Langenfeld/Monheim: Für die Demokratie Buspläne, Selbstverteidigung, Konzerte "Zu Beginn ein Selbstläufer"
VON SARAH TESSAREK - zuletzt aktualisiert: 02.02.2009Düsseldorf (RPO). Langweilig, spröde und anstrengend – im allgemeinen gilt Politik eher als abschreckendes Thema für Jugendliche. Die aktiven Jungpolitiker in Langenfeld und Monheim beweisen jedoch, dass es auch anders geht. Sie engagieren sich und sorgen so dafür, dass ihre Ideen in die kommunalen Parteiprogramme aufgenommen werden. Das ist nicht nur gut für eine jugendfreundliche Politik, sondern vor allem auch für das Gesellschaftsprinzip Demokratie. dora
Baumberg Hip-Hop-Beats, Kunstnebel und Salzstangen – während die Wahlpartys anderswo mit rauschenden Ballnächten und Gourmet-Häppchen gefeiert werden, sieht die Situation in Baumberg etwas anders aus. Die Gäste scheint dies jedoch nicht zu stören. Im Gegenteil: An den Stehtischen, auf den Bänken an der Seite und auf der Tanzfläche befinden sich eine Menge Jugendliche, die gemeinsam feiern und Spaß haben.
Auch die Kandidaten für das künftige Jugendparlament haben sich unter die Gäste gemischt und stoßen mit Limo und Cola auf die bevorstehende Wahl an. Keine Frage: Von der Wahlparty des Jugendparlaments im Jugendklub Baumberg kann sich so manch ein gestandener Politiker eine Scheibe abschneiden. Denn die Veranstaltung diente nicht nur zum tanzen und lachen. Die Kandidaten bekamen dort auch die Möglichkeit, ihren potentiellen Wählern etwas über sich selbst und ihr Wahlprogramm zu erzählen. "Die Jugendlichen sollen bei der Wahl des Jugendparlaments schließlich wissen, für wen sie stimmen", erklärt Anna-Catharina Bircher (18), die derzeitige Vorsitzende des Parlaments. "Hier bekommen sie die Gelegenheit, die Kandidaten, die sie vertreten sollen, selber kennen zu lernen."
Ihre Stimmen können Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren dann am 5. und 6. Februar in den weiterführenden Schulen und Einrichtungen wie dem Haus der Jugend abgeben. Dieses Jahr stellen sich insgesamt 23 Kandidaten zur Wahl, elf davon Mädchen und zwölf Jungen. Diese Chance, ihr Wahlprogramm auf einer Party vorzustellen, wussten die Kandidaten zu nutzen. Befragt durch die Vorsitzende des Jugendparlaments bekam jeder der angehenden Parlamentarier die Gelegenheit, kurz die Ziele vorzustellen, mit denen er sich zur Wahl stellt. Das Programm, dass sich die Jugendlichen auf die Fahnen geschrieben haben, ist nicht nur vielseitig, sondern auch durchaus ehrgeizig: Bessere Busfahrpläne, mehr Sicherheit, verbesserte Freizeitmöglichkeiten sowie Selbstverteidigungskurse für Mädchen sind nur einige Projekte, denen sich die engagierten Nachwuchs-Politiker verschrieben haben.
Dabei verlieren die Kandidaten und das Jugendparlament aber auch die jüngeren Kinder nicht aus dem Blick. Bestes Beispiel dafür sind die Benefiz-Rockkonzerte. "Ich finde es gut, dass der komplette Erlös des Benefiz-Konzertes an bedürftige Kinder gespendet wurde", sagt Rumeysa Tolun (17), die kandidiert. Sie findet es wichtig, sich weiter zu engagieren, auch wenn in den letzten Jahren nicht so viel erreicht werden konnte wie geplant. "Wenig", so die PUG-Schülerin, "ist immerhin besser als gar nichts. Wir können bestimmt noch mehr erreichen, wenn wir besser zusammenhalten."
Das Ergebnis der Wahl wird am 6. Februar ab 19 Uhr bei einer Party im Jugendklub Baumberg (Humboldtstraße 8) bekannt gegeben. www.jupa.monheim.de
MONHEIM In diesem Jahr feiert die Peto ihren zehnten Geburtstag. Bei ihrer ersten Kommunalwahl 1999 erreichte sie mehr als sechs Prozent der Stimmen und zog mit zwei Mitgliedern in den Stadtrat ein. 2004 machten 16,6 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuz für die Jugendpartei. RP-Mitarbeiter Dorian Audersch sprach mit Bürgermeister-Kandidat Daniel Zimmermann (26) über Jugend, Politikverdrossenheit und etablierte Parteien.
Herr Zimmermann, die meisten politisch engagierten Jugendlichen treten irgendwann in eine der etablierten Parteien ein. Warum haben sie sich damals dafür entschieden, eine neue Partei zu mit zu begründen?
Zimmermann Da kamen verschiedene Faktoren zusammen. Das Wahlalter wurde damals auf 16 Jahre herabgesetzt und die Kommunalwahlen standen bevor. Wir hatten eine Gruppe von politisch interessierten Leuten mit verschiedenen politischen Strömungen, die nicht alle in eine Partei eintreten konnten. Deswegen haben wir etwas eigenes auf die Beine gestellt. Der Reiz, etwas Neues auszuprobieren, hat eine große Rolle gespielt.
Das ist nun knapp zehn Jahre her. Wie sieht es mit dem eigenen politischen Nachwuchs aus?
Zimmermann Am Anfang war die ganze Sache ein Selbstläufer. Der Mitgliederzuwachs ist inzwischen etwas abgeflaut, aber wir haben immer noch genügend junge Leute, die nachrücken. Die derzeitige Vorsitzende Janne Oberdieck hat beispielsweise erst letztes Jahr ihr Abitur gemacht, andere Mitglieder des Vorstands sind noch jünger.
Gibt es in ihren Reihen Überlegungen, ab einem gewissen Alter in eine der etablierten Parteien einzutreten?
Zimmermann Das ist mit Sicherheit nicht ausgeschlossen. Wenn einige von uns älter sind und ihre politischen Schwerpunkte anders setzen wollen, werden sie sicher bei anderen Parteien unterkommen. Aber es gibt auch bei uns genug Tätigkeitsfelder für Mitglieder ab 30 Jahren.
Politik gilt nicht gerade als Lieblingsthema von Jugendlichen. Hat die Peto daran etwas ändern können?
Zimmermann Die Hemmschwelle für ein politisches Engagement ist bei uns deutlich niedriger als bei den anderen Parteien. Es gab 2004 vor der Kommunalwahl eine repräsentative Umfrage unter Erstwählern am Otto-Hahn-Gymnasium. Das Ergebnis war, dass alle Erstwähler ihren Angaben nach zur Wahl gehen wollten. Dieses Ergebnis wäre ohne die Entwicklung der Peto wohl nicht so eindeutig ausgefallen.
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