Langenfeld: Industriedenkmal ist im Bau
VON STEPHAN MEISEL - zuletzt aktualisiert: 30.08.2007Düsseldorf (RPO). Beim Ersten Spatenstich für den 1989 eingemotteten Schalenschneider-Kotten im Volksgarten betonte Bürgermeister Staehler die Bedeutung, an die Anfänge des Langenfelder Wirtschaftsaufschwungs zu erinnern.
Wilhelm Jacobs war der letzte Schalenschneider von Wiescheid. Bis zu seinem Tod 1989 stellte er in seinem Kotten an der Altstraße aus selber geschlagenen Bäumen hölzerne Messergriffe für die Solinger Schneidwaren-Industrie her. Vor dem Abriss des Häuschens wurde die Einrichtung mit Werkbänken, Schleifsteinen und anderen Gerätschaften ausgebaut und zusammen mit Türen, Fenstern und Fachwerk-Balken ins Museumsdepot im Gymnasiumskeller gebracht; Grundlage war ein Gutachtendes Kölner Bauhistorikers Prof. Dr. Jürgen Eberhardt. Fast zwei Jahrzehnte später wird die Werkstatt im Volksgarten in einem geschlossenen und beleuchteten Glasgebäude zur Schau gestellt. Seit gestern ist das Industriedenkmal „Langenfelder Schalenschneider-Kotten“ im Bau, im Juni 2008 soll es fertig sein.
Fakten zum Bau
Bauweise: Stahlrahmen-Konstruktion mit davor gestellter Glasfassade; Aluminium-Paneeldach.
Ausmaß: 10 mal 20 (Glashülle), beziehungsweise 6,50 mal 15,60 (Kotten) Meter.
Eröffnung: Juni 2008
Kosten: 355 000 Euro
Blick in die Geschichte
„Es lohnt sich, mit solch einem weithin sichtbaren Denkmal in die Geschichte zurückzublicken“, meinte beim ersten Spatenstich Bürgermeister Magnus Staehler. Die noch nicht einmal 60 Jahre alte Stadt Langenfeld verdanke ihren Aufschwung einer Fülle von Industrie- und Gewerbebetrieben. Der Wiederaufbau des Kottens an zentraler Stelle erinnere an die Ursprünge der heute von Hochtechnologie geprägten Wirtschaftskraft.
Eher beiläufig erwähnte Staehler die politischen Reibereien, die sich Ende letzten Jahres im Kulturausschuss um das mit 355 000 Euro veranschlagte und als „Schneewittchensarg“ verspottete Projekt zugetragen hatten. „Falscher Standort“, „vandalismusanfällig“ und „unwägbare Folgekosten“ lauteten seinerzeit die Gegenargumente von SPD, Grünen, BGL und FDP, die indes von der CDU überstimmt wurden.
Ausdrücklich bedankte sich der Bürgermeister bei Bauunternehmer Guido Boes, der die Idee entwickelt hatte und Planung sowie technische Begleitung übernimmt; und zwar ebenso honorarfrei wie Franz Leinfelder, der das Projekt künstlerisch betreut. Museumschefin Anne Graw-Lipfert merkte an, dass für den Förderverein die eigentliche Arbeit beginnen wird, wenn Anfang nächsten Jahres das gläserne Gebäude als Hülle steht. „Die Werkstatt ist in viele Einzelteile zerlegt, die nach einem museumspädagogischen Konzept zusammenzusetzen sind.“ Dieses historische Puzzlespiel hinterm Schaufenster dürfte reichlich Publikum anziehen.
Rund um den Kotten wird auch der Volksgarten attraktiver gestaltet werden. „Zunächst mal wird der Hauptzugang an der Düsseldorfer Straße breiter und mit einer Rampe auch barrierefrei werden“, erläuterte der städtische Grünplaner Jens Mischel. Der Eingang und später auch die übrigen Randbereiche würden zudem mit Stauden, Gräsern, Blumen und Gehölzen gärtnerisch gestaltet. Die Wege werden etwas anders geführt, die Zäune um Bolz- und Spielplatz ansehnlicher gemacht und die Bänke erneuert.
Mit neuen Leuchten, die teils von unten her die Parkbäume anstrahlen sowie dem nachts erstrahlenden Kotten wird laut Staehler zudem „der gesamte Volksgarten ins rechte Licht gerückt“.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum