Langenfeld: Arzt Meuser weist Kritik zurück
zuletzt aktualisiert: 04.09.2007Düsseldorf (RPO). Einen heftigen Streit unter Medizinern hat die Entlassung des Langenfelder Arztes Hans-Peter Meuser aus dem Mettmanner Kreisvorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein ausgelöst. Wie die RP gestern berichtete, war dem Allgemeinmediziner vorgeworfen worden, die von der KV garantierte wohnortnahe Versorgung jedes gesetzlich versicherten Patienten rund um die Uhr durch Proteste und Veröffentlichungen „unterhöhlt“ zu haben.
Im Gespräch mit der RP wies Meuser, der bundesweit als streitbarer Erster Vizepräsident der Freien Ärzteschaft bekannt ist, solche Vorwürfe zurück. Durch ein Interview im April in der Fachzeitschrift „Der Kassenarzt“ sei er in die Kritik von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt geraten. Meuser: „Die Ministerin hat aus dem ziemlich langen Bericht einen Satz heraus genommen und damit meine Aussage aus dem Zusammenhang gerissen. Sie zeichnete ein völlig falsches Bild von meinen Anliegen.“
Meuser will nach eigenen Angaben seine Patienten nicht im Regen stehen gelassen, sondern im Gegenteil für sie gekämpft haben. „Für alles gibt es Geld, nur nicht für kranke Menschen. Ich wollte Praxisschließungen, um meine Patienten aufzurütteln. Eine andere Möglichkeit gibt es für uns Ärzte nicht, um auf das kranke Gesundheitssystem hinzuweisen.“ Trotz der Schließung sei für seine Patienten immer durch Vertretungen im Notfall gesorgt gewesen.
Durch seine Abberufung sieht Meuser das Votum der Mitglieder missachtet, die ihn mit Mehrheit gewählt hätten. Der Beschluss des KV-Vorstands Dr. Leonhard Hansen (Aachen) und Dr. Klaus Enderer (Köln) sei „völlig undemokratisch“ gewesen und habe damit heftigen Protest von Kollegen ausgelöst. Viele Ärzte hätten ihm per E-mail ihre Solidarität bekundet, meinte Meuser. Er verwies auf eine Stellungnahme des nordrheinischen Berufsverbands der Ärzte, wonach seine Entlassung „eine Bankrotterklärung der KV“ sei. Der Hartmannbund komme zu der Ansicht, dass der KV-Vorstand in Nordrhein offensichtlich sich unter Einfluss der Aufsichtsbehörde genötigt gesehen habe, den Vizepräsidenten der Freien Ärzteschaft seines KV-Amtes zu entheben.
In dem genannten Fachzeitschriften-Interview hatte sich Meuser für Budgetferien ausgesprochen, also eine Schließung der Praxis ab Erfüllung des Individualbudgets. „Wenn das von der KV gemeinsam mit den Kassen festgelegte Individualbudget der Ärzteschaft so bemessen ist, dass sie die Versorgung sicherstellen, können Budgetferien die vertragliche Versorgung überhaupt nicht gefährden,“ kritisiert die Sprecherin des Hartmann-Landesverbandes Nordrhein, Angelika Haus. Sie sagt weiter: „Wir leben in einem Land der freien Meinungsäußerung und wollen keine Duckmäuser als unsere Vertreter.“ Die KV müsse sich jetzt fragen lassen, ob sie „wirklich die letzten Reste selbständigen Handelns aufgeben“ wolle.
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