Monheim: CDU vor Kampfkandidatur
VON JÖRG JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 16.12.2008Düsseldorf (RPO). Gründlich daneben ging die Präsentation eines möglichen Nachfolge-Kandidaten für den scheidenden Bürgermeister Thomas Dünchheim. Gegen seinen Willen kündigte gestern Abend Marion Prondzinsky ihre Kandidatur an.
Wird die maßgeblich von Bürgermeister Dr. Thomas Dünchheim durchgedrückte Kandidatur (siehe RP-Senftopf vom Samstag sowie RP von gestern) seines Wunsch-Nachfolgers Tim Brühland (31) zum Flop? „Tim – wer?“ – An der Basis der Partei regte sich massiver Widerstand. Im RP-Gespräch kündigte die Chefin des CDU-Ortsverbandes Monheim-Mitte Marion Prondzinsky gestern am frühen Abend für die entscheidende Mitglieder-Versammlung im Bürgerhaus Baumberg (morgen Abend, 19.30 Uhr) eine Kampf-Kandidatur an. „Ich trete an, weil ich in Monheim lebe, mich seit Jahren politisch und ehrenamtlich für Monheim und die Monheimer engagiere. Und weil ich mir die Führung einer Verwaltung zutraue.“
FDP für Prondzinsky
Umgehend reagierte gestern Abend die FDP. Parteisprecherin Helga Blum kündigte an: „Sollte Marion Prondzinsky gewählt werden, sind wir bereit, sie als gemeinsame bürgerliche Bürgermeister-Kandidatin zu unterstützen.“ Und wenn Tim Brühland gewählt wird? „Wir stehen nicht hinter diesem Kandidaten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir ihn unterstützen.“
„Akzeptieren Vorschlag nicht“
Bereits gestern Morgen standen die Telefone der Christdemokraten nicht mehr still. „Wir akzeptieren diesen Vorschlag der so genannten Findungskommission nicht und werden am Mittwochabend einen eigenen Kandidaten präsentieren“, sagte Parteimitglied Manfred Tydecks. Der Steuerberater ist sich sicher: „Herr Brühland kann am Mittwochabend auf keine Mehrheit bauen.“ Tatsächlich sind viele CDU-Mitglieder sauer auf diejenigen, die den Ex-Jungsozialisten, erst vor kurzem zur CDU gestoßenen Juristen aus dem niederbergischen Wülfrath, der weder über Rats- noch über Verwaltungserfahrung verfügt, unbedingt auf den Schild heben wollen.
„Eine Verlegenheitslösung in letzter Minute; da könnte Marion Prondzinsky deutlich mehr in die Waagschale werfen“, so eine gestern häufig zu hörende Meinung. Namentlich angesprochen: der scheidende Bürgermeister, der bekanntlich in der Partei (anders als beispielsweise sein Langenfelder Amtskollege Magnus Staehler) nicht sonderlich gut vernetzt ist. Innerparteiliche Gegner sind sicher: Mit seiner Drohung, im Zweifel erst im kommenden April offiziell zu entscheiden, ob er aus dem Amt heraus antritt, hat er die Partei in Sachen Nachfolge-Regelung quasi erpresst. Motto: Wenn ihr nicht den nehmt, den ich will, müsst ihr damit rechnen, dass ihr erst Mitte April mit dem Aufbau eines eigenen Kandidaten loslegen könnt.
Baumberg Connection
Ebenfalls angesprochen: die so genannte von manchen in der Partei als „Baumberg Connection“ bezeichnete Gruppe rund um Gesamt-Parteichef Markus Gronauer. Vor allem in Monheim-Mitte/-Süd ist der Ärger grenzenlos. Tenor: Ein Parteichef muss stets die Gesamt-Partei und die Gesamt-Stadt im Blick halten und darf nicht möglicherweise vorhandene alte Rechnungen begleichen. Auf die Kampf-Kandidatur Prondzinskys angesprochen sagte Gronauer der RP: „Wird sie gewählt, werde ich nicht gegen sie arbeiten.“
Allein der Umgang des Noch-Amtsinhabers mit seinem Wechsel in die Düsseldorfer Top-Kanzlei Lovells sucht nach Auffassung der Dünchheim-Kritiker seinesgleichen. Wie man es anders und besser machen kann, habe (einmal mehr) Magnus Staehler in der Nachbarstadt unter Beweis gestellt. Statt einen fragwürdigen Eiertanz zu präsentieren, habe er die Katze erst an dem Tag aus dem Sack gelassen, als sein Abgang tatsächlich spruchreif war. Auch in der Präsentation des möglichen Nachfolgers Frank Schneider böten die Langenfelder Christdemokraten ein vollständig anderes Bild. Sie präsentierten das in Immigrath wirkende Eigengewächs Schneider statt ein beispielloses Wirrwarr um 40 potentielle Nachfolge-Kandidaten aus nahen und fernen Städten loszutreten.
Keine Überzeugungstat
Fakt ist: Es bleibt das Geheimnis von Dünchheim sowie der ihn unterstützenden Gefolgsleute, warum sie parallel zu der streckenweise hilflos wirkenden Suche nach einem geeigneten Kandidaten ein engagiertes, intelligentes und die Mühen der Ebene niemals scheuendes Eigengewächs mit deutlich besseren Qualifikationen namens Marion Prondzinsky so mürbe machen wollten, dass die den Überraschungskandidaten aus Wülfrath zwischenzeitlich resigniert abnickte. Aus Sicht der neuen Bürgermeister-Kandidatin keine Überzeugungstat („Ich habe weder für noch gegen Brühland gestimmt“), sondern eher so etwas wie ein kurzer Erschöpfungszustand.
Assessment-Center verweigert
Unterdessen warf Dünchheim der Bewerberin, die er um jeden Preis verhindern wollte, gestern vor, sich zwei so genannten Assessment-Centern (zugespitzten Auswahlrunden) der sechs- bis siebenköpfigen Findungskommission verweigert zu haben. Einmal sei sie krank gewesen, das zweite Mal habe sie einfach nicht gewollt. Dem widerspricht Prondzinsky nicht. „Ich habe in mehr als zehn Jahren politischer Arbeit meine Visitenkarte abgegeben und muss mich nicht einem Auswahlverfahren unterziehen, dessen Ergebnis nach meinem Dafürhalten sowieso schon feststand.“
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