Langenfeld: Heinz Erhardt, wie er reimte und ulkte
VON KARSTEN SANDER - zuletzt aktualisiert: 27.11.2006Düsseldorf (RPO). Als Thorsten Hamer die Bühne im kleinen Saal Stadthalle mit den Worten „Ach, was bin ich wieder für ein Schelm“ betritt, trauen die 50 Zuschauer weder ihren Ohren noch Augen. Vor ihnen steht die Originalkopie des jungen Heinz Erhardt. Statur, Frisur, Brille, Mimik, Stimmlage, Sprechmelodie – sämtliche stilbildenden Merkmale dieser Ikone des deutschen Ulks scheinen in den 24-jährigen Solinger gefahren zu sein.
In knapp anderthalb Stunden bietet Hamer einen umfassenden Einblick in das Werk Erhardts. Die Zuschauer begegnen dem Mathematiker in der Chirurgie, der schon mit vielen Brüchen, aber nicht mit einem solchen, gerechnet hat. Sie erfahren von der Made hinter eines Baumes Rinde, die dort wohnt mit ihrem Kinde. Sie hören erhardtsche Sinnsprüche, Vierzeiler und Schwänke, ebenso wie die Geschichten von Ritter Fips von Fipsenstein oder seine eigenwilligen Neuinterpretationen deutscher Literaturklassiker: „Der Tell der ist ja toll, jetzt gehen wir einen Trinken, woll“. Mit dem Märchen vom Muselmann zeigte der bergische Mime zudem eindrucksvoll, dass Erhardt zwar ein einzigartiger Rezitator, aber ein umso schlechterer Sänger war. Die Lacher hatte er damit auf seiner Seite.
Es ist die Wortakrobatik, die Erhardts Stücke auch ein Vierteljahrhundert nach seinem Ableben noch vital erscheinen lassen. Er selber sagte: „Ich kann nichts dafür, ich habe die deutsche Sprache nicht gemacht. Ich heiße nicht Duden, obwohl meine Frau häufig fragt: Was bist du denn für einer?“
Warum nicht mehr Aktualisierung?
Dennoch hat an einigen seiner Stücke der Zahn der Zeit heftig genagt. Leider versucht Hamer nur einmal, ihnen mit einem Brückenschlag in die heutige Zeit zu helfen, als er in der Einleitung zum 15-Zeiler „An einen Schlagerkomponisten“ über die jüngste Staffel „Popstars“ spricht. Insgesamt hätte man sich von ihm, der so grandios den Ehrhardt spielen kann, ein Mehr an Moderation und Hintergrundinformationen zu Texter, Texten und Kontext gewünscht. Denn, wie er es selber andeutete, funktioniert es ja tatsächlich, Ehrhardts feine Beobachtungen in einen modernen Zusammenhang zu setzen.
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