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Langenfeld/Monheim: Frauen – völlig von der Rolle

VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 03.03.2007

Düsseldorf (RPO). Die CDU-Bundesfamilienministerin will mehr Frauen in guten Jobs. Die SPD will Krippenplätze ausbauen, aber dafür das Kindergeld einfrieren. Eva Hermann will zurück an den Herd. Und was wollen die Frauen in La’feld und Monheim?

 Foto: RPO
Foto: RPO

Um 6 Uhr klingelt bei Ehepaar Finkel allmorgendlich der Wecker. Eine Stunde später sind auch die beiden Töchter Cara (3) und Maleen (11 Monate) wach. Nach dem gemeinsam Frühstück muss Mutter Dana sich schon sputen, um ihre beiden Töchter bis 8.45 Uhr in der „Rasselbande“ am Fahler Weg zu haben: Um 9 Uhr sitzt oft schon der erste Patient in der Praxis der Diplom-Psychologin. „Als Selbständige habe ich kein Recht auf Elternzeit, sondern vielmehr eine Versorgungspflicht meinen teils suizidalen Klienten gegenüber.“

Spätestens um 6.30 Uhr ist für Familie Goltz die Nacht zu Ende. Dass die sechsköpfige Sippe dennoch um 7 Uhr gemeinsam beim Frühstück sitzt, führt Mutter Dorotha auf das „eingespielte Team“ zurück: „Einer sitzt auf dem Klo, der zweite putzt sich die Zähne, der dritte steht unter der Dusche, der vierte macht das Frühstück . . .“. Während die vier leiblichen Kinder gerade auf dem Sprung zur Arbeit bzw. zur Schule sind, klingelt es: Um 7.40 Uhr wird das erste von drei Tageskindern gebracht. Dann heißt es für die 48-jährige Langenfelderin waschen, einkaufen, putzen, kochen, Mittag essen, zuhören, Hausaufgaben betreuen und „Taxi“ fahren. Finanziell sei seine Familie mit ihm als Alleinverdiener benachteiligt, grübelt Dieter Goltz mit Blick auf die Rente. Doch seine Frau entgegnet: „Emotional aber nicht...“.

Info

„Kaum vereinbar“

Bichof Karl Kardinal Lehmann packt der „heilige Zorn“, wenn das Kindergeld für Krippenplätze umgeschichtet werden soll. Fakt ist, dass 72 Prozent aller Deutschen Kindererziehung und Beruf für kaum vereinbar halten. Bis 2010 soll es deshalb für 20 Prozent aller unter Dreijährigen in NRW einen Betreuungsplatz geben.

Zeit, sich auf ihre eigenen Bedürfnisse zu besinnen, hat Marion Prondzinsky-Kohlmetz nicht. Die Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Monheim-Mitte ist Partnerin einer Kanzlei („angedacht waren drei Tage, inzwischen sind es fünf“) – und Mutter einer 15 Monate alten Tochter. Mangels Krippenplatz geht Anna an vier Tagen zu einer Tagesmutter. „Die 650 Euro im Monat sind nicht gerade von Pappe . . .“ Doch konnte und wollte die Juristin ebenso wenig auf ihren Job verzichten wie Sophia Bart aus Langenfeld.

„Natürlich habe ich mich immer wieder gefragt: Kannst du das verantworten“, erzählt die freischaffende Künstlerin und Gesangspädagogin. „Doch ich wollte meiner Tochter vorleben, dass Frauen beides miteinander vereinbaren können: Familie und Beruf.“ Wenn die Sängerin früher zu Gastauftritten in der Republik unterwegs war, half das Au-Pair-Mädchen. Heute kann die Zwölfjährige bei Freundinnen unterkommen. „Wir brauchen mehr qualifizierte Ganztagsplätze“, fordert Bart. Aber nicht um jeden Preis. Den SPD-Ansatz für mehr Krippen lobt CDU-Frau Prondzinsky. Aber: „Die Kindergeld-Kürzung trifft die Falschen.“

Foto
72 Prozent aller Deutschen finden, dass Kindererziehung und Beruf schlecht vereinbar sind, obwohl die Plätze in kleinen altersgemischten Gruppen (oben rechts) oder bei Tagesmüttern wie Dorotha Goltz (unten links) ausgebaut werden sollen. Doch die Doppelbelastung bleibt stressig. Bilder: Infratest dimap, matzerath (2), DAK Foto: RPO
Quelle: RP

 
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