Monheim: LEG erhöht Mieten
VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 27.09.2008Düsseldorf (RPO). 600 Haushalte in Monheim müssen ab Dezember 9 bis 30 Euro monatlich drauflegen. Manche Mieter deuten den „happigen“ Zuschlag als rüdere Gangart des Neueigentümers Whitehall. Die LEG widerspricht: Normale Anpassung.
Ilse Kling (Name geändert) hat nach eigenen Worten damit gerechnet. „Trotzdem: 27,16 Euro Mieterhöhung gehen weit über das hinaus, was wir gewohnt sind“, seufzt die Mittsechzigerin, die seit 38 Jahren 70 Quadratmeter an der Plötzenseer Straße bewohnt. 431,33 Euro Grundmiete muss sie ab 1. Dezember monatlich überweisen, „fast sieben Prozent mehr als bisher“. Früher seien es ein paar Euro zusätzlich gewesen – „aber jetzt gehört die Wohnung ja diesen ,Heuschrecken’“.
Mit dem inzwischen zum geflügelten Schimpfwort gewordenen Bild von den vermeintlich alles kahlfressenden global agierenden Finanzinvestoren meint Kling den Immobilienfonds Whitehall. Das Goldman-Sachs-Geschöpf ist seit kurzem Eigentümer der etwa 3500 ehemals landeseigenen LEG-Wohnungen in Monheim. Gegen den Verkauf der NRW-weit 93 000 LEG-Wohnungen durch die schwarz-gelbe Regierung in Düsseldorf hatten Mieter und Opposition im Landtag eine „Volksinitiative“ organisiert – erfolglos.
Und Langenfeld?
Langenfelder sind kaum von der Mieterhöhung betroffen. Von den Mietern der etwa 50 LEG-Wohnungen in der Stadt müssen laut LEG elf ab Dezember mehr Miete bezahlen. Die Erhöhung bewege sich in einem vergleichbaren Rahmen wie die in Monheim.
Die Sozialcharta im Wortlaut unter www.leg-nrw.de.
„Die Mietanpassung unter Berücksichtigung des Marktumfelds ist ein ganz normaler Vorgang, der nichts mit dem Gesellschafterwechsel zu tun hat“, widerspricht Jens Schönhorst, Pressesprecher der (nun zu Whitehall gehörenden) LEG Management GmbH dem Verdacht von Ilse Kling. Etwa 600 Mieter in Monheimer seien von der Erhöhung betroffen. „Die Anpassung bewegt sich im Rahmen von 9 bis 30 Euro, sehr große Wohnungen ausgenommen, die meisten liegen zwischen 20 und 25 Euro“, sagt Schönhorst. Prozentual rangiere die Erhöhung deutlich unter den gesetzlich zulässigen 20 Prozent in drei Jahren und auch unter den vom Verbraucherpreisindex abhängigen Limits, die Land und Whitehall in der „Sozialcharta“ festgeschrieben haben.
„Wir trauen der Charta nicht“, meint hingegen Hans-Martin Belger, Vorsitzender des Mieterbeirats im Berliner Viertel. Zwar gebe sie über 60-jährigen Mietern ein lebenslanges Wohnrecht und verbiete „Luxussanierungen“ bis 2018, doch ein Garant für das „gute Preis-Leistungs-Verhältnis“, das die Mieter an der LEG bislang so schätzten, sei die Vereinbarung beileibe nicht. „Was wird zum Beispiel aus den sozialen Programmen? 100 000 Euro flossen jährlich in die verschiedenen Aktionen, vom Balkon-Wettbewerb über Ferienprogramme bis zu den LOS-Hilfen für bestimmte Zielgruppen – wir befürchten, dass dies alles zurückgefahren wird.“
Bei der Instandhaltung werde bereits um 20 Prozent gekürzt, meint Belger (67), der seit 1972 75 Quadratmeter an der Anne-Frank-Straße bewohnt (etwa 500 Euro Grundmiete). „Fast 1000 Badezimmer wurden hier in den vergangenen Jahren modernisiert – ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei weniger Geld in dem gleichen Tempo fortgeführt wird.“
Weniger für Instandhaltung
LEG-Sprecher Schönhorst nennt die Kappung hingegen eine „reine Überprüfung der bisherigen Ausgaben“, mit der sich der Neu-Eigentümer „einen Überblick verschaffen“ wolle. Die Sozialcharta schreibe mindestens 12,50 Euro pro Quadratmeter und Jahr für die Instandhaltung vor: „Das ist die Untergrenze, manche Wettbewerber investieren weniger als das“. 12,50 Euro? Ist das nicht gerade mal die Hälfte dessen, was die LEG zuletzt in ihre Immobilien steckte? Schönhorst: „Mit den 25 Euro haben wir einen außergewöhnlichen Spitzenwert erreicht, weil wir viel in Treppenhäuser, Fassaden und Wohnungen investierten.“ In „Normal“-Jahren seien es 16 bis 17 Euro gewesen.
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