Monheim: Der (Kiels-)Graben klafft tief
VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 03.12.2008Düsseldorf (RPO). Bevor im heutigen Fachausschuss das Sportstättenkonzept auf die Zielgerade geht, lud die Rheinische Post dessen Macher sowie sportpolitische Querdenker, Vereinsbosse und Fraktionsvertreter in den Schelmenturm.
Ein adäquates Aufwärmtraining für die heutige Diskussion des Sportstättenkonzeptes um 18 Uhr im Ratssaal bot das „Moment mal“ der Rheinischen Post am Montagabend im voll besetzten Schelmenturm. „Wie viele Sportplätze braucht die Stadt?“: Unter diesem Motto diskutierten über zweieinhalb Stunden sportpolitische Querdenker, Vereinsfunktionäre und Fraktionsvertreter mit Uwe Trost und André Zierul von der Stadtverwaltung.
Souverän moderiert von RP-Redakteur Jörg Janßen kamen in der ersten Gesprächsrunde die Macher des Sportstättenkonzeptes zu Wort. Gefragt, ob er seinen bereits unzählige Male modifizierten Entwurf nicht langsam in die Ecke pfeffern wolle, entgegnete Zierul lakonisch: „Ich bekomme ja Geld dafür.“ Merkwürdig findet es der Sportbüro-Leiter aber doch, dass beispielsweise ein Verein wie die Sportfreunde Baumberg (SFB) nach anfänglicher Unterstützung des Konzeptes seine „Entscheidung drei Wochen später wieder umwirft“.
Wie alles begann
Zwei Jahre wehrten sich die Sportfreunde Baumberg erfolgreich gegen den im September 1997 gefällten Beschluss, ihren maroden Platz an der Sandstraße stillzulegen und durch eine neue Anlage am Kielsgraben zu ersetzen. Das heutige Mega-Stadion betreiben sie seit 2001 in eigener Regie.
„Grab des Schulsports geschaufelt“
Auch der ehemalige kommissarische SFB-Vorsitzende Wulf-Hinnerk Vauk kann es „nicht nachvollziehen, dass der Kielsgraben nicht von Monheimern und Baumbergern gemeinsam genutzt werden“ könne. Und Harald Schlee, wie Vauk ein „zugereistes Nordlicht“, registriert kopfschüttelnd den tiefen (Kiels-)Graben zwischen den beiden Stadtteilen. Der Sprecher der OHG-Sportlehrer hatte jedenfalls nicht tatenlos zusehen wollen, wie „das Grab des Schulsports geschaufelt“ werde und verhinderte vor einigen Wochen die zunächst geplante Schließung von fünf Schulsportstätten.
Um der „Flickschusterei“ ein Ende zu bereiten, müsse das Jahnstadion für mindestens vier Millionen Euro verkauft werden, forderte Andreas Zauche vom Stadtsportverband. Dagegen votierten Ursula Schlößer (SPD), Daniel Zimmermann (Peto) und Andrea Stamm, die in den heute tagenden Sportausschuss ein mit 1,5 Millionen Euro „deutlich niedrigeres Sanierungskonzept“ einbringen möchten – voraus gesetzt, dass sich auch die kleinen Vereine nach Kräften um die Platzwartung kümmern.
Vor allem die Fraktionsvorsitzende der Grünen („Ich finde es nicht schlimm, wenn auf einer Anlage Unkraut wächst, so lange es nicht auf der Laufbahn ist“) zog sich lautstarken Unmut des Publikum zu.
„Unverschämt“ findet so etwas zumindest der BTSC-Vize Hans Proll: „Die Drainage ist so versandet, dass unsere Bezirkssportanlage bei Regen nicht zu nutzen ist, und in den Duschen der Humboldthalle sprießt der Schimmel.“ Ein Problem, das auch Karl-Heinz Göbel von der SG Monheim kennt – und Trosts Einschätzung, dass sich „die Sporthallen in funktional einwandfreiem Zustand befinden“, mit Gelächter quittierte.
Während Josef Lambertz, Geschäftsführer des 1. FC Monheim, hart mit Ursula Schlößer ins Gericht ging („Dass wir noch das Rheinstadion haben, verdanken wir bestimmt nicht der SPD, die immer nur abwartet“), konnte die Fraktionsvorsitzende mit ihrem Votum, das Häck-Stadion als „Bezirkssportanlage des Berliner Viertels“ zu behalten, vor allem bei Erkan Güneser punkten. Der Vorsitzende von Inter Monheim warnte vor einer „Monopolstellung der großen Vereine“, die sich auch im amtierenden Vorstand des Stadtsportverbandes widerspiegele.
„Die neue Anlage am Kielsgraben ist Bestandteil eines vor zehn Jahren gefassten Beschlusses, den die Verwaltung umzusetzen hat“, erinnerte SFB-Vize Hans-Joachim Ditz – zumal die Auskiesung nach Westen weiter fortschreite. Fakt ist, dass es bei der endgültigen Rats-Entscheidung am 16. Dezember ein Patt geben könnte.
Dann zählt die Bürgermeisterstimme. SGM-Vize Marion Prondzinsky, die Parteifreund Dünchheim noch innerfraktionell „briefen“ möchte, ist aber „guter Hoffnung, dass er sich unserem Votum, die Sportsätten konzentriert anzulegen, anschließt“. Allein schon deshalb, weil sonst Karl-Heinz Göbel „den verantwortlichen Politikern noch einmal auf die Füße treten will, falls wir demnächst im Jahnstadion Schwimmunterricht anbieten können“.
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