am Busbahnhof auf die Höhe des Bahnsteigs verlegt werden. Dann haben die Taxifahrer, die ohnehin die einzigen präsenten Bahnhofs-,Betreuer' sind, einen besseren Blick auf das Geschehen dort."

Bahnhofsmanager Jörg Seelmeyer widerspricht Lang in Sachen SOS-Taste: "Die muss funktionieren. Mir ist keine Störung bekannt." Anders als bei der Info-Taste würden Anforderungen über SOS "prioritär" behandelt: "Der Notruf läuft in unserer ständig besetzten 3-S-Zentrale auf, gleichzeitig werden die Kamerabilder zugeschaltet".

Überhaupt habe sich die Video-Überwachung bezahlt gemacht: "Wir haben keine nennenswerten Gewalttaten auf den Bahnsteigen." Um auch das "subjektive Sicherheitsgefühl" der Fahrgäste zu stärken, bekämen beide Langenfelder Bahnhöfe aus Mitteln des Konjunkturpakets II demnächst eine bessere Beleuchtung, Berghausen zudem einen neuen Anstrich.

Und der Tunnel am Katzberg? "Der ganze Bereich wird von unserem Ordnungsdienst regelmäßig kontrolliert", versichert Marion Prell, Vizechefin im Rathaus, das für das Bahnhofsumfeld bis zur ersten Treppenstufe des Aufgangs zuständig ist.

Außerdem seien verwaiste "Schrottfahrräder" entsorgt und die Fahrrad-Unterstände gesäubert worden. "Damit soll die gefühlte Sicherheit verbessert werden – objektiv, also der Kriminalitätsstatistik nach, besteht hier ohnehin kein Anlass, sich zu ängstigen."

Aus diesem Grund sieht die Stadtverwaltung auch keine Möglichkeit, den Tunnel videoüberwachen zu lassen. Franz-Josef Frank vom zuständigen Verkehrsamt: "Das ist im städtischen Raum rechtlich nur an wirklichen Brennpunkten zulässig."

Quelle: RP

 
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