Langenfeld/Monheim: Ganztags statt samstags
VON NATHALIE MILLAUER - zuletzt aktualisiert: 09.08.2007Düsseldorf (RPO). Der Erlass der Landesregierung, der Schulen eine Sechs-Tage-Woche ermöglicht, dürfte sich in Langenfeld und Monheim kaum niederschlagen. Umfrage zeigt keine Notwendigkeit.
Hintergrund
Alle Schüler haben inzwischen pro Woche mehr Unterricht, die Stundentafel ist an allen Schulformen um 10 bis 14 Stunden erweitert worden.
Hinzu kommt die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf zwölf Jahre an Gymnasien. Deshalb erlaubt das Ministerium Unterricht an jedem Samstag. Auf den Inhalt der Zusatzstunden will die Landesregierung keinen Einfluss nehmen.
Müssen Kinder und Jugendliche bald samstags in die Schule gehen? Die Lehrer-Verbände bekamen jetzt einen neuen Erlass zugeschickt, nach dem der Schulunterricht am Samstag wieder erlaubt werden soll. Aufgrund der Stundenplanänderung in ganz NRW rechnet die Landesregierung damit, dass viele Schulen den zusätzlichen Unterrichtstag nicht umgehen können. Die RP hörte sich um und stieß auf keine entsprechenden Anhaltspunkte.
Ute Piegeler, Leiterin des Schulreferats Langenfeld, schüttelt den Kopf. Die gesetzliche Möglichkeit zum Samstagsunterricht sei zwar schon länger wieder gegeben, „doch das ist hier überhaupt kein Thema.“ Besonders die Eltern- und Schülervertreter setzten sich mit großem Engagement gegen den zusätzlichen Schultag und für Nachmittagsunterricht ein.
Auch Peter Heimann vom Schulreferat Monheim rechnet nicht mit der Verkürzung des Wochenendes: „Es besteht wenig Interesse bei den Schulen, samstags Unterricht zu halten. Das wäre auch nicht familienfreundlich.“ Dem stimmt Ursula T. (51) zu, deren 15-jähriger Sohn die Lise-Meitner-Realschule besucht. „Ich bin berufstätig und freue mich immer darauf, meinen Sohn am Wochenende mehr zu sehen. Außerdem fühle ich mich erleichtert beim Gedanken, dass er nachmittags guter betreut wird.“
Julia M. (18) besucht die Oberstufe des Otto-Hahn-Gymnasiums und könnte sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, am Wochenende um 7 Uhr aufstehen zu müssen: „ Die Intensität des Unterrichts steigt und man braucht Zeit , um zu entspannen. Nachmittagsunterricht ist vertretbar, aber samstags zur Schule? Das würde nur Missmut verursachen.“
Ganztägiger Unterricht
Die meisten Schulen in Langenfeld und Monheim sind für ganztägigen Unterricht vorbereitet oder bemühen sich um angemessene Aufenthalts- und Verpflegungsmöglichkeiten. „Wir haben eine von Eltern vorbildlich betriebene Cafeteria eröffnet“, sagt Dr. Hagen Bastian, Leiter des Otto-Hahn-Gymnasiums. Der Samstagsunterricht sei außerdem überflüssig, da jede Klasse nur einmal pro Woche länger in der Schule bleiben müsse.
Elmar Heckrath, Rektor der Johann-Gutenberg-Schule, lehnt die Aufhebung der „Fünf-Tage-Regel“ ab: „Das Wochenende soll Wochenende bleiben, während die Schule innerhalb der Woche zu einer Art Lebensraum werden kann.“ Außerdem sei er zu Loyalität Schülern und Eltern gegenüber verpflichtet, dies sei das Wichtigste, betont er.
Hans-J. Claas vom Konrad-Adenauer-Gymnasium ist bemüht, einen festen Betreiber für eine Mensa zu finden, um die Unterrichtsstunden für die Schüler angenehmer zu gestalten. „Für Samstagsunterricht sehe ich wirklich keine Notwendigkeit.“ Er sei verwundert über das jahrelange Hin und Her um den Samstag. „Mal war die Sechs-Tage-Woche selbstverständlich, dann plötzlich verboten, wurde dann nur vereinzelt wieder durchgesetzt und ist nun schon wieder im Gespräch.“
Kaum jedoch in Monheim und Langenfeld, wo Schulen versuchen, zusätzlichen Unterrichtsstoff auf den Nachmittag zu verlegen und sich somit dem Gesamtschul-System anzunähern. Die Stoßrichtung „Ganztags statt samstags“ stimmt Ute Piegeler hoffnungsvoll: „So könnten die Schulen in NRW bald doch noch eine Einheit bilden.“
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