Monheim: Jazz zum Kirchen-Geburtstag
VON DORIAN AUDERSCH - zuletzt aktualisiert: 30.09.2008Düsseldorf (RPO). Seit 150 Jahren werden in der evangelischen Altstadtkirche an der Grabenstraße Gottesdienste gehalten – und das wurde jetzt groß gefeiert. Mit einem Kunsthandwerksmarkt, Musik und einem großen Geburtstags-Fest.
Konzentriert sortiert Willem Fidder Weidenzweige. Die Feder an seinem Hut bewegt sich kess im Wind. Vor ihm liegt ein Gebilde von Ästen, aus dem einige dünne Holzstreben in die Höhe ragen. Mit routinierten Handgriffen flechtet er die schmalen Zweige ein. Dann murmelt er etwas durch seinen langen, weißen Bart. Seit mehr als 20 Jahren geht der holländische Korbflechter inzwischen seiner Tätigkeit nach. Seine Technik erinnert an die Handarbeit vor 150 Jahren – an die Zeit, in der die evangelische Altstadtkirche an der Grabenstraße erbaut wurde.
Fidder und der Kunsthandswerkmarkt sind eine der Attraktionen bei der Jubiläumsfeier des kürzlich neu benannten Gotteshauses. „Damals waren das gängige Berufe“, berichtet Kurt Arnold Holz, der stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums. „Der traditionelle Handwerksmarkt soll auch eine Verbindung zu der Zeit liefern, in der die Kirche errichtet wurde. Die Resonanz ist trotz der vielen Parallelveranstaltungen erfreulich.“
Der Anfang
Im Oktober 1858 wurde die Kirche an der Grabenstraße von Pfarrer Julius Ernst Moll eingeweiht. Johann Wilhelm Grevel bezahlte stolze 4000 Talern, damit die Kirche gebaut werden konnte.
Seitdem feiern die inzwischen 3000 evangelischen Gemeindeglieder in dem größten Monheimer Bezirk dort Gottesdienste.
Handwerk wie im 19. Jahrhundert
Mehr 400 Gemeindeglieder kamen allein zum morgendlichen Familiengottesdienst, um Geburtstag zu feiern – mit musikalischer Unterstützung der einheimischen „Gospelsingers“ und der niederländischen Jazz-Formation „The Juggets“. Danach bot das Fest ein Programm für die Familie. Neben Kinderschminken, Märchenstunde und Malwettbewerb zum Thema „Gemeinde“ zogen die altertümlichen Handwerker das größte Interesse auf sich. Neben dem Stand der Korbmacher wurde kunstvoll getöpfert, ein paar Meter weiter gab ein traditioneller Seilmacher einen Einblick in die Fertigungstechniken des 19. Jahrhunderts.
Direkt neben dem Brunnen am Kradepohl hat Michael Poos sein Lager aufgeschlagen. Der gelernte Kunst- und Hammerschmied aus Viersen entzündet gerade seine spezielle Schmiedekohle, um ein Stück Eisen zum glühen zu bringen. Kaum hat er das geschafft, schwingt er gekonnt den massiven Hammer, um das rotglühende Metall auf dem Amboss zu Formen. Er fertigt in den nächsten Wochen einen Kerzenbaum mit 60 Zweigen an für die Kirche an. Pünktlich zum Ewigkeitssonntag soll seine Arbeit dann fertig sein.
Der letzte Sonntag im Kirchenjahr ist der Gedenktag der Verstorbenen. „Das bietet den Gemeindegliedern kurz vorm ersten Advent die Möglichkeit, an Menschen zu denken, die von uns gegangen sind“, sagt Kurt Arnold Holz. „Der Kerzenbaum hält sicher für die nächsten 150 Jahre und ist gleichzeitig eine schöne Verbindung zwischen Tradition und Moderne.“
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