Monheim: „Ich trete an“ – im Augenblick
VON JÖRG JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 17.06.2008Düsseldorf (RPO). „Ich bin Kandidat aus dem Amt heraus, solange ich es erkläre. – Ich trete an und kann im Augenblick nicht erkennen, warum ich andere Erklärungen abgeben sollte.“ Mit Sätzen, die bei genauer Lesart nicht jede Hintertür vollständig verschließen, reagiert Bürgermeister Dr. Thomas Dünchheim (CDU) auf Äußerungen aus dem CDU-Umfeld, seine Partei suche bereits nach einem potentiellen Nachfolger, da der promovierte Volljurist 2009 in die freie Wirtschaft oder eine namhafte Kanzlei wechseln wolle. Einer der Gründe: Dort ließen sich weit mehr als die rund 95 000 Euro Jahresbrutto verdienen, die ein Bürgermeister in einer Kleinstadt mit bis zu 50 000 Einwohnern bekommt. Für Parteichef Markus Gronauer und Fraktionsboss Günter Bosbach ein Thema zur Unzeit. „Gute Leute sind überall gefragt. Das spricht im Zweifel für deren Qualitäten. Aber ich habe viele Gründe anzunehmen, dass Thomas Dünchheim 2009 ins Rennen geht“, so Gronauer. Zu einem möglichen Rest-Risiko, doch noch aus dem Nichts heraus einen neuen, eigenen Bürgermeisterkandidaten aufbauen zu müssen, sagt CDU-Mitte-Chefin Marion Prondzinsky-Kohlmetz: „Ich gehe davon aus, dass Thomas Dünchheim im kommenden Jahr antritt. Etwas anderes glaube ich erst, wenn ich es aus seinem eigenen Munde höre.“
„Soll mit offenen Karten spielen“
An eine Intrige aus der Monheimer CDU, die Dünchheim zwingen soll, 2009 gefälligst als Parteikandidat und nicht als Einzelkämpfer aus dem Amt heraus anzutreten, glaubt Prondzinsky-Kohlmetz, die in ihrer alten Heimat Kamp-Lintfort 2004 selbst als Bürgermeister-Kandidatin ins Rennen gegangen war, nicht. „Ich wüsste nicht, wem so etwas nützen sollte.“ Eines steht für sie allerdings fest: „Wenn es – wofür ich keinerlei Anhaltspunkte kenne – tatsächlich eine berufliche Veränderung geben sollte, erwarte ich, dass der Bürgermeister mit offenen und fairen Karten spielt und eine solche Entscheidung sehr, sehr zeitnah kommuniziert.“
Aus Sicht der CDU-Parteistrategen ein mehr als berechtigtes Anliegen. Denn in rund einem Jahr ist Kommunalwahl. Ein neuer CDU-Kandidat müsste erst einmal aufgebaut werden. Und jeder Monat, in dem unklar ist, ob Dünchheim wirklich noch ins Amt strebt, kann jenseits der Personenwahl auch die christdemokratische Partei, die im Rat ohnehin auf Partner angewiesen ist, wichtige Prozentpunkte kosten.
Monheims erster Bürger blieb gestern seiner kokett-gelassenen Rolle zumindest nach außen hin treu: „Nach zehn Jahren harter und intensivster Arbeit werde ich doch das gut bestellte Feld nicht einfach Frau Schlößer von der SPD überlassen.“
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