Langenfeld: "Kann er denn überhaupt zurücktreten?"
VON PHILIPP MEY - zuletzt aktualisiert: 01.06.2010Düsseldorf (RPO). Wie eine Bombe schlug gestern am frühen Nachmittag die Nachricht vom Rücktritt des Bundespräsidenten auch in Langenfeld ein. Viele Bürger konnten zunächst kaum glauben, was ihnen Kollegen oder Nachbarn zuraunten. Rund um den Marktplatz fragte unsere Redaktion schockierte oder zumindest irritierte Passanten nach ihrer Meinung zum unerwarteten und glanzlosen Abgang Horst Köhlers
"Ich bin sehr sehr überrascht, kann er überhaupt so einfach zurücktreten?", fragte Klaus Lichi. Der Rückzug sei sehr schade. "Mir ist Horst Köhler immer sehr sympathisch gewesen. Er ist mit seinen Afghanistan-Aussagen meiner Meinung nach missverstanden worden."
Wolfgang Gleba (72) sieht das ähnlich: "Horst Köhler war für mich immer ein Mann des Volkes, sympathisch, und er hat sich nie negativ bemerkbar gemacht. Diese Meldung schockiert mich, ich hätte nicht gedacht, dass er bei Kritik sofort zurücktritt." Eine Passantin hält die Meldung zunächst für einen schlechten Scherz und kommentiert dann trocken: "Die da oben sollen besser alle mal zurücktreten."
Michael Dithmer, ein freiberuflich Journalist, schätzt die Lage dagegen etwas anders ein: "Natürlich überrascht es mich sehr, dass mit Horst Köhler das erste Mal ein Bundespräsident in der Geschichte der Bundesrepublik zurücktritt. Mit seinen Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz ist er klar zu weit gegangen. Für einen Bundespräsidenten war das unangemessen. Wir hatten schon weitaus schlimmere Bundespräsidenten, Heinrich Lübke zum Beispiel. Eins muss man ihm aber lassen, mit seinem sofortigen Rücktritt zeigt er Größe."
Der 19-jährige Alessandro Rossoni wundert sich hingegen sehr über die Gründe : "Ich finde es sehr komisch, dass er mit der Begründung, er vermisse den Respekt an seiner Person, den Rücktritt erklärt. Das hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen. Er war ein zurückhaltender Präsident. Wenn er etwas getan hat, dann nie lauthals. Ganz anders ist da sein italienischer Kollege, der gerne mal im Parlament auf den Putz haut. Ich bin gespannt, was die Neuwahl bringt."
Jan Koch (20) sagt: "Köhler war schon immer ein sehr konsequenter Bundespräsident. Im Grunde hat er auch nur ein offenes Geheimnis ausgesprochen, dass hinter dem Afghanistan-Einsatz auch ein gewisses wirtschaftliches Interesse stecken könnte. Ich bin jetzt gespannt, wie es weitergeht. Mit Jens Böhrnsen ist das Amt ja nur übergangsweise besetzt. Die spannende Frage ist, ob Kanzlerin Angela Merkel noch mal einen Kandidaten bei der nun anstehenden Bundespräsidentenwahl durchkriegen kann und wenn ja: Wen?"
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