Langenfeld: „Das ist nicht der Henkel-Stil“
VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 10.07.2008Düsseldorf (RPO). Rund 3000 Betriebsangehörige werden zur heutigen Belegschaftsversammlung in Düsseldorf erwartet. Darunter zahlreiche „Henkelaner“ aus Langenfeld und Monheim, die mit 500 Kollegen um ihren Arbeitsplatz bangen.
Wenn heute um 9.30 Uhr auf dem Holthausener Betriebsgelände die „Henkelaner“ zur außerordentlichen Betriebsversammlung ins Kasino Süd strömen, werden auch zahlreiche Langenfelder und Monheimer wissen wollen, was der neue Vorstandsvorsitzende Kasper Rorsted unter „Global Excellence“ versteht. Denn hinter diesem schönen Wort verbirgt sich ein Einsparprogramm, das unter anderem die Streichung von 3000 Arbeitsplätzen weltweit, darunter allein 500 in Düsseldorf, beinhaltet.
„Die Stimmung ist sehr angespannt.“ Ursula Reif muss es wissen. Seit 38 Jahren arbeitet die Berghausenerin als Sekretärin im Büro des Betriebsrates und hat in den vergangenen Wochen schon viele besorgte Kollegen am Telefon oder vor ihrem Schreibtisch gehabt. Einer davon ist Peter Müller (Name geändert) aus Monheim. Seit 23 Jahren ist der 53-Jährige bei der Henkel KGaA, deren „familiären Charakter“ er stets geschätzt hatte. Doch der sei in den letzten Jahren sehr zurück gegangen. „Klar, in unserer schnelllebigen Zeit, wo jeder unter Termindruck steht, kann der Kontakt nicht mehr so persönlich sein“, hat Müller Verständnis für die Nöte des „Global Players“.
Die Henkel KGaA
Im September 1876 gründet der 28-jährige Kaufmann Fritz Henkel die Firma Henkel & Cie. Schon sein erstes Produkt, ein Universalwaschmittel, ist ein Erfolg.
Die erste Klebstofflieferung – dort ist Henkel heute Weltmarktführer – verlässt den Düsseldorfer Standort im Juni 1923.
1925 gründet Henkel in Monheim eine Papierfabrik. Im August 1999 wird die Cognis Deutschland GmbH & Co.KG als 100-prozentiges Tochterunternehmen der Henkel KGaA aus der Taufe gehoben.
Aber „was im Moment passiert, ist echt schlimm“, sagt Müller. Auch mit ihm sei „ein böses Spiel getrieben“ worden: Gemäß Rorsteds Aussage, die Stellen-Streichung in Form von Altersteilzeit und Vorruhestand „sozialverträglich“ abzuwickeln, sei der 53-Jährige vor einigen Wochen gebeten worden, seine Rentenbescheide einzureichen, um ihm ein Angebot zu unterbreiten. Was dem Monheimer vor drei Wochen ins Haus flatterte, war „ . . . wie mit Ihnen besprochen . . .“ die Kündigung zum Jahresende. Zwar wurde diese inzwischen zurück genommen, doch die Angst sitzt tief.
Seit drei Monaten schärferer Wind
Auch bei Ursula Reif. „Mit 53 gehöre ich ja auch zur Zielgruppe der potenziellen Vorruheständler“, grübelt die Sekretärin. Schließlich soll der Rotstift auf allen Ebenen angesetzt werden. Kündigungen am Heimatstandort hat es in der 132-jährigen Firmengeschichte noch nie gegeben. „So wie das jetzt läuft – das ist nicht der Henkel-Stil“, nährt Reif Aussagen, denen zufolge mit dem Führungswechsel vor drei Monaten ein schärferer Wind blase.
Auch Reinhold Raschkowski, der Rorsteds Vorgänger Ulrich Lehner persönlich kennt, hat den Konzern anders erlebt. „Aus Sicht der profitorientierten Aktionäre ist der geplante Schritt vielleicht nachvollziehbar“, kommentiert der 2002 pensionierte Langenfelder, aber: „Ich kenne die Familie Henkel. Die ist nicht nur gewinnorientiert, sondern hat auch den Menschen im Blick.“ Als Marketing-Chef von Henkel war Raschkowski weltweit für 300 Personen verantwortlich: „Gott sei Dank habe ich nie jemanden entlassen müssen, sondern immer eine andere Lösung gefunden.“
Darum sei der Konzern auch jetzt bemüht, betont Henkel-Sprecher Wulf Klüppelholz gegenüber der RP: „Wir wollen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden – auch wenn sie sich im Einzelfall nicht werden vermeiden lassen.“ Wenn sich Henkel-Chef Karsten Rorsted heute der Belegschaft stellt, werde ihm seinerseits ein scharfer Wind entgegen blasen, prophezeit Müller. Und Reif ergänzt: „Die Mitarbeiter haben ein Recht zu erfahren, wie sich die Milliardenumsätze des Konzerns mit dem geplanten Job-Abbau vertragen.“ KOMMENTAR
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