Baumberg: Internationales Klassenzimmer
VON DORIAN AUDERSCH - zuletzt aktualisiert: 13.11.2008Düsseldorf (RPO). Acht britische und zehn türkische Kinder sind für fünf Tage mit ihren Lehrerinnen und Dolmetscherinnen zu Gast an der Geschwister-Scholl-Schule. Gemeinsam lernen die Kinder, verantwortungsbewusst mit der Erde umzugehen.
Mit konzentriertem Blick schneiden die Schüler aus der vierten Klasse der Geschwister-Scholl-Schule Papierstücke aus und bemalen diese mit ihren Buntstiften. Danach kleben sie die Fetzen zusammen und befestigen sie an einem langen Stiel. Nach wenigen Handgriffen präsentieren sie ihrer Lehrerin stolz das Ergebnis ihrer Arbeit. Es ist ein kleines Windrad, dass sich bei Luftzufuhr dreht. Im Rahmen des internationalen Comenius-Projekts der Europäischen Union (EU) setzen sich die Grundschüler eine Woche lang mit dem Thema Umweltschutz auseinander – gemeinsam mit englischen und türkischen Austauschschülern.
Sensibel für Umweltprobleme
„Das Ziel der Aktion ist, die Kinder für die Umweltprobleme auf unserer Erde zu sensibilisieren“, erklärt Klassenlehrerin Beate Schambil. „Schließlich sind sie diejenigen, die in der Zeit der globalen Erderwärmung aufwachsen. Die Natur ist zwar schön, aber sie muss auch geschützt werden. Deshalb wird der Umweltschutz in Zukunft ein noch wichtigeres Thema werden.“ Begonnen hat das Projekt im Herbst letzten Jahres. Zwei Lehrerinnen und sechs Kinder der Baumberger Grundschule waren für vier Tage zu Besuch an der Westfield School Junior House im britischen Newcastle. Auch dort wurde fleißig an dem Thema „Unsere schöne, aber zerbrechliche Erde“ gearbeitet.
Comenius-Projekt
Das Programm „Comenius“ erstreckt sich europaweit von Vorschulen bis zu den Oberstufen. Ziel ist es, durch den Austausch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Schulen in der europäischen Union zu entwickeln.
Diese Erfahrungen sollen die persönliche Entwicklung fördern und den Gedanken einer europäischen Bürgerschaft pflegen.
Bis 2013 sollen, nach Zielsetzung der EU, europaweit mindestens drei Millionen Schüler an dem Projekt teilnehmen.
Nun ist eine achtköpfige britische Schülerdelegation auf Gegenbesuch in Baumberg. Die Schüler sind bei verschiedenen Familien untergebracht und haben sich bereits bestens eingelebt. „Meine Gastfamilie ist sehr nett“, freut sich die zehnjährige Robyn Hogg und stellt gleich einen kulturellen Unterschied fest: „Hier gibt es gar keine Schuluniform. Das finde ich gut. Die Sprachen sind auch irgendwie ähnlich, aber ich verstehe leider trotzdem kein Deutsch.“ Die Emel Isik Secondary School im türkischen Bartin an der Schwarzmeerküste nimmt ebenfalls an dem Austauschprojekt teil. Gemeinsam arbeiten die drei Schulen an dem Thema und beschäftigen sich mit Recycling, alternativen Energiequellen und der heimische Flora und Fauna.
Aber auch das Vergnügen kommt nicht zu kurz. Die Gastschüler machen beispielsweise noch einen Ausflug ins Kölner Schokoladenmuseum und nahmen am Dienstag am Baumberger Martinszug teil. „Ich finde es super hier“, erklärt Beliz Aldatmaz. Die 13-Jährige ist eine der türkischen Schülerinnen, die sich im allgemeinen Sprachgewirr des multinationalen Klassenzimmers zurechtfinden muss. Ihre Klassenlehrerin Icil Topcul ist gleichzeitig auch die Dolmetscherin. Auch ihr englisches Pendant steht bei Verständigungsproblemen ihren Schülern mit Rat und Tat beiseite. „Es macht sehr viel Spaß mit den deutschen und türkischen Kindern zu lernen“, findet Beliz. „Außerdem schmeckt das Essen hier gut.“ Ihre Mitschülerin Berfin Dogan ist ebenfalls angetan von dem zwar etwas kühleren, aber klimatisch trotzdem angenehmen Deutschland. „Hier wird bereits viel Wert auf den Umwelt- und Tierschutz gelegt“, hat Berfin beobachtet. „In der Türkei ist das noch nicht so, aber ich hoffe, das ändert sich bald.“
Auch nach der Abreise der ausländischen Gäste wird weiter an dem Projekt gearbeitet. Die Ergebnisse werden dann beim Abschlusstreffen im Mai 2009 zusammengetragen und präsentiert. Dafür reisen die türkischen und englischen Schüler noch mal nach Baumberg. „Es ist kein klassischer Schüleraustausch, bei dem es darum geht, die Sprachkenntnisse zu erweitern“, betont Projektkoordinatorin Rafaela Langnickel. „Die Schüler sollen einfach Menschen aus anderen Kulturen kennen lernen und sehen, wie der Alltag in anderen Ländern abläuft.“
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