Wiescheid: Galerie statt Gemeindehaus
VON JÖRG JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 31.07.2007Düsseldorf (RPO). Aus dem einstigen Wiescheider Pfarr- und Gemeindehaus wird ein offenes Künstler-Atelier. Die Kreativ-Schmiede „Wie(ge)scheid“ soll auch für Bürger offen sein. Kritik am Verfahren übten Kirche und Ratspolitiker.
Aus dem ehemaligen evangelischen Pfarr- und Gemeindehaus in Wiescheid wird ein offenes Künstler-Atelier. „Produzenten-Galerie Wie(ge)scheid“ nennen Elke Tendrich-Veit, Michael Klockenkämper und Franz Leinfelder ihre neue Gemeinschaftswerkstatt. „Bürger können uns bei der Arbeit über die Schulter schauen. Außerdem planen wir Ausstellungen mit Gastkünstlern, Seminare, Vortragsabende, Kinderaktionen und Art-Dinner“, sagte Leinfelder gestern bei der Präsentation des Projekts.
Für die Nutzung der rund 400 Quadratmeter Innen- sowie 800 Quadratmeter Außenfläche zahlen die drei Künstler der Stadt Langenfeld als neuer Eigentümerin der Immobilie eine Miete. Wie viel – das blieb gestern offen. Bürgermeister Magnus Staehler (CDU) lobte die neue „Kreativschmiede mit Atelieratmosphäre“ als Teil der Kulturoffensive und des 15-Punkte-Plans. Er verspreche sich von „diesem tragfähigen Konzept neue Impulse für Wiescheid und ganz Langenfeld.“
Nutzungsvarianten
Bürgernutzung Ursprünglich hatte die Stadt eine Nutzung für alle Bürger favorisiert. Doch die Idee, die bereits vorhandene Bürgerhalle um ein zweites Standbein zu erweitern, scheiterte an mangelndem Zuspruch. Bürgermeister Magnus Staehler: „Interessierte hätten hier viel ehrenamtliches Engagement aufbringen müssen. Viele sind genau davor zurückgeschreckt.“
Nicht nur Applaus
Freilich gab es nicht nur Applaus für die künstlerische Begegnungsstätte in Top-Lage. Kritik äußerten Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde und der politischen Parteien. „Beim Verkauf hat uns die Stadt über den Tisch gezogen“, sagt Pfarrer Andreas Pasquay, der „absolut nichts gegen die drei Künstler oder eine Nutzung als Kreativ-Raum hat.“ Wohl aber dagegen, wie die Stadt den Preis für das Anwesen in bester Lage aus seiner Sicht „geschickt gedrückt hat“.
Ernst zu nehmende Wertgutachten hätten das Anwesen durchaus bei 800 000 Euro gesehen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass auch Nutzungen jenseits des Religiösen möglich seien. Doch dafür hätte der bestehende Bebauungsplan geändert werden müssen. Pasquay: „Und eine solche Änderung hat die Stadt konsequent vereitelt. Am Ende blieb nur sie selbst als möglicher Käufer übrig – mit der Folge, dass wir das Objekt zu einer Art Dumping-Preis veräußern mussten.“
Die engen Spielräume für die Kirchengemeinde bestätigt auch Erich Jacobi, Vorsitzender des Presbyteriums: „Wir hätten uns ein kommerzielles Studio für Architekten vorstellen können. Für die damit verbundene Umwidmung wurden uns allerdings derartig hohe Auflagen in Aussicht gestellt, dass wir es gleich wieder vergessen konnten.“ Dass am Ende durch den Verkauf an die Stadt deutlich weniger Geld in die Kirchenkassen floss, findet auch Jacobi schade. „Dieses Geld wäre unmittelbar der hiesigen Gemeinde und ihren zahlreichen Projekten zugute gekommen.“
Politik außen vor
Unzufrieden zeigte sich auch der Vorsitzende des Kulturausschusses Lothar Witzleb. „Es ist schlimm, dass wir die Einrichtung eines Künstler-Ateliers in einem so prominenten städtischen Gebäude aus den Medien erfahren müssen. Wofür ist unser Gremium eigentlich da?“ Und FDP-Frontmann Rolf Gassen ergänzt: „Der Bürgermeister hat – einmal mehr – nach Gutsherren-Art gehandelt. Die Nutzung der unlängst erworbenen Wiescheider Immobilie als Galerie und offenes Atelier hätte im Vorfeld ohne Wenn und Aber politisch kommuniziert werden müssen.“
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