Langenfeld: Bücherei wird immer digitaler
VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012Langenfeld (RP). Noch bilden das klassische Buch und andere Printmedien den "Löwenanteil" an Bestand und Ausleihen in der Langenfelder Stadtbibliothek. Doch die Bedeutung von E-Books und Zugängen zu Datenbanken wächst rasant.
Gottfrieds Keller "Kleider machen Leute" zählte schon vor 40 Jahren zur Schullektüre. Wenn die damals jugendliche Martina Seuser ein Exemplar hätte ausleihen wollen, wäre sie in der "Städtischen Bücherei" im Freiherr-vom-Stein-Haus wohl fündig geworden. Inzwischen ist Seuser 56 und Leiterin der "Stadtbibliothek" (seit 1989 im Kulturzentrum).
Wenn sie von heutigen Schülern nach Kellers "Kleidern" gefragt wird, kann die Reusratherin ihnen die Lektüre gleich in sechs Formen anbieten: als Buch (Originaltext und mehrere Interpretationshilfen), Hörbuch (auf CD in zwei Versionen), DVD (Verfilmung mit Heinz Rühmann), CD-Rom (Originaltext und Erläuterungen), E-Audio zum Downloaden und als E-Book (Originaltext, Erläuterungen, Kurzinterpretation und Interpretationshilfen). "Die Digitale Revolution, die sich seit Einführung der EDV Anfang der 90er Jahre auch in unserem Haus vollzieht, hat sich in den letzten fünf Jahren noch mal beschleunigt", kommentiert Seuser die Entwicklung: "Ein Ende ist nicht abzusehen."
Stadtbibliothek
Gegründet 1903
Medienbestand 61 393
Erneuerungsquote 9,7 Prozent
Entleihungen 337 960
Bücherei-Ausweisinhaber 5419
Kundenbesuche vor Ort 140 859
Besuche online 59 592 (jew. 2011)
Kontakt Hauptstr. 131, Tel. 7944242, stadtbibliothek@langenfeld.de
stadtbibliothek-langenfeld.de
Nicht zum Anfassen
Noch bilden das klassische Buch und andere Printmedien mit 75 Prozent den "Löwenanteil" an Bestand und Ausleihen in der Stadtbibliothek, erklärte die Chefin von elf Mitarbeitern (insgesamt 8,75 Stellen) jetzt in ihrem Jahresbericht vor dem Kulturausschuss. Und betonte: noch. "Die nicht im haptischen Sinne vorhandenen Medien wie E-Books, E-Papers oder E-Videos werden immer wichtiger."
Dies gilt auch für den Zugang zu speziellen Datenbanken. Der ermöglicht etwa Schülern, für Jahresarbeiten zu recherchieren. Als vielgenutztes Beispiel nannte Seuser den "Munzinger" mit seinen Personen- und Länderinformationen: "Das ist Wikipedia für Profis. Eine geschlossene Datenbank mit absolut zuverlässigen Informationen, die wöchentlich aktualisiert werden."
Der Vorteil gegenüber dem für jede Mitarbeit offenen Wiki-Projekt: "Der ,Munzinger' genügt wissenschaftlichen Ansprüchen." Der Nachteil: Der Zugang kostet Geld, wenn auch erst ab 2013. Dann läuft eine staatliche Förderung für die öffentlichen Bibliotheken aus. "Damit unsere Kunden den ,Munzinger' auch über 2013 hinaus gratis nutzen können, planen wir, den Zugang dann aus dem eigenen Budget zu bezahlen", bekundete die Bibliotheksleiterin ihren festen Willen, die digitale Modernisierung ihres Hauses fortzusetzen.
Die finanziellen Mittel hierfür muss sie indes vor allem durch Umschichtungen im Etat erwirtschaften (500 000 Euro inklusive Personalkosten). "Mit einem Budget für Medienanschaffungen und Sachausgaben von 72 000 Euro in der Spitze, wie wir es mal vor ein paar Jahren hatten, können wir erst wieder rechnen, wenn es der Stadt Langenfeld finanziell wieder richtig gutgeht", weiß Seuser.
Im laufenden Jahr stehen der Bibliothek nach dem Haushaltsbeschluss des Kulturausschusses für die genannten Posten 70 000 Euro zur Verfügung. Das klingt zwar nach einem satten Plus gegenüber 2011 (63 000), doch die Referatsleiterin relativiert: "Der Anteil der Sachausgaben (Büromaterial etc.) steigt, und der Ersatz von VHS-Videofilmen durch DVD's schlägt überdurchschnittlich stark zu Buche. Überdies sind 3000 Euro zweckgebunden – für die Vorbereitung des Selbstverbuchungssystems mit Barcodes 2013/14."
Neue Geräte erklären
Diese in Nachbarstädten bereits erprobte Innovation soll dem Bücherei-Team Luft verschaffen für Aufgaben wie Medienvermittlung (etwa in Zusammenarbeit mit Schulen) oder die Anleitung von Kunden bei der Bedienung neuer Medien. "Die Lesegeräte für E-Books, deren Anschaffung uns der Bibliotheksförderverein ermöglicht hat, wollen auch erklärt sein", nennt Seuser ein Beispiel. In diesem Zusammenhang hofft sie darauf, dass sich bald ein E-Book-System als Standard durchsetzen wird: "Wir mussten schon Kunden enttäuschen, die stolz mit ihrem Amazon-,Kindle' zu uns kamen und dann erfuhren, dass sie ,unsere' E-Books auf diesem Gerät nicht lesen können."
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