Kommentar: Historische Zäsur Kontinuität
VON STEPHAN MEISEL - zuletzt aktualisiert: 31.08.2009Düsseldorf (RPO). Der Sieg Daniel Zimmermanns stellt in der politischen Nachkriegsgeschichte Monheims eine Zäsur dar. Keine der beiden Volksparteien war in der Lage den Bürgermeister zu stellen. Statt dessen gelang es der landesweit einmaligen Jugendpartei Peto für eine zwar relative, aber doch deutliche Mehrheit zu sorgen. Von vielen unerwartet: Zimmermann bekam – trotz seiner jungen Jahre – nicht weniger Stimmen als die künftige, mit der CDU gleichauf liegende Stadtratsfraktion.
Für die von 1999 bis gestern dominierenden Christdemokraten ist das Ergebnis eine Katastrophe. Verlust des wichtigsten Amtes in der Stadt, deutliches Schrumpfen im Rat. Das, was die Christdemokraten sich in zehn langen Jahren an guter Reputation aufgebaut hatten, haben sie in Teilen wieder verloren. Die Gründe liegen weniger in der vorzeigbaren Leistung der Fraktion und ihres Bürgermeisters. Sie sind im desaströsen Management der Dünchheim-Nachfolge zu suchen. Hätte die CDU ohne Zwist eigene Lokalmatadore oder gar ein Schwergewicht, beispielsweise vom Kaliber der Langenfelder Beigeordneten Marion Prell, präsentiert, sie hätte diese Wahl kaum verlieren können. JÖRG JANSSEN
Frank Schneider (CDU, Langenfeld): "71,8 Prozent sind für mich ein traumhaftes Ergebnis, das mich fast sprachlos macht. Es bedeutet einen großen Vertrauensvorschuss. Ich weiß, dass ich von der erfolgreichen Arbeit der CDU-Ratsfraktion und von Magnus Staehler profitiere. Im Wahlkampf habe ich bei Bürgern viel Zufriedenheit herausgehört. Meine Befürchtung war nur: Gehen die auch alle zur Wahl?"
Sascha Steinfels (SPD, Langenfeld): "Sowohl mein Abschneiden als auch das der SPD sind ernüchternd. Viele Leute haben mir wohl aufgrund meines Alters die Arbeit als Bürgermeister nicht zugetraut. Zudem wirken sich drei weitere Dinge zu unseren Ungunsten aus: der bundesweite Negativtrend der SPD, das für Sozialdemokraten ohnehin schwierige Pflaster Langenfeld sowie der Streit in unserer Partei. Welche Rolle ich künftig im Rat spielen werde, kann ich an diesem Abend noch nicht sagen."
Dr. Bernhard Ibold (Grüne, Langenfeld): "Durch die Ergebnisse beider Wahlen fühlen wir als Grüne uns in unserer Politik gestärkt, Ökologie, Ökonomie und Soziales miteinander verbinden zu wollen. Persönlich freue ich mich sehr darüber, dass ich bei der Bürgermeister-Wahl auf dem zweiten Platz gelandet bin. An unseren Wahlkampf-Ständen hatten wir viele positive Rückmeldungen und gespürt, dass für uns was drin ist."
Gerold Wenzens (BGL Langenfeld): "Unser Ergebnis ist gut. Die 9,7 Prozent vor fünf Jahren waren schon hervorragend und wir haben noch einmal zugelegt und einen zusätzlichen Sitz im Stadtrat. Allerdings hatte ich mir für uns durchaus noch ein besseres Abschneiden erhofft."
Frank Noack (FDP, Langenfeld): "Das ist nicht das von uns erwünschte Ergebnis – da gibt es nichts schön zu reden. Wir wollten mit unserer neuen Mannschaft acht oder neun Prozent der Stimmen erzielen. Es ist zudem bedauerlich, dass die CDU wieder die absolute Mehrheit hat." Weitere Stimmen B 2+3
Die Langenfelder setzen auf Kontinuität. Mit ihrer absoluten und sogar noch ausgebauten Mehrheit kann die CDU im Stadtrat den Kurs fortsetzen, der solide Finanzwirtschaft über alles stellt. Die meisten Wähler mochten keine Experimente eingehen und entschieden sich für das "weiter so!". Der SPD gaben nur noch 13,8 Prozent der Langenfelder ihre Stimme, das sind 5,8 Prozentpunkte weniger als das eigentlich als Tiefpunkt vermutete Abschneiden der Kommunalwahl von 2004. Diese neuerliche Schlappe ist die Quittung für die mäßige Oppositionsarbeit der Sozialdemokraten in den letzten Jahren, in denen sich die Verantwortlichen in den Ortsvereinen und in der Ratsfraktion in einem Akt der Selbstzerfleischung auch noch heillos zerstritten hatten.
Als Wunsch nach Kontinuität lässt sich auch die Wahl von CDU-Kandidat Frank Schneider zum Bürgermeister deuten. Auf Magnus Staehler, in dessen Amtszeit die Komplettentschuldung Langenfelds erreicht wurde, folgt dessen persönlicher Referent. Dass SPD-Bewerber Steinfels sogar hinter Ibold (Grüne) liegt, erleichtert dem designierten SPD-Fraktionschef den Start nicht. STEPHAN MEISEL
langenfeld Frank Schneider (CDU) wird neuer Bürgermeister von Langenfeld und die Christdemokraten haben weiterhin die absolute Mehrheit im Stadtrat, sogar noch einen Sitz dazugewonnen. Es ist gestern Abend 19.34 Uhr, als im großen Ratssaal der noch amtierende Bürgermeister Magnus Staehler (CDU) zum Mikrofon greift und vor etwa 500 Zuhörern Schneider als seinen Nachfolger verkündet und ihm gratuliert. "Bis zum 21. Oktober müsst Ihr aber noch auf mich hören!" Lauten Beifall erntet neben dem mit 71,8 Prozent aller Stimmen haushoch überlegenen Schneider auch Dr. Bernhard Ibold (Grüne), der mit 15,9 Prozent dem SPD-Kandidaten Sascha Steinfels das Nachsehen gegeben hatte.
Nicht nur Steinfels blickte zuvor bedröppelt drein, als nach und nach die aus den einzelnen Stimmbezirken eingehenden Ergebnisse auf der Großleinwand erscheinen. Dass die SPD das miserable Ergebnis der Kommunalwahlen von 2004 noch deutlich unterboten hat und in einigen Stimmbezirken sogar hinter Grünen und BGL liegt, erschüttert das sozialdemokratische Häuflein sichtbar. "Das ist ernüchternd", stellt Steinfels fest.
Schneider hat sich mit Ehefrau Heike und Sohn Leon die eingehenden Ergebnisse im stillen Kämmerlein angesehen – im Bürgermeister-Büro, in dem er seit 13 Jahren als Staehlers persönlicher Referent arbeitet. Als die Drei gegen 19.10 Uhr in dem nur wenige Meter weiter liegenden Bürgersaal erscheinen, müssen sie erstmal Hände schütteln. Ob des hervorragenden Abschneidens der CDU lassen sich auch der scheidende Fraktionschef Josef Müller ("Ich trete zum richtigen Zeitpunkt ab. Mehr kann man nicht erreichen") und dessen designierter Nachfolger Peter Klinkers beglückwünschen.
Auch die Grünen fühlen sich bestärkt; nicht nur wegen Ibolds Abschneiden, sondern auch als (wieder) drittstärkste Kraft vor der BGL.
Tim Brühland (CDU Monheim) "Ich muss zu dem Ergebnis stehen. Die Bürger haben neu entschieden. Die Splittung von CDU und FDP hat Stimmen gekostet. Trotzdem bleibe ich in Monheim. Wir wollen die CDU neu aufbauen. Daniel Zimmermann gratuliere ich zu seinem Sieg." Ursula Schlößer (SPD) "Meine Enttäuschung ist riesengroß. Um ehrlich zu sein: Ich bin fassungslos. Offensichtlich hat Monheim die Jugend gewählt. Hinzu kommen die vielen Parteiwechsler, die die Menschen verunsichert haben. Davon habe allerdings nicht ich, sondern eindeutig die Peto profitiert. Über meine weitere politische Zukunft werde ich mit meinen Parteifreunden reden."
Marion Prondzinsky (für die FDPMonheim): "Der vierte Platz ist für mich mehr als ein Achtungserfolg. Ich werde mich im Stadtrat weiter für die Bürger meiner Stadt engagieren. Daniel Zimmermann hatte ich nicht auf der Rechnung. Zumindest nicht als Sieger. Ursula Schlößer wäre mir da menschlich wie fachlich lieber gewesen."
Andrea Stamm (Grüne, Monheim) : "Die Bürgermeister-Kandidatur war ein Mittel, um die Positionen der Partei im Wahlkampf besser zu transportieren. Das ist gelungen und so gesehen hat es sich gelohnt." Dr. Thomas Dünchheim (CDU, Bürgermeister) "Einmal mehr macht die Stadt Monheim bundesweit von sich reden. Möglicherweise kann sie ein weiteres Mal als Stadt mit Modellcharakter dienen." Hans-Dieter Clauser (Landtagsabgeordneter) "Ich komme gerade aus Langenfeld und fühle mich so, als ob ich auf einem anderen Planeten gelandet wäre. In Monheim ticken die Uhren tatsächlich anders."
Anneliese Bender (Bürgerin) Eigentlich stehe ich einer anderen Richtung nahe, aber Zimmermann ist ein guter Mann.
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