Langenfeld: „Gesunde Bräune gibt es nicht“
VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 13.10.2006Düsseldorf (RPO). Auf dem Deutschen Hautkrebskongress in Magdeburg wurde ein Solarien-Verbot für Jugendliche gefordert. Seriöse Bräunungsstudios in der Region warnen bereits von sich aus Teenager vor dem künstlichen Sonnenbad.
langenfeld / monheim „Ich lass’ mir doch das Sonnenstudio nicht verbieten!“ Jessica (17) reagiert empört auf die Überlegungen der Bundesregierung, ein Verbot der Bräunungscenter für Minderjährige zu prüfen. Anlass ist eine entsprechende Forderung des Deutschen Hautkrebskongresses: Die Dermatologen hatten bei ihrer Oktober-Tagung auf eine „explosionsartige Zunahme von Hautkrebserkrankungen bei jungen Menschen“ verwiesen. Die 17-jährige Monheimerin lässt das kalt: „Was ist heutzutage nicht gefährlich . . .“.
Eine Umfrage des Instituts für Jugendforschung ergab, dass jedes fünfte Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren häufig ins Sonnenstudio geht – unter Gymnasiastinnen sogar jede vierte. Schließlich wirkt das Bauchnabelpiercing ihrer Ansicht nach nur, wenn es zwischen Hüfthose und kurzem Oberteil in einem knackig braunen Hautstreifen aufblitzt. Die Dermatologen sprechen denn auch von einem „Bräunungswahn mit üblen Folgen“.
WHO fordert Verbot
Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit bis zu 60 000 Menschen pro Jahr an den Folgen zu hoher UV-Bestrahlung. Bis zu 90 Prozent der globalen Hautkrebsfälle gehen auf übermäßige UV-Strahlung zurück.
Moderne Geräte filtern zwar die besonders schädliche UV-B-Strahlung heraus, doch auch UV-A-Licht löst Hautkrebs aus.
Stehen Sonnenstudios denn noch hoch im Kurs? Zumindest findet sich inzwischen auch in dem ein oder anderen Fitness-Studio eine Sonnenbank, obwohl diese, wie Willy Hanf vom Family-Fitness-Club in Langenfeld einräumt, gar nicht (mehr) so häufig frequentiert werde. Und: „Jugendliche gehen schon deshalb nicht drauf, weil wir keine Mitglieder unter 18 Jahren haben“, erklärt der Studioleiter. Im benachbarten „Sun-Planet“ ist das künstliche Bräunen den Minderjährigen ohnehin nur mit Vollmacht der Eltern erlaubt. Das schreckt die UV-freudigen Teenager nicht: Rund ein Drittel der Sun-Planet-Kunden sind unter 18.
Die Sunpoint-Sonnenstudio GmbH & Co. KG ist mit je einer Filiale in Langenfeld und Monheim vertreten. Der Marktführer spricht zwar von „biopositiven Eigenschaften des Sonnenlichts, die bei Mangelerscheinungen und Zivilisationskrankheiten helfen“, warnt aber zugleich vor zu starken Belastungen. „Unsere Mitarbeiter nehmen regelmäßig an Schulungen teil, um die Kunden hinsichtlich des Hauttyps adäquat beraten zu können“, betont ein Unternehmenssprecher. Das beinhalte auch, von einem Besuch abzuraten, „wenn beispielsweise Medikamente eingenommen werden, die die UV-Verträglichkeit verändern“.
Die Hauttyp-Analyse inklusive einer Hautfeuchtigkeitsmessung ist in allen seriösen Studios längst obligatorisch, bevor es unter die UV-Röhren geht. Auch der individuelle „Besonnungsplan“ orientiert sich eher an den Minimal-Einheiten – oder an einem Rezept: So gibt es beispielsweise zwölfjährige Neurodermitis-Patienten, die sich auf Empfehlung des Arztes therapeutisch bestrahlen lassen.
Generell gilt jedoch: Je jünger die Haut, desto gefährdeter. „Je mehr Sonne Kinder und Teenies abbekommen, desto höher ist das Hautkrebs-Risiko als Erwachsener“, warnt das Bundesamt für Strahlenschutz – egal, ob natürlich oder aus der Röhre. Fast 17 Prozent des besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebses wurde bei Mädchen und Frauen unter 21 festgestellt. In mehreren US-Bundesstaaten sowie Frankreich und Spanien besteht deshalb seit Jahren eine Altersbeschränkung für Solarien-Besuche. Jetzt soll Deutschland der WHO-Forderung endlich Folge leisten – und damit auch die eingangs zitierte Jessica. Denn „wenn es zu einem gesetzlichen Verbot der Sonnenstudios für Minderjährige kommt“, so die Monheimer Rechtsanwältin Marion Prondzinsky-Kohlmetz, „dann ist jeder Dienstleistungsvertrag mit Unter-18-Jährigen sittenwidrig“. KOMMENTAR
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