Monheim: Die Bürger-Wache
VON JÖRG JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 08.08.2009Düsseldorf (RPO). Landes-Innenminister Ingo Wolf besuchte die neue Monheimer Polizeiwache. Dort sorgen 22 Beamte auf rund 400 Quadratmetern für die Sicherheit in der Stadt. Viele Bürger freuen sich über die Rückkehr der Polizei in die City.
Josef Bober stemmt die Hände in die Hüfte. "Gut so, wirklich gut", sagt er und schaut auf den Eingang des Gebäudes, das einmal das Stadtteilcafé war. Seit zwei Jahrzehnten lebt der Spätaussiedler im Berliner Viertel. Jetzt fühlt er sich "wieder sicherer". "Weil die Polizei da ist, wo sie hingehört: bei den Bürgern." In der Tat: 22 Beamte hatten vor kurzem an der Opladener Straße die Koffer gepackt, um in die neue, 400 Quadratmeter große, von Peter Kupitz geleitete Wache am Ernst-Reuter-Platz zu ziehen.
Ein Neubeginn, der dem obersten Dienstherrn der Ordnungshüter, NRW-Innenminister Dr. Ingo Wolf, einen Abstecher in die Gänselieselstadt wert ist. Derweil behält vorne am Terminal des Wachraums Polizeikommissarin Melanie Husemeier die Lage im Blick.
Seit 2006 arbeitet die Düsseldorferin in Monheim, üblicherweise im Streifendienst. "Gerne, denn die Monheimer Wache ist familiär und hat für mich genau die richtige Größe", sagt die 34-Jährige. Einen Raum weiter gerät Bernt-Ralf Siudzinski ins Schwärmen. "Unser Schmuckstück", sagt der Bezirksbeamte und zeigt auf das nagelneue Interieur des Aufenthaltsbereichs mit Küche, Esstisch und TV-Gerät.
Kein Arrest
Räume Neben dem Wach- und Aufenthaltsraum sowie der Waffenkammer befinden sich im Erdgeschoss Büros und Schreibräume. Sie wurden mit neuer Datenverarbeitungs- und Funktechnik ausgestattet. Bei den im vergangenen Jahr begonnenen Umbauarbeiten waren die Räume bis auf die tragenden Säulen entkernt worden.
Rückkehr Schon einmal (bis 1994) befand sich die Wache im Berliner Viertel, damals an der Weddinger Straße.
Gitterstäbe Im Untergeschoss befindet sich der Tresorraum der dort ehemals ansässigen Sparkasse. Auf den ersten Blick könnte er als klassische Arrestzelle dienen. Doch für diesen Zweck kommt er wegen fehlender Mindeststandards nicht in Frage. "Eine In-Gewahrsamnahme ist nur auf den Wachen Langenfeld und Hilden möglich", sagt Polizeidirektor Dieter Dersch.
Gut 500 000 Euro hat die Polizei in ihr neues Domizil gesteckt. Aus Sicht der meisten Bürger, die gestern Morgen der Einweihung neugierig folgten, gut angelegtes Geld. Sie hoffen, dass der immer wieder negative Schlagzeilen machende Ernst-Reuter-Platz (Spielhöllen, Randalierer, Betrunkene, ungeklärte Schüsse aus Luftgewehren) nun an Aufenthaltsqualität gewinnt.
Darauf setzt auch Bürgermeister Dr. Thomas Dünchheim. Er lobte gestern seinen Parteifreund Landrat Thomas Hendele. In seiner Rolle als Kreispolizei-Chef habe er "bei einem Handy-Telefonat zwischen Tür und Angel" die Rückkehr der Monheimer Wache ins Berliner Viertel angestoßen.
Sicherheit und Freiheit
Minister Wolf wies auf die Gefahren des Polizeidienstes hin und auf die mitunter komplexe Balance zwischen Sicherheit und Freiheit in einer Demokratie mündiger Bürger. Hendele und der Kreispolizei sei diese Balance gut gelungen. Als positiv bewerteten beide Politiker die Verdopplung der neu eingestellten Polizei-Anwärter.
Damit sei ein "fürchterlicher Irrweg" der vormaligen rot-grünen Landes-Regierung (Halbierung von landesweit 1100 auf rund 500 Anwärter) korrigiert worden. "Schließlich", so Wolf, "sind Beton und neue Gebäude alleine noch keine Maßnahmen, die zusätzlich Sicherheit schaffen. Dazu braucht man Menschen.
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