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Vier Tote bei Brand in Langenfeld: „Das waren super-freundliche Leute"

VON STEFAN SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 28.01.2012 - 10:10

Langenfeld (RP). Bei einem Wohnungsbrand sind am Freitag die Leichen eines Elternpaares und seiner beiden Kinder (5/1) entdeckt worden. Wahrscheinlich hat der 34-jährige Vater das Feuer selber gelegt und sich und seine Familie getötet. Hintergründe und Motiv sind noch offen.

 Das Drama im Langenfelder Stadtteil Reusrath nahm Freitag Morgen um kurz vor sieben Uhr seinen Lauf. Eine Beschäftigte einer Physiotherapiepraxis in einem Wohn- und Geschäftshaus an der Bundesstraße 8 alarmierte die Feuerwehr, weil aus dem zweiten Stock dichter Rauch quoll.

Nach Abschluss der Löscharbeiten, die schnell erledigt waren, machten die Kräfte der Langenfelder Berufsfeuerwehr unter Leitung von Marcus Jagieniak eine grausige Entdeckung. In der Wohnung lagen die Leichen eines 34-jährigen Familienvaters, seiner 33-jährigen Frau asiatischer Abstammung und der beiden Kinder des Paares, ein fünfjähriger Junge und ein neun Monate altes Mädchen. Die übrigen acht Bewohner des Gebäudes kamen mit dem Schrecken davon.

Info

Brände in NRW

Einsätze Im Jahr 2010 rückte die öffentliche Feuerwehr 1 963 822 Mal (2009: 1 646 449 Mal) aus. Die Freiwillige Feuerwehr war an 126 000 Einsätzen beteiligt, von denen jeder vierte dem Löschen diente.

Opfer Bei Bränden in Wohngebäuden kamen 2010 56 Menschen ums Leben (2009: 74).

Zeit Zwei Drittel der registrierten Brände brachen in der Zeit zwischen 18 Uhr und 6 Uhr aus.

 

Schnell stellte sich heraus, dass es Auffälligkeiten am Einsatzort gab. Frank Sobotta, Sprecher der Kreispolizeibehörde Mettmann, sprach schon am frühen Vormittag von Indizien, die auf ein Fremdverschulden hindeuteten. Welche das waren, verriet der Sprecher zunächst nicht. „Die Mordkommission Düsseldorf hat die Ermittlungen aufgenommen“, berichtete Sobotta. Auch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf schaltete sich ein.

Am Mittag teilten die Behörden dann mit: „Ein erster Tatverdacht richtet sich gegen den 34-jährigen Familienvater.“ Vermutlich habe der Mann, der nach Angaben von Nachbarn als selbständiger Computerexperte tätig war (seine Frau war Hausfrau), das Feuer selbst gelegt. Hinweise auf eine Einwirkung von außen hätten sich jedenfalls nicht ergeben.

Der Verdacht gegen den Familienvater erhärtete sich bald. Ein Nachbar hatte in seinem Briefkasten den Autoschlüssel der getöteten Familie entdeckt - zusammen mit einem Zettel mit dem Hinweis „Alles Weitere auf dem Beifahrersitz“. Die Gegenstände übergab er der Polizei. Was sich tatsächlich auf dem Beifahrersitz befand, verrieten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht - es seien aber Dinge gewesen, die auf eine Täterschaft des Vaters hindeuteten. Im Internet sei zudem ein mehrseitiger Abschiedsbrief gefunden worden, eine Art „Lebensresümee“, das der 34-Jährige verfasst habe, sagte Sobotta. Über ein mögliches Motiv des Mannes machten die Ermittler keine Angaben.

Nach bisher unbestätigten Informationen der „Westdeutschen Zeitung“ soll sich die Tat über einen längeren Zeitraum abgespielt haben. Demnach soll der Mann zunächst seine Gattin und das Baby getötet und danach noch einen Tag mit dem fünfjährigen Sohn in der Wohnung verbracht haben, ehe er auch diesen umbrachte. Eine Nachbarin will den Jungen am Donnerstag noch am Fenster gesehen haben.

Noch ungeklärt ist, in welchem Zusammenhang ein Ereignis am 24. Oktober des vergangenen Jahres mit der Tragödie von gestern steht. Damals hatte es schon einmal in der Wohnung der vierköpfigen Familie gebrannt. Das Feuer war in einem Vorratsraum ausgebrochen. Vater, Mutter und die beiden Kinder waren seinerzeit auf einen Balkon geflüchtet. Die Feuerwehr konnte die Familie unverletzt retten. Laut Polizei habe es sich um einen normalen Haushaltsbrand gehandelt, den Schaden habe die Versicherung reguliert. Verdachtsmomente hätten sich nicht ergeben, ein Strafverfahren sei nicht eingeleitet worden.

Der Vorfall mit damals noch glimpflichem Ausgang kam Christoph Crahs gestern Morgen sofort wieder in den Sinn, als er den Einsatz beobachtete. Der 49-Jährige betreibt einen Frisiersalon in unmittelbarer Nachbarschaft des Brandortes, die Familie gehörte zu seiner Kundschaft. Der tragische Tod der vier beschäftigte ihn stark. „Das waren total sympathische, super-freundliche Leute“, erzählte der Langenfelder wenige Stunden nach Ausbruch des Brandes, „bei dem Feuer jetzt habe ich ein ganz komisches Gefühl. Denn normalerweise ist es doch so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto, dass es innerhalb so kurzer Zeit zwei Mal in ein- und derselben Wohnung brennt.“

Bestürzt reagierten auch viele andere Menschen im Umfeld des Wohn- und Geschäftshauses, in dem unter anderem Arzt-Praxen und ein Supermarkt untergebracht sind. Gertrud Wadenpohl aus der Lottoannahmestelle im Erdgeschoss, die die Betroffenen kannte, wollte sich am liebsten gar nicht zu den Ereignissen äußern. „Das nimmt uns alle hier sehr mit“, sagte sie mit versteinerter Miene.

Das Brand-Drama in Langenfeld ist das zweite in Nordrhein-Westfalen binnen kurzer Zeit. In der vergangenen Woche waren bei einem Feuer in einem Aachener Einfamilienhaus drei kleine Kinder gestorben, die mit Feuer gespielt hatten.

Quelle: RP/ila/csr


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» Yvonne Lamm (1978-2012) Abiber97 »
16.02.12 09:53 Uhr
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