Wiescheid: "Ideal für Kunst und Kultur"
VON DORIAN AUDERSCH - zuletzt aktualisiert: 25.05.2010Düsseldorf (RPO). Erstmals seit rund 15 Jahren öffneten die Besitzer der alten Ritterburg Haus Graven den Innenhof für die Bürger. Der Förderverein nutzte die Gelegenheit, um für eine städtische Nutzung zu werben. Seine Botschaft: Die Zeit drängt.
Melodiöse Akkordeonmusik schallt über den Innenhof der Wasserburg Haus Graven. Auf den Sitzbänken sitzen Familien zusammen und genießen bei sonnigem Maiwetter die gesellige Atmosphäre. Gepflegte Grünanlagen und efeubewachsene Fassaden sorgen für ein gediegenes Ambiente. Erstmals seit Mitte der 1990er Jahre war das Gelände des Baudenkmals am gestrigen Pfingstmontag für die Öffentlichkeit zugänglich. Hunderte Besucher nutzten die Gelegenheit, um das idyllisch gelegene Kleinod zumindest von außen zu besichtigen.
Die Resonanz zeigt, wie groß das Interesse der Menschen an diesem Bauwerk ist", meint Lothar Marienhagen. Der Vorsitzende des Fördervereins Wasserburg Haus Graven hofft, dass die Stadt möglichst schnell das Anwesen anmietet, um dort eine kulturelle Nutzung zu ermöglichen. Vor einem Jahr wurde der Verein mit dem Ziel gegründet, die denkmalgeschützte Anlage zu erhalten und der Bevölkerung zugänglich zu machen. "Kunstausstellungen, Konzerte und Lesungen sind hier ebenso denkbar wie Hochzeitsfeiern oder Veranstaltungen von Firmen. Es wäre ein weiterer Baustein für das kulturelle Leben in der Stadt."
Konkurrenz-Aspekt
Die Sorge, dass die Wasserburg eine Konkurrenz zu den bestehenden kulturellen Einrichtungen werden könnte, teilt Lothar Marienhagen nicht: "Die Ausstellungen würden so geplant, dass es keine Überschneidungen gibt."
Die Geschichte der Region und des Anwesens sollen ebenfalls zum Thema werden. Der rund 120 Menschen fassende Saal im Innenraum eignet sich zudem für Kleinkunst, Konzerte, Trauungen, Lesungen und Firmenfeiern.
Praktisch zum Nulltarif
Derzeit laufen die Verhandlungen mit der Eigentümerfamilie über die Rahmenbedingungen für eine Nutzung. Die Stadt könnte das komplett sanierte Anwesen praktisch zum Nulltarif für die kommenden zehn Jahre mit einer Option auf Verlängerung anmieten. Einziger Kostenfaktor wäre der Unterhalt für das Gebäude. "Es besteht allerdings auch ein gewisser Zeitdruck", betont Magnus Staehler. Der ehemalige Bürgermeister ist einer der Initiatoren für das Projekt auf der alten Wasserburg. "Wenn die Stadt nicht schnell handelt, sucht die Familie einen privaten Käufer für das gesamte Ensemble. Dann wäre eine öffentliche Nutzung vermutlich vom Tisch."
Anneliese Rejek gibt derweil interessierten Besuchern auf dem Innenhof Auskunft zu der historischen Bedeutung der im 13. Jahrhundert erbauten Wasserburg. Die pensionierte Lehrerin sieht in dem Kleinod einen Ort, an dem zum beispiel schulischer Geschichtsunterricht lebendig werden könnte. "Durch alle Epochen lassen sich hier die Zusammenhänge veranschaulichen", ist sich Rejek sicher. "Das reicht von der frühen Besiedelung der Region über das Mittelalter bis hin zur Industrialisierung." Auch die Besucher sind restlos begeistert. "Hier ist der ideale Ort für Kunst und Kultur", schwärmt Elke Hoffmann aus Hilden. "Außerdem liegt die Wasserburg direkt an einer beliebten Route und ist daher durch Fahrradfahrer und Spaziergänger stark frequentiert."
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