Monheim: Mit Leib und Seele jeck
VON JÖRG JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2010Düsseldorf (RPO). Porträt Für Heiko und Daniela Köther ist Karneval Herzens- und Familienangelegenheit. Ein rheinisches Lebensgefühl. Auch daheim beherrscht der Fastelovend den Alltag des Prinzenpaares. Am Rosenmontag feiert der Regent seinen 36. Geburtstag – umjubelt von Zehntausenden.
Gestern Vormittag gegen 11.30 Uhr. Auf der ersten Etage des Drei-Familienhauses an der Frohnstraße geht es turbulent zu. Das Telefon bimmelt, gleichzeitig klingelt jemand an der Haustür. Schnellen Schrittes eilt Rolf Böelke die Treppenstufen hinauf. In der Hand hält er ein rot-weißes Kleidungsstück. Wams und ausgestopfte Melonenhose, die über den Knien endet, erinnern ans 16. Jahrhundert. Doch mit der Vergangenheit hat das Kleidungsstück wenig zu tun. Ganz im Gegenteil. Es ist höchst aktuell. Das feine Ornat gehört dem Hausherrn. Der heißt Heiko Köther (35), derzeit besser bekannt als Prinz Heiko I.
Ungezählte Auftritte
Gemeinsam mit Frau Daniela (33) checkt er noch mal die ungezählten Auftritte der nächsten Tage. Die klein gedruckte mehrseitige Übersicht platzt aus allen Nähten. Sie reicht von Auftritten in Altenheimen über eine Jecken-Hochzeit im Schelmenturm, die "Messe op Platt", die Gala-Sitzung der Altstadtfunken bis zum Fischessen am Aschermittwoch-Abend. Mit Bleistift hat die Prinzessin "mit" beziehungsweise "ohne Kinder" an den Rand einiger Termine geschrieben. "Über Tag und am frühen Abend nehm' ich meine Söhne, dort wo's passt, gerne auch mit", sagt Daniela, während der zweieinhalbjährige Jan-Luca durchs Wohnzimmer tollt, gekonnt "Helau" ruft und auf seinen kleinen närrischen Mini-Frack mit Streifenhose zeigt.
Ornate und mehr
Das Ornat des Monheimer Prinzenpaares kostet mehr als 4000 Euro. Vom kommenden Jahr an soll sich das Prinzenpaar zur Hälfte an diesen Auslagen beteiligen.
Über die privaten Ausgaben für eine Session sagt der Prinz nur so viel: "Man kann es beeinflussen. Manche haben die ganz großen Spendierhosen an, andere wählen einen Mittelweg. Das hängt nicht zuletzt mit der jeweiligen Lebenssituation zusammen."
Sowohl der Prinz als auch die Prinzessin gehören der Großen Monheimer Karnevalsgesellschaft an. Die Prinzessin trainiert außerdem die Baumberger Hippegarde.
Der hängt an der Wand. Eine der wenigen freien Stellen, die es derzeit in der guten Stube der Köthers noch gibt. Auf dem Boden stapelt sich das Wurfmaterial für den Rosenmontagszug, über dem Sofa prangen auf einer mit goldfarbenem Samt ausgelegten Schautafel mehr als 40, teils seltene Orden sowie dutzende Ansteck-Pins. Bunt geht es auch auf der Raufaser-Tapete an der gegenüberliegenden Wand zu. Dort haben sich mit farbigen Wachsstiften alle jene verewigt, die das Prinzenpaar seit der Proklamation im November privat besucht haben. Auf dem Boden darunter steht eine klassische, etwa einen Meter hohe Clownspuppe. Sie trägt die Orden, für die an der Schmuckwand kein Platz mehr war.
Mit zwei Jahren zum Zug
"Mit zwei Jahren bin ich das erste Mal gemeinsam mit Eltern und Bollerwagen zu Fuß von Baumberg nach Monheim zum Rosenmontagszug gegangen. Seitdem hab ich Spaß an der Sache", sagt Daniela. Mit sieben – damals noch unter dem Namen Hülsiepen – hielt sie ihre erste Büttenrede im Kinderkarneval. Einmal mit dem Fastelovend-Virus infiziert, stieß die gelernte Zahnarzthelferin in den 90er Jahren zum Rheinischen Tanzcorps "Echte Fründe". Ein Hobby, für das sich schließlich auch ihr Mann erwärmte. "Ich brachte Daniela immer zum Training und war fest davon überzeugt, dass ich zwei linke Füße habe." Schließlich ließ sich der gebürtige Monheimer, der nach der Gesamtschule ("Schlemminger-Fichtler hatte ich in Erdkunde") eine Lehre als Elektro-Installateur machte, anstecken. Er wurde Tänzer bei den "Echten Fründen". "Eine Spitzen-Truppe", sagt der leidenschaftliche Fußballer, der früher beim 1. FC spielte und heute in der Thekenmannschaft "Happy Boys" kickt.
Während er spricht, klingelt es ein zweites Mal. Im Türrahmen steht Ann-Kathrin Werner alias Gänseliesel. Sie frisiert die Prinzessin und gehört quasi zur Familie. Von morgen an bis zum Veilchendienstag wird sie sich mit Dario (7) und Jan-Luca das Kinderzimmer teilen. "Dann bin ich an Ort und Stelle und muss nicht zig Mal am Tag hin und her fahren", sagt die Gänseliesel. Eine weise Entscheidung. Schließlich wird Schlaf ab Morgen (Abholung zum Prinzenfrühstück um 6.30 Uhr) bei Köthers & Co. ein äußerst rares Gut sein. "Macht nichts. Wir sind mit dem Herzen dabei und freuen uns riesig auf die tollen Tage", sagt die Prinzessin. "Vor allem auf den Rosenmontag." – Wegen des Zugs? "Natürlich. Und weil Heiko seinen 36. Geburtstag feiert. Ein schöneres Geschenk, als an diesem Tag auf dem Prinzenwagen zu stehen, kann es einfach nicht geben."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum