Langenfeld/Monheim: Fachleute verzichten aufs Fasten
VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 06.02.2008Düsseldorf (RPO). Für Jecken führt kein Weg am Aschermittwoch vorbei: Sie müssen ab heute vorerst auf Karneval verzichten. Doch was ist mit Metzgern (Fleisch?), Konditoren (Süßes?), Weinjunkern (Wein?)? Die RP hörte sich zum Fastenbeginn um.
Zuerst einmal räumt Klaus Sticherling mit einem Vorurteil auf: „Auch als Konditor nimmt man nicht täglich tafelweise Schokolade zu sich – manchmal esse ich sogar tagelang gar nichts Süßes!“ Für einen, der quasi mitten im Schlaraffenland arbeitet und von früh bis spät mit den köstlichsten Torten, mandelzartem Marzipan und betörendsten Pralinen hantiert, eine beachtliche Leistung. Aber sieben Wochen ohne? Bis Ostern? „Das“, gibt der Chef des Langenfelder Traditionscafés zu, „fiele mir schwer“. Wie auch übrigens den meisten Kunden: „Nein, in unserem Umsatz macht sich die Fastenzeit nicht mehr bemerkbar – das war einmal, aber das ist 40 Jahre her.“
Fröhlich weiter
Selbst Tollitäten müssen ab Aschermittwoch erst einmal dem Fastelovend entsagen, das weiß auch Monheims Karnevalsprinzessin Anne Fröhlich. „Jetzt lassen wir es erst einmal etwas ruhiger angehen“, kündigte die gekrönte Närrin gestern an: „Was nicht bedeutet, dass wir auf Spaß verzichten – mein Name verpflichtet!“
Mag der Aschermittwoch auch noch so früh sein im Jahr – für viele Konsumenten kommt gleich danach Frühling-Freude-Eierkuchen: „Bücher zum Winter und zu Karneval kommen raus, solche zu Lenz und Ostern rein“, stellt Buchhändler Julius von Bukowski klar: „Die Fastenzeit interessiert nur wenige“. Und er selbst, der Langenfelder Weinjunker? „Auf Wein verzichten? Warum nicht?! Dann erholt sich die Leber“, meint der 72-Jährige. Zumindest theoretisch: Bukowski ist auch ohne Praxistest davon überzeugt, dem guten Tropfen wochenlang entsagen zu können: „Mit dem Rauchen hab’ ich vor 35 Jahren ja auch von heut’ auf morgen aufgehört.“ Obwohl, Mitte März ist die „ProWein“ in Düsseldorf, für einen Weinjunker ein absoluter Pflichttermin . . .
Wie für den Kino-Betreiber die Berliner Filmfestspiele. „Aufs Filmegucken zu verzichten könnte ich mir beruflich gar nicht erlauben“, versichert Georg Huff von der Schauplatz GmbH, die das Rex an der Hauptstraße führt. Schließlich müsse er wissen, welche Produktionen das Potential haben, die heimische Kinokasse klingeln zu lassen. Und eigentlich mache ihm das Blockbuster-Sichten auch gar keinen Spaß mehr, sagt der 43-Jährige: „Ein Verzicht darauf wäre also gar kein Verzicht im Sinne des Fastens.“
Ähnlich geht es Guido Coenen vom gleichnamigen Monheimer TV-Geschäft: „Wenn Sie tagsüber Fernseher reparieren und installieren und beim Probelaufen sehen und vor allem hören müssen, was da so läuft, ist Fernsehen wahrlich kein Vergnügen mehr.“ TV-lose Wochen in den eigenen vier Wänden traut sich der 43-Jährige deshalb „ohne Probleme“ zu – „vorausgesetzt, ich darf Radio hören, damit ich weiß, was draußen in der Welt so passiert“.
Oder daheim in Monheim, wo etwa CDU-Urgestein Karl-Heinz Göbel seinen Rückzug aus der Lokalpolitik angekündigt hat. Ein Voll-Verzicht auf öffentliches Wirken ist für den 58-Jährigen aber, solange er gesundheitlich auf der Höhe ist, undenkbar: „Dass ich weiter im Kreistag und vor allem für die SG Monheim arbeiten will, hat vor allem damit zu tun, dass ich Entwicklungen, die ich mit angestoßen habe, weiter begleiten möchte.“ Der Preis für so viel Engagement sind unter anderem ein paar Pfunde zu viel, die Göbel mit sich herumträgt: „Unter Menschen isst man doch schon mal das eine oder andere, das man besser nicht essen sollte.“ In der Fastenzeit will es der Umtriebige mit Verzicht zumindest versuchen.
„Täglich Fleisch muss nicht sein“
Peter Gladbach, Bio-Metzger aus Immigrath, hätte eine Empfehlung dazu: „Lieber besseres und teureres Fleisch essen und dafür in der Menge weniger als vom mäßigen zuviel!“ So halte er es selbst, betont der 50-Jährige. Ganz ohne wolle er aber nicht auskommen: „Fleisch muss ganz sicher nicht jeden Tag auf den Tisch, aber wochenlang ohne, das halten auch viele Ernährungswissenschaftler nicht für vorteilhaft.“
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