Langenfeld: Kibiz: Zweijährige sind angekommen
VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 03.09.2008Düsseldorf (RPO). Vor einem Monat trat das umstrittene Kinderbildungsgesetz in Kraft. Während in Langenfeld tatsächlich neue Planstellen entstanden sind, übersteigt in Monheim die Nachfrage nach U-3-Plätzen nach wie vor das Angebot.
Dienstagmorgen, kurz vor Neun: Beherzt stapft der kleine Christoph in Richtung Baumberger Familienzentrum. Der bebrillte Blondschopf wird zwar erst Ende Oktober drei Jahre alt, doch besucht er schon jetzt die Awo-Kindertagesstätte „Kunterbunt“.
25 Stunden hat seine Mutter für ihn gebucht: „Das reicht erstmal.“ Trotzdem ist Kerstin Wöhlk froh, dass das vor einem Monat in Kraft getretene Kinderbildungsgesetz (KiBiz) auch ihrem Filius einen der raren U-3-Plätze ermöglicht – und positiv überrascht, wie gut sich Christoph schon an den Kindergartenalltag gewöhnt hat.
„Eltern rennen uns die Bude ein“
„Die Schnupperphase hat wirklich super geklappt“, bestätigt Ulrike Töpfer. Die langjährige Erzieherin leitet seit dem 1. August die Gruppe mit den „Kleinen“: Fünf Zweijährige und 15 Regelkinder zwischen drei und sechs Jahren lassen keine Langeweile aufkommen. „Seit bekannt wurde, dass wir Zweijährige aufnehmen können, rennen uns Eltern die Bude ein – auch schon von Kindern unter einem Jahr“, erzählt Töpfer, die „der offenbare Bedarf hier in Baumberg doch etwas überrascht“ hat.
Kinder stark machen
In Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund beginnt am Freitag, 12. September, von 14.30 bis 16.30 Uhr im Familienzentrum „Rasselbande“ am Fahlerweg 46 in Langenfeld ein neuer Kursus „Starke Eltern, starke Kinder“, der sich mit Fragen und Problemen des Familienlebens beschäftigt.
Der Kursus finde bis zum 21. November neun Mal statt und kostet 27 Euro. Bei Bedarf werden die Kinder in dieser Zeit betreut.
Info Anmeldung bei Petra Sandow oder Petra Kremer (Tel. 7 41 34)
Im Gegensatz zu Angela Ruiz-Stich: „Die Chance für hoch qualifizierte Frauen, nach zwei statt bislang drei Jahren wieder in ihren Job einzusteigen, ist nun mal wesentlich größer“, weiß die Leiterin der benachbarten „Villa Regenbogen“, die sich bislang vergeblich um U-3-Plätze bemüht hat. „Eine Gruppe für zehn Kinder zwischen vier Monaten und knapp drei Jahren würde das Angebot unseres Familienzentrums komplettieren.“ Platz wäre sogar vorhanden – musste die bisherige vierte Regelgruppe der KiTa Kunterbunt doch aus Kostengründen schließen.
Für das Familienzentrum, als das sich die beiden Awo-KiTas unter einem Dach vor einem Jahr gemeinsam haben zertifizieren lassen, gibt es für zunächst drei Jahre pro Jahr 12 000 Euro vom Land – Geld, das bislang für Medienprojekte und ein Elterncafé floss, das aber auch in zusätzliche Honorarkräfte investiert werden kann.
Denn obwohl der Personal-Schlüssel in etwa konstant geblieben ist, sehen sich die Erzieherinnen in ihrer Anfangs-Skepsis bestätigt, dass die Pro-Kopf-Pauschale finanziell zu knapp bemessen sei. „Da hat das Gesetz einen Rückschritt gemacht“, findet Ruiz-Stich – auch, weil nicht in allen Fällen den Elternwünschen hinsichtlich der eigentlich dreifach gestaffelten Betreuungszeit entsprochen werden konnte.
Wobei die personelle Aufstockung freilich von der Finanzkraft der jeweiligen Kommune abhängt. Auf das Langenfelder Familienzentrum „Rasselbande“ hat sich das KiBiz zumindest positiv ausgewirkt. „Wir haben zwei Halbtagsstellen mehr bekommen“, freut sich Petra Sandow. Die Leiterin der Kindertagesstätte am Fahlerweg kann nun 15 Kindern zwischen vier Monaten und knapp drei Jahren, verteilt auf zwei Gruppen, einen der begehrten Plätze anbieten – rund 60 Unter-Dreijährige stehen allein hier noch auf der Warteliste.
„Die altersgemischte Gruppe kommt vor allem Einzelkindern zu Gute“, weiß Petra Kremer, die vor den Sommerferien noch ein Dutzend Kinder in die Schule entlassen und neuerdings fünf Zweijährige in ihrer Igelgruppe hat. Windeln wechseln statt wissenschaftliche Experimente mit Vorschulkindern: Auch die Erzieherinnen mussten sich neuen Herausforderungen stellen.
Was aus Sicht der stellvertretenden Einrichtungsleiterin gut geklappt hat. Sicher auch, weil selbst die Eltern der ganz Kleinen „zunehmend souverän mit der Situation umgehen und ihre Kinder vertrauensvoll in unsere Hände geben“, erzählt Kremer. Wie übrigens auch ihre Baumberger Kollegin Angela Ruiz-Stich: Die zweijährige Tochter der in Langenfeld wohnenden Sozialpädagogin besucht die Igelgruppe von Petra Kremer.
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