Langenfeld: „Berechtigte Vorwürfe“
zuletzt aktualisiert: 20.04.2007Düsseldorf (RPO). Idee gut, umgesetzt aber mangelhaft
langenfeld / monheim (stm) „Mit viel Schweiß auf der Stirn“ habe der Kreis Mettmann die gesetzliche Vorgabe umgesetzt, kommentierte Erhard Steinbrink den „teils berechtigten Vorwurf eines Schnellschusses“. Gleichwohl hätten sich die Lehrerinnen und Erzieherinnen „mächtig ins Zeug gelegt“, lobte der Schulrat, dem es „Kummer“ macht, dass sich einige Kinder dem Sprachtest komplett verweigert haben. Das schlechte Ergebnis sei für ihn denn auch „verwunderlich, aber nicht erschreckend“. Bei aller Kritik: „Die Sprachstandserhebung ist notwendig, um bei Defiziten frühzeitig intervenieren zu können“, betont Jugendamtsleiterin Annette Berg. In einigen Monheimer Einrichtungen müssten bis zu 80 Prozent der getesteten Kinder in die zweite Runde. „Warum müssen wir dieses aufwändig flächendeckende Verfahren mit unseren Steuergeldern bezahlen?“ hält ein Langenfelder Vater (35) dagegen. „Die Erzieherinnen kennen doch ihre Pappenheimer. Hätte man diese nicht gezielt testen können?“
Packen Sie bitte nicht direkt die rohen Eier aus!“ Die vermeintliche Sorge von Schulamtsleiterin Ute Piegeler bei ihrer humorvollen Begrüßung der Eltern vierjähriger Kinder kommt nicht von ungefähr. Zu viel ist bei der ersten Sprachstandserhebung schief gelaufen. Es kann nicht angehen, dass eine Einrichtung einen Monat vor dem ersten Test eine „Dummy-Version“ des Spiels bekommt, während andere Erzieherinnen gerade mal 36 Stunden vor dem Ernstfall geschult werden. Auch bei der Benachrichtigung der Eltern gab es Pannen: Während den meisten das schlichte „bestanden“ oder „nicht bestanden“ ins Haus flatterte, hatten andere Einsicht in die Unterlagen der protokollierenden Lehrerin, die aus datenschutztechnischen offiziell nur der Schulaufsicht zugänglich sind. Für Piegeler eine zusätzliche Farce: „Wie sollen die Erzieherinnen nach der zweiten Runde ein Kind intensiv fördern können, wenn sie offiziell nichts von einem Förderbedarf wissen dürfen?!“
Nichtsdestotrotz: Die bundesweite Premiere einer verpflichtenden Sprachstandserhebung zwei Jahre vor der Einschulung ist ebenso nötig wie verdienstvoll. Denn nur wer die Sprache beherrscht, wird in Schule und Beruf Erfolge verzeichnen können. stm
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