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Langenfeld: Museumspläne für Wasserburg

VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 24.07.2008

Düsseldorf (RPO). Lüpertz und Immendorff in Haus Graven? Nach einer „Ideenskizze“ von Bürgermeister Staehler könnte eine Stiftung das historische Anwesen erwerben und es zu einem regional bekannten Ausstellungsort für moderne Kunst machen.

Steht seit drei Jahren leer: die jahrhundertealte Wasserburg Haus Graven in Wiescheid.  Foto: RPO
Steht seit drei Jahren leer: die jahrhundertealte Wasserburg Haus Graven in Wiescheid. Foto: RPO

Von einem „Schloss Moyland am oberen Niederrhein“ will Magnus Staehler nicht gleich sprechen – „das wäre vermessen“ –, aber anspruchsvoll mutet seine „Ideenskizze“ für die nächste Ratsperiode (bis 2014) schon an: Haus Graven, die Wasserburg von Wiescheid, soll nach seinem Willen ein Ausstellungsort für moderne Kunst werden, einer, der dank großer Namen wie Immendorff, Lüpertz oder Otmar Alt in die ganze Region ausstrahlt. Auf einer Podiumsdiskussion zur „Kultur in Langenfeld“ am Dienstagabend im Freiherr-vom-Stein-Haus verkündete der Bürgermeister auch, wie er den Grundstock der Sammlung aufzubauen gedenkt: durch eine Kooperation mit dem Museum Morsbroich im gleichnamigen Barockschloss zu Schlebusch.

Info

Haus Graven

Die im 13. Jahrhundert erbaute Wasserburg, Sitz des Rittergeschlechts von Graven, wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Nur die Vorburg wurde 1656 in der heute noch erhaltenen Gestalt wieder aufgebaut.

Eigentümer waren unter anderem die Familien von Velbrück (17./18. Jahrhundert) und von Mirbach zu Harff (18. bis 20. Jahrhundert) sowie der Innenarchitekt Ewalt Kröner (1974 ff.), der dort Werkräume und Ateliers für Boden- und Wandteppiche einrichtete.

„Historisches Kleinod erhalten“

„Haus Graven, dieses historische Kleinod, ist seit geraumer Zeit auf dem (Immobilien-)Markt – wir sollten zusehen, dass es uns nicht verlorengeht“, erklärte Staehler gestern auf RP-Nachfrage. Erwerben würde es nach seinen Vorstellungen nicht etwa die Stadt, sondern eine Stiftung, auf deren Geschicke die Stadt mittel- oder unmittelbar Einfluss nehmen könnte. Juliane Kreutzmann, Kulturkoordinatorin im Rathaus, nannte auf Anfrage die „Stiftung Schloss und Park Benrath“ als beispielhafte Konstruktion: Zu deren Gründungsstiftern gehören Stadt und Stadtsparkasse Düsseldorf sowie das Unternehmen Henkel, ein Mäzen und ein Spenderverein; bisherige Zustifter sind Siemens und der Landschaftsverband Rheinland.

Haus Graven, im 13./17. Jahrhundert erbaut und wiedererrichtet, befindet sich in Privateigentum, steht aber seit etwa drei Jahren leer. Mitte der 1990er Jahre komplett restauriert, ist der Zustand des U-förmigen Anwesens laut Stadt-Denkmalschützer Rudolf Morkis „gut“.

Trotzdem haben die Erben des letzten Käufers es bislang nicht geschafft, die Wasserburg zu veräußern. Branchenkenner überrascht das nicht: „Die Zahl möglicher Käufer in diesem Spezialsegment ist äußerst begrenzt, privat sowieso, aber auch gewerblich“, weiß ein Kenner aus Langenfeld. Der Preis würde nicht nur durch den Zustand der Immobilie und kostenträchtige Denkmalschutz-Auflagen beeinflusst, sondern mindestens ebensosehr durch die Nutzungspläne des jeweiligen Interessenten: „Ein russischer Bordellbetreiber zahlt im Zweifel mehr als ein Wohltätigkeitsverein.“ Bei der Wiescheider Wasserburg lasse die Fantasie deshalb manche Zahlenspielerei zu – von einem symbolischen Euro bis hin zu einem hohen einstelligen Millionen-Betrag.

Auf den Gedanken, mit Schloss Morsbroich zu kooperieren, um Haus Graven mit bildender Kunst auszustatten, ist Staehler dank eigenen Erlebens gekommen: Der Rathaus-Chef verdiente sich seine ersten Sporen bei der Leverkusener Stadtverwaltung – „seitdem weiß ich, welche Schätze im Depot von Morsbroich lagern“.

Dessen Direktor, Markus Heinzelmann, fühlt sich nach eigenen Worten „durch die Idee aus Langenfeld sehr geehrt“, lehnt jedoch eine „Auslagerung unseres Depots“ ab: „Unsere Sammlung ist in mehr als 50 Jahren gewachsen – damit arbeiten wir“, unterstrich der promovierte Kunsthistoriker im RP-Gespräch. Zudem sei der Bestand – etwa 500 Gemälde und Skulpturen sowie 5000 Exemplare in der Abteilung Grafik – nicht so umfangreich, „dass das dauerhafte Fehlen eines Teils der Sammlung kaum auffiele wie bei sehr großen Häusern“. Gleichwohl hält Heinzelmann eine Zusammenarbeit mit Langenfeld für denkbar: „Wir kooperieren laufend, regional wie international“. Tate London, MoMa New York – warum also nicht auch KuWaBu Wiescheid, für Kunst in der Wasserburg.

Quelle: RP

 
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