Langenfeld: Neue Debatte um Gesamtschule
VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 12.12.2008Düsseldorf (RPO). Die Bettine-von-Arnim-Gesamtschule muss immer mehr Schüler abweisen: Zuletzt waren es 147 – bei 180, die sie jährlich neu aufnehmen kann. Deshalb ist nun ein alter Streit neu aufgeflammt: Muss eine weitere Gesamtschule her?
Im „Schaustall“ waren sich die meisten der etwa zwei dutzend Anwesenden am Mittwochabend einig: Langenfeld brauche mehr Gesamtschulplätze, am besten in einer neu zu gründenden weiteren Lehranstalt im südlichen Kreis Mettmann! Dafür warben auf dem Podium die schulpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer, der Mülheimer Gesamtschulleiter und Interessenvertreter Behrend Heeren sowie Helmut Konrad, Ratsfraktions-chef der Öko-Partei. Im Publikum, darunter Anne Ackers-Weiss und Michael Schlemminger-Fichtler, Gesamtschulleiter in Langenfeld und Monheim, immer wieder beifälliges Nicken.
„Maßgeblich ist der Elternwille“
„Maßgeblich ist nach dem Schulgesetz der Elternwille“, nennt Ortsparteichef Viktor Haase das Hauptargument der Grünen und macht kein Hehl daraus, dass er diese „Abstimmung mit den Füßen“ für entschieden hält: „Wenn jedes Jahr aufs neue mehr als 120 von 300 angemeldeten Kindern von der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule in Richrath abgewiesen werden müssen, weil es jährlich nur etwa 180 Plätze gibt, müssen die Städte Langenfeld und Hilden, die Träger dieser Schule, endlich reagieren!“ Nötigenfalls zusammen mit anderen Kommunen, so Haase. Mit Haan und Erkrath zum Beispiel, von wo die Richrather Schule ebenfalls Anfragen erreichen. Oder mit Monheim, dessen Peter-Ustinov-Schule seit Jahren etliche Interessenten enttäuschen muss, wenn auch mit rückläufiger Tendenz (2004: 103 Absagen bei 180 Plätzen, 2008: 51 Absagen).
Gegen Erweiterung
Die Frage, ob der Südkreis eine weitere Gesamtschule braucht, überlässt Anne Ackers-Weiss, Leiterin der Richrather Bettine-von-Arnim-Gesamtschule, nach eigenem Bekunden der Politik. In Sachen Vergrößerung ihrer eigenen Schule ist ihre Haltung jedoch eindeutig: „Überall will man heute weg von riesigen Schulen, was ich auch für richtig halte. Deshalb ist die bestehende Sechszügigkeit die absolute Obergrenze für mich, ganz abgesehen von den fehlenden räumlichen Erweiterungsmöglichkeiten.“
Eine Dependance-Lösung, etwa mit einer Zweigstelle in Hilden, lehnt Ackers-Weiss ebenfalls entschieden ab: „Eine Schule gehört – aus pädagogischen wie organisatorischen Gründen – an einen Standort!“
Zwischen Verwaltung und CDU-Ratsmehrheit in Langenfeld ist man sich genauso einig wie bei den Grünen, nur andersrum: Die Stadt brauche keine weitere Gesamtschule! Denn, so Schulamtsleiterin Ute Piegeler: „So einfach ist das nicht mit den überzähligen Gesamtschul-Anmeldungen“. Das Land verlange für einen Ausbau der Gesamtschulkapazität den richtigen Mix an Schülern, wozu auch solche mit Realschul- oder Gymnasialempfehlung zählten. Und genau daran hapere es in Langenfeld.
Im Klartext: Von den abgewiesenen Gesamtschul-Interessenten haben die meisten eine Hauptschulempfehlung. „Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, was eine weitere Gesamtschule für die beiden heimischen, am unteren Rand der Zweizügigkeit arbeitenden Hauptschulen bedeuten würde“, warnt Piegeler: „Eine ginge über die Wupper!“
„So sei es, wenn die Eltern es wollen!“, lautet hierzu der Einwand der Grünen. „Auf einer Gesamtschule haben ,Hauptschüler’ nun mal eine bessere Chance, zu einem höheren Bildungsabschluss zu kommen, als auf einer Hauptschule – will man ihnen diese Chance vorenthalten“, fragt Haase.
Konträr die Sicht von Bürgermeister Magnus Staehler (CDU): Nach seinen Worten droht durch ein Umleiten der Schülerströme auf Gesamtschulen die „Einheitsschule“ und der „Tod der NRW-Schullandschaft“. Dies widerspreche dem Elternwillen nach „vielfältigen Schulangeboten“.
Um so mehr dauert es den Verwaltungschef, dass die Zweckverbandsversammlung der beiden Trägerstädte sich jetzt mehrheitlich gegen einen Verzicht auf einen Antrag zu Neugründung, Erweiterung oder Einrichtung einer Dependance der Gesamtschule entschieden hat. Die Bezirksregierung werde einen Ausbau oder eine Neueinrichtung wegen allgemein sinkender Schülerzahlen und aus Rücksicht auf ein ausgewogenes Schulformen-Angebot nicht genehmigen, heißt es in der Vorlage, die Staehler der Versammlung in seiner Eigenschaft als Zweckverbands-Vorsteher vorlegte. Trotzdem stimmten nur die sechs CDU-Vertreter dafür – zu wenig bei sieben Gegenstimmen von SPD (5 von 6; einer fehlte), Grünen und Hildener Bürger-Aktion (je 1).
SPD und Grüne hätten „wieder einmal Ideologie vor Vernunft gestellt“, polterte Staehler anschließend in einer eigens aufgelegten Pressemitteilung. Haase dagegen freut sich, dass der Versuch „Deckel drauf“ gescheitert sei: „Die Debatte kann nun weitergehen“.
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