Kommentar: "Das Selbstbild verbessern"
zuletzt aktualisiert: 21.09.2009Düsseldorf (RPO). Höchste Zeit umzudenken
Immigrath Nachdem man lange das Augenmerk auf die Förderung von Mädchen gelegt hat, sind jetzt wieder die Jungen dran. RP-Mitarbeiterin Viola Gräfenstein sprach mit Friedrich Bergmeister, Leiter der Käthe-Kollwitz-Hauptschule in Immigrath.
Warum ecken Jungen öfter an als Mädchen?
Bergmeister Die negativen Muster, die bei vielen Jungen auftreten, sind manchmal nichts anderes als Komplexe aufgrund eines mangelnden Selbstbewusstseins. Jungen wollen darüber hinwegtäuschen. Um nicht auf dem Schulhof in irgendwelche Scheinkriege zu verfallen, wollen wir sie zur Erkenntnis ihrer Schwächen und insbesondere ihrer Stärken bringen.
Wie soll das funktionieren?
Bergmeister Wir bieten verschiedene Kurse und Programme an unserer Schule an. Neben einer Box-AG gibt es den Kursus "Fair Streiten" oder das Selbstfindungsprogramm "Mensch", in dem die Jungen lernen, wie sie sich nach außen besser darstellen und behaupten können.
Warum sind diese Kurse wichtig?
Bergmeister Ich erlebe viele unserer Jungen an der Schule als sehr hilfsbereit. Dennoch gibt es welche, die sich in ihrem negativen Bild immer selbst bestätigen wollen und deshalb Probleme machen. Sie kennen es ja nicht anders. Deshalb wollen wir ihre Eigenschaften in bessere Bahnen lenken, indem sie sich ihrer selbst bewusst werden und sowohl ihre Defizite als auch ihre Stärken sehen.
Wie gehen Sie da vor?
Bergmeister Wenn ich höre, dass da drei, vier Jungs Mist gebaut haben, dann versuche ich, ihre Kraft und Energie für alle einzusetzen. Ich lasse sie dann zum Beispiel schon mal die Sportgeräte in der Turnhalle aufräumen. Dabei gibt es dann schon mal eine Cola und ein Lob, denn das ist sehr anstrengend. Am nächsten Tag stehen sie auf einem Aushang in der Schule. Das macht meine Jungen sehr stolz. Langsam entwickeln sie dadurch ein besseres Selbstbild. Damit kann man sehr viel erreichen.
Die Mädchen holten dank Förderung auf, ja traten im Bereich der Bildung einen regelrechten Siegeszug an. Gut für die Mädchen. Die Kehrseite: Jetzt ist es das sogenannte starke Geschlecht, das auf der Strecke bleibt. Viele Jungen von heute wissen nicht mehr, wer sie eigentlich sind und was sie eigentlich dürfen. Ständige Maßregelungen und Strafen mit dem Ziel, sie für die Bildungsgesellschaft konformer zu machen, nagen an ihrem Selbstwertgefühl und Selbstverständnis. Dabei machen sie mit ihren Eigenschaften den anderen Teil der Gesellschaft aus und sind wiederum die Vorbilder der nächsten Generation. Es wird also höchste Zeit, ihnen endlich wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. vg
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