Langenfeld: Den Teufel zu Tränen rühren
VON MAXIMILIAN LAUFER - zuletzt aktualisiert: 03.12.2010Düsseldorf (RPO). Von Mut, Macht, Verrat und Liebe handelt das neue Blinklichter-Stück "Die Wette mit dem Teufel". Die Leidenschaft für das Theater trägt diese Vorstellung und das ganze Blinklichter-Projekt.
Wenn sich am Ende das Ensemble verneigt und das Publikum applaudiert, es aber ebenso gut anders herum sein könnte, dann wird man wohl von einer gelungenen Inszenierung sprechen können. Das Kinder- und Jugendtheater "Blinklichter" feierte in der Stadthalle mit dem Stück "Die Wette mit dem Teufel" Premiere. Das von Elisabeth Schafheutle geschriebene Familienstück ist – passend zum städtischen Ländermotto "Willkommen Baltikum "– deutlich von der estnischen Sagen- und Märchenwelt inspiriert.
Aber es ist noch viel mehr als das: Beispielhaft dafür, wie man im Strom des Bösen nicht mitschwimmt etwa. Der Wedaja, das Teufelsgeschöpf, erfährt, wie schwierig es ist, diesem Strom zu entkommen. Es ist weise, weil die größte Gefahr zumeist tatsächlich von denen ausgeht, die am lautesten schreien, dass sie wüssten, was für einen selbst gut sei. Solche Lautsprecher begegnen einem hier in Gestalt der drei Halunken: Dem Fuchs, der Schlange und dem Wolf, denen allen ein gewisser verschrobener Vagabundencharme nicht abgeht. Es ist auch aktuell, weil Schafheutle es verstanden hat, den Text Zeitgeist atmen zu lassen: "Mann oder Prinz, das ist mir egal. Hauptsache, er kann gut kochen." Manchmal ist es einfach nur anrührend.
Der Stoff: Das Leben
Es hätte auch schief gehen können. Denn einfach ist es nicht, den Stoff, der sich eigentlich von dem der großen Dramen und Stücke kaum unterscheidet und sich aus Freiheit, Mut, Macht, Verrat, Liebe, Hoffnung und viel Musik zusammensetzt, auf die Bühne zu bringen. Das Märchenhafte ist dafür nur dann das richtige Vehikel, wenn man es so begreift, wie die Autorin und Regisseurin. Ob Traum oder Wirklichkeit, ist dann nämlich egal. Wichtig ist allein noch, was passiert.
Selten sind Inhalt und Form eine glücklichere, weil der Kinder- wie Erwachsenenseele gleichermaßen zusprechende, Verbindung eingegangen als hier. Dem Musiker Kai Dorenkamp und seinem Texter Jost Meyer ist es zudem gelungen, einigermaßen griffige deutschsprachige Lieder zu komponieren, die zwar manchmal etwas belanglos daherkommen. Aber man sieht es ihnen nach. Daran sind andere Texter schon gescheitert.
Die Leidenschaft: Das Theater
Das, was an diesem Spätnachmittag am meisten funkelt, sind nicht die Edelsteine in Estonellas Schatztruhe, sondern die Augen der Darsteller. Manchmal ist da schon erstaunliche Selbstsicherheit zu erkennen, manchmal auch ein bisschen Verunsicherung, immer aber: Begeisterung. Die Leidenschaft für das Theater trägt diese Vorstellung und das ganze Blinklichter-Projekt. Das Publikum hätte sich ebenso gut verneigen können.
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