Monheim: Extrem spendabel
VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 15.05.2007Düsseldorf (RPO). Heute empfängt Bürgermeister Dünchheim die „Coordination gegen Bayer-Gefahren“. Für Anti-Pipeline-Klagen will er 1000 Euro entgegennehmen. CBG-Wortführer Köhler-Schnura ist in einem weiteren Vorstand: dem der DKP.
Vor 20 Jahren lief Thomas Dünchheim mit der Pennälertasche herum und Markus Gronauer als Bayer-Azubi durchs Leverkusener Werkstor. Damals warben dort Axel Köhler-Schnura und Genossen auf Flugblättern für die kommunistische Weltrevolution. Inzwischen ist der eine JUler von einst Monheimer Bürgermeister, der andere CDU-Ortschef. Köhler-Schnura wiederum hat es in den Kreisvorstand der Düsseldorfer DKP geschafft. Heute soll der 47-Jährige von Christdemokrat Dünchheim empfangen werden. Die geplante Bayer-Pipeline, oder besser: der Kampf dagegen verbindet sie.
Netzwerk gegen Bayer
Köhler-Schnura kommt als Vorstandsmitglied der „Coordination gegen Bayer-Gefahren e. V.“ (CBG). Im Gepäck hat er einen Scheck über 1000 Euro für jenes Konto, mit dem die Stadt Monheim Privatklagen gegen die CO-Leitung unterstützen will. Das „Netzwerk“ CBG, 1978 aus einer „Anwohnerinitiative“ hervorgegangen, hat es sich nach eigener Darstellung (cbgnetwork.org) zur Aufgabe gemacht, „auf die Risiken der chemischen Großproduktion aufmerksam zu machen, Gefahrenpotentiale zu beseitigen und Alternativen zu entwickeln“. So sammelt die CBG Unterschriften gegen „GenFood“, unterstützt Umweltschützer in der Dritten Welt gegen einflussreiche Unternehmer und liefert Argumente gegen die geplante Kohlenmonoxid-Pipeline zwischen den Bayer-Werken in Dormagen und Uerdingen.
Linksextremistisch
Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), gegründet 1968, etwa 4200 Mitglieder, ist laut Verfassungsschutzbericht NRW 2006 die „Kernorganisation der als ,orthodox kommunistisch’ einzuordnenden Richtung des Linksextremismus“.
Sie bekennt sich als „revolutionäre Partei der Arbeiterklasse“ zum Marxismus-Leninismus, strebt eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft an und ist demnach „eindeutig verfassungsfeindlich eingestellt“.
Taktisches Ziel der DKP unter anderem: Präsent sein in pluralistischen Bündnissen.
Zugleich führt die CBG, und hier besonders Köhler-Schnura, seit fast 30 Jahren einen propagandistischen Krieg gegen Bayer. Kostprobe: „Stellt euch also einen Multi vor mit Werken in allen Ländern der Erde. Er beutet rücksichtslos die Menschen aus, verletzt Menschenrechte, tötet auch, wenn nötig, ruiniert die natürlichen Grundlagen der Menschheit, finanziert und betreibt Kriege . . .“ So beschrieb CBG-Vorstand Köhler-Schnura (Funktion ausdrücklich erwähnt) das „Schattenimperium“ Bayer in einem Diskussionsbeitrag zur Internationalen DKP-Konferenz 2002 in Berlin, dokumentiert vom DKP-Organ „Unsere Zeit“ (dkp-online.de/ikonf02/34291201.htm).
„Über CO-Leitung gut informiert“
Thomas Dünchheim war die CBG-DKP-Connection nach eigenen Worten bis zum Zeitpunkt der RP-Anfrage nicht bekannt: „Ich weiß nur, dass die in Sachen CO-Leitung sehr gut informiert sind“, sagte er gestern Vormittag. Bei der Spendenübergabe zwischen CBG und Bürgermeister soll es laut Stadtsprecher Michael Hohmeier bleiben – heute um 11 Uhr. Zufällig just der Zeitpunkt, da Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in Berlin den Verfassungsschutzbericht 2006 vorstellt – mit einem Kapitel über die linksextremistische DKP und besorgten Worten über eine zunehmende Gewaltbereitschaft militanter Globalisierungsgegner auch gegen Personen.
Markus Gronauer hat die DKP-Pamphlete damals am Bayer-Werkstor nach eigenen Worten „gleich in den nächsten Mülleimer geworfen“. „Ich freue mich über jeden, der gegen die CO-Pipeline ist“, sagte der CDU-Ortschef gestern zu dem Fall: „Aber ich muss nicht mit jedem zusammenarbeiten.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum