Langenfeld: Energie-Tacho fürs Wohnen
VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 27.06.2007Düsseldorf (RPO). Der Bauverein Langenfeld will seine Häuser schon bald mit einem System ausstatten, mit dessen Hilfe die Mieter ihren aktuellen Heizenergie-Verbrauch per Internet ablesen können. Außerdem wird die Erdwärme genutzt.
Eine von knapp 1000 Wohnungen des Bauvereins Langenfeld (BVL) im Januar 2010: Während die Tochter seit einer halben Stunde duscht und Sohnemann bei sperrangelweit offenem Fenster seine Schuhe vom Schneematsch befreit, probiert Mutti den neuerworbenen Gasherd aus, backt und kocht auf allen vier Kochstellen gleichzeitig. Vati sitzt derweil am Computer und rauft sich die Haare: Der „Energie-Tachometer“ für seine Wohnung ist auf 180. Auf diese emotionale Drehzahl will BVL-Chef Hubertus Dedeck die Genossen Haushaltsvorstände seiner eG n i c h t bringen, aber ein „kostenbewussteres Wohnverhalten“, das soll das vorgesehene „Verbrauchs-Management-System“ (VMS) schon erreichen. Gestern, im Vorfeld der abendlichen BVL-Mitgliederversammlung, stellten Dedeck und sein Aufsichtsratschef, Bürgermeister Magnus Staehler, den innovativen Tacho-Plan vor.
Kosten und Ersparnis
Mit 400 000 Euro pro Haus beziffert BVL-Chef Dedeck die Investitionskosten für die Wärmepumpen-Anlagen. Energiekosten-Spareffekt: 200 bis 250 Euro pro Jahr und Haushalt.
Beim Energie-Tacho ist der Spareffekt ungewiss. Optimisten sprechen von bis zu 30 Prozent.
Kontrolle und Selbstkontrolle
„Effizienzsteigerung durch (Heiz-)Anlagenüberwachung“ lautet das eigentliche Ziel des Projekts, bei dem die geschilderte Selbstkontrolle als – aus Kostensparer-Sicht – schöner Nebeneffekt gilt. Und so funktioniert das VMS: Messgeräte in jeder Wohnung leiten die Heizenergie-Verbrauchsdaten an einen Zentralrechner weiter, von dem aus Fachleute den Betrieb der Heizanlage so regulieren können, dass sie optimal läuft. Außerdem erhält nicht nur Vati ein aktuelles Verbrauchs-Info („Energie-Tacho“ per Internet“), sondern auch der Experte. „Bei besonders krassen Ausschlägen in Richtung Energieverschwendung werden wir den betreffenden Haushalt dann gezielt ansprechen“, unterstreicht Dedeck den Kontroll-Aspekt des VMS.
Während der Tacho-Plan noch in den Kinderschuhen steckt – morgen wollen Staehler und Dedeck das System erst mal in Augenschein nehmen: in einer Schule bei Offenbach –, will der Bauverein mit einem weiteren Energiekosten-dämpfungs-Projekt bereits in diesem Jahr loslegen: Als erste von etlichen Häusern sollen die an der Martinstraße 1-3 mit Solarwärmepumpen ausgestattet werden. Diese Anlagen nutzen die Erdwärme, indem sie dem Grundwasser Wärme entziehen, die – um den Faktor vier „verdichtet“ – den Warmwasserkreislauf der Wohnungen auf Temperatur bringt (etwa 40 Grad). Mit den Wärmepumpen will der BVL laut Dedeck „die Ressource Gas schonen“, die zum Heizen dann nur noch bei Kältespitzen (etwa drei Monate im Jahr) angezapft werden müsste.
Die Lage Langenfelds ist nach Dedecks Worten ideal für die Nutzung der Erdwärme: „Wir befinden uns in einem geothermisch sehr günstigem Gebiet.“ Ein Problem sei jedoch, dass viele Fachbetriebe den Einbau von Wärmepumpen in Altbauten scheuen: „Sie schrecken davor zurück, Neuland zu betreten.“ Eine Ausbau-Hürde, von der sich der BVL aber nicht ausbremsen lassen will. „Wir beschäftigen uns lieber mit Innovationen und Schwierigkeiten, die damit einhergehen, als mit Leerständen“, sagt Dedeck mit Blick auf Wohnungsgenossenschaften in anderen Städten.
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