Langenfeld/Monheim: Entspannend Geduldig sein und zuhören
zuletzt aktualisiert: 25.08.2008Düsseldorf (RPO). Ständiger Kleinkrieg am Gartenzaun ist nicht nur für die Betroffenen nervtötend. Auch der Rest der Nachbarschaft kann von dem ständigen Zoff in Mitleidenschaft gezogen werden. Sicher ist: Fällt dann auch noch ein Richterspruch, der für eine der Parteien unvorteilhaft ist, wird die Situation sich sicherlich nicht entspannen. „Ein Rechtsanwalt ist ein reiner Interessenvertreter, vor Gericht wird es immer einen Gewinner und einen Verlierer geben. Mein Ziel als Schiedsmann ist es aber, Frieden in der Nachbarschaft zu stiften“, sagt Jürgen Hupperts. Ein Gang zum Schiedsamt kann somit eine echte Alternative zu einem langwierigem Prozess und andauerndem Streit sein – zumindest wenn alle Betroffenen ein ehrliches Interesse an einer Einigung haben. tess
monheim Schiedsleute sind dazu da, Streitigkeiten zwischen zwei Parteien ohne Gerichtsverhandlung aus der Welt zu räumen. RP-Mitarbeiterin Sarah Tessarek sprach mit Jürgen Hupperts, dem Baumberger Schiedsmann, über sein Ehrenamt.
Seit wann sind Sie selbst als Schiedsmann tätig?
Hupperts Am 21. Dezember 1989 bin ich das erste Mal durch den Rat der Stadt Monheim gewählt worden. Ich bin damals eher zufällig zu dieser Tätigkeit gekommen. Zuvor war ich in der Kommunalpolitik tätig. Nachdem ich aufgehört hatte, wollten mich meine Kollegen allerdings nicht so ganz gehen lassen. Mir wurde praktisch über die Straße hinweg zugerufen: „Wir wollen Dich zum Schiedsmann wählen! Du sollst Streithähne versöhnen.“ Das habe ich dann auch erfolgreich getan – auch wenn ich mir die notwendigen Kenntnisse erst selbst aneignen musste.
Von welchen Kenntnissen sprechen Sie?
Hupperts Neben grundlegendem Wissen über das Strafrecht und das bürgerliche Recht einschließlich des Nachbarrechts ist es wichtig, bestimmte Verfahren zur Vermittlung zu lernen. Dazu gehört zum Beispiel die Mediation, aber auch ein „normales“ Gespräch. Der Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e. V. (BDS) bietet regelmäßig Aus- und Weiterbildungsseminare in diesem Bereich an. Die Schiedspersonen werden dann von den Gemeinden als Sachkostenträger nach Bedarf zu diesen Seminaren angemeldet.
Kann wirklich jeder eine Schiedsperson werden?
Hupperts Gewählt werden kann jeder, der über 30 Jahre alt ist. Wird ein neuer Schiedsmann gesucht, kann man sich persönlich für das Amt bewerben oder von einer Ratsfraktion vorgeschlagen werden. Viele Schiedsleute habe allerdings Vorkenntnisse in Verwaltungsangelegenheiten – sei es durch den öffentlichen Dienst oder beispielsweise als Handwerksmeister. Dies ist zwar für die Arbeit von Vorteil, aber keinesfalls eine gesetzlich fixierte Voraussetzung.
Welche persönlichen Eigenschaften braucht ein Schiedsmann, um seine Fälle kompetent zu bearbeiten?
Hupperts Wichtig ist vor allem, dass ein Schiedsmann geduldig ist und gut zuhören kann. Man muss bereit sein, viel Zeit in jeden einzelnen Fall zu investieren. Außerdem braucht jede Schiedsperson Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit, fair zu vermitteln. Ohne diese Eigenschaften wird es kaum zu einer gütlichen Einigung zwischen den Parteien kommen.
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