Monheim: Kita: Für Arme kostenfrei
VON JÖRG JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 24.02.2007Düsseldorf (RPO). CDU vor Kurskorrektur: Die Parteichefin des Ortsverbandes Monheim-Mitte will am Wochenende die Fraktion davon überzeugen, dass sozial Schwache auch weiterhin keine Gebühren für Kindertagesstätten bezahlen müssen.
Kita-Plätze
1214 Kita-Plätze für Drei- bis Sechsjährige gibt es zurzeit in Monheim. Hinzu kommen (nur) 21 Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren (U 3) sowie weitere 65 Tagespflegeplätze für diese U-3-Ebene. Besonders den Tagesmütter-Bereich will Berg ausbauen. Nicht zuletzt aus Kostengründen. Ein U-3-Platz in einer Kita kostet nämlich um die 9000 Euro im Jahr, ein normaler Platz in einer Gruppe mit Drei- bis Sechsjährigen lediglich zwischen 2000 und 4000 Euro. Auf den Mehr-Kosten für die U-3-Plätze bliebe das ohnehin verschuldete Monheim derzeit sitzen, weil es sich nicht um eine gesetzliche Pflichtaufgabe (inklusive Landeszuschüssen) handelt.
Die CDU steht vor einem Strategiewechsel beim Thema „Kita-Gebühren für Geringverdiener“. Bislang galt die Marschrichtung: Auch Menschen mit weniger als 13 000 Euro Jahres-Bruttoeinkommen sollen sich in Zukunft mit einem eher symbolischen Monatsbeitrag von beispielsweise zehn, 15 oder 20 Euro pro Kind an der Finanzierung beteiligen. Tenor: Ein Kita-Platz ist ein so hochwertiges Angebot, dass ein Null-Euro-Beitrag das falsche Signal wäre.
Neue Argumente
„Angesichts neuer Argumente hoffe ich, dass die Fraktion sich an diesem Wochenende zu einer Korrektur entschließen kann“, sagt dagegen Marion Prondzinsky-Kohlmetz. Die CDU-Chefin Monheim-Mitte will bei der heute beginnenden, alljährlichen Klausurtagung ihrer Fraktion in der Nähe von Düren für einen Richtungswechsel werben und ist „zuversichtlich“, dass ihre Parteifreunde mitziehen. Überzeugt hat die Politikerin ein Arbeitskreis zur Kinder- und Jugendpolitik, in dem auch Beigeordneter Roland Liebermann sowie Jugendamtschefin Annette Berg mit von der Partie sind. Klar und deutlich hatte sich vor allem Berg für eine weiter bestehende Beitragsfreiheit ausgesprochen. Der Grund: Zur Zeit besuchen in Monheim praktisch 100 Prozent aller Vier- bis Sechsjährigen einen Kindergarten bzw. eine Kindertagesstätte. „Führen wir einen Beitrag ein, und sei er auch noch so gering, wird es wieder Eltern geben, die ihren Nachwuchs nicht anmelden. Die Folgen für die Sprach-, Sozial- und Schul-Kompetenz dieser Jungen und Mädchen wären verheerend. Außerdem müssten wir alle die daraus resultierenden Folgekosten tragen“, fasst Berg ihre wesentlichen Argumente zusammen. Nach Angaben der Bereichsleiterin lebt beinahe jedes vierte Kind in Monheim in einem Haushalt, in dem weniger als 13 000 Euro pro Jahr zur Verfügung stehen. Das Thema sei so gesehen alles andere als ein Minderheiten-Thema. „Wer 800 Euro im Monat hat, 400 Euro Miete bezahlt und vom Rest sein ganzes Leben finanzieren muss, für den sind 20 Euro viel Geld“, sagt Berg. Für manche dieser sozial schwach Aufgestellten sei bereits der Beitrag zum Mittagessen (2,50 bis drei Euro pro Tag) ein Problem.
Ein Thema, das Christdemokratin Prondzinsky-Kohlmetz bei der Klausur ebenfalls ansprechen möchte: die Schaffung neuer Plätze für Kinder unter drei Jahren (U 3). Solche Angebote sind aus Sicht der Politikerin „ein weicher Standort-Faktor, den man ernst nehmen sollte. Ich selbst habe überlegt, ob ich meine 16-monatige Tochter Anna mit Wohnsitz bei der Schwiegermutter in Düsseldorf anmelde, um eventuell eine bessere Chance auf einen U-3-Platz zu haben.“ Glücklicherweise habe sich inzwischen eine Tagesmutter-Lösung ergeben. „Es darf am Ende nicht so sein, dass junge Paare, die noch die Wahl haben, lieber nach Langenfeld ziehen, weil es dort künftig deutlich mehr U-3-Plätze geben wird.“
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