Langenfeld: Not auf der Kaninchen-Station
VON DORIAN AUDERSCH - zuletzt aktualisiert: 05.12.2008Düsseldorf (RPO). Nachdem die überforderten Betreiber der Rabbit-Notstation die Aktionsgemeinschaft für Tiere um Hilfe gebeten hatten, handelte diese sofort – anders als gedacht: Sie konfiszierte 200 aus ihrer Sicht verwahrloste Schlappohren.
Das Gelände der „Rabbit-Notstation“ an der Schneiderstraße bietet ein recht trostloses Bild. Bis vor einer Woche lebten hier etwa 200 Kaninchen, inzwischen sind es nur noch etwa 10 Tiere, die über das unübersichtliche Gelände hoppeln. Der Regen der letzten Tage hat das Erdreich auf dem 400 Quadratmeter großem Areal völlig aufgeweicht. Alles ist voller Schlamm und Dreck, die kleinen Hütten machen einen verwahrlosten Eindruck.
Für den Betreiber Thomas Schneider ist das die Schuld der „Aktionsgemeinschaft für Tiere“ (AGT), die im Laufe der letzten zwei Wochen fast alle Tiere mit Hilfe des Veterinäramtes konfisziert und provisorisch in einem alten Gewächshaus untergebracht hat (die RP berichtete).
Den deutlichen Vorwurf der tierquälerischen Haltung seitens der AGT will er sich nicht gefallen lassen. „Bis vor ein paar Tagen war das hier noch ein Paradies für Kaninchen“, behauptet Manfred Müller, der Vorsitzende der Notstation. „Dann kam die AGT und hat alles umgegraben und durchwühlt, um die Tiere rauszuholen. Wir fühlen uns belogen und betrogen.“
AGT e.V.
Die Aktionsgemeinschaft für Tiere Langenfeld/Monheim e.V. trifft sich an jedem ersten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im „Alten Bahnhof“ (Bahnhofstraße 40).
Die Vorsitzende Christa Becker ist unter Tel. 0 21 29 / 3 16 49 oder per Mail an info@agt-langenfeld-monheim.de zu erreichen. www. agt-langenfeld-monheim.de
„Wollten eigentlich kooperieren“
Dabei waren sich die zwei Vereine zunächst einig, dass sie zusammenarbeiten wollen. Anfang November wurde ein Schriftstück von beiden Seiten unterschrieben, in dem festgelegt war, dass die Rabbit-Notstation sämtliche Tiere an die AGT abtritt und diese dann im Gegenzug die offenen Tierarztkosten und Pachtmieten für das Gelände übernimmt.
Dass er „einige Fehler gemacht“ habe, räumt Schneider ein: „Sicherlich waren es am Ende zu viele Tiere, die wir aufgenommen haben. Wir konnten die richtige medizinische Behandlung der Kaninchen nicht mehr gewährleisten und hatten Schulden wegen der Pachtgebühr. Deswegen haben wir uns ja in der Hoffnung auf Kooperation an die AGT gewendet.“
Die Rettungsaktion der vermeintlich geschundenen Tiere war nach Schneiders Ansicht eine „maßlose Überreaktion“. Dass einige Langohren auf seiner Anlage ernsthaft krank waren, streitet er nicht ab. „Das hier ist schließlich eine Notstation. Natürlich haben wir auch kranke Kaninchen aufgenommen, um sie hier gesund zu pflegen. Ich denke, die AGT nutzt diese Geschichte aus, um eine große Öffentlichkeit zu erzeugen und Spendengelder zu kassieren.“
Von diesen Anschuldigungen will man bei der Aktionsgemeinschaft nichts wissen. Dort habe man am Anfang noch versucht, etwas aus der Notstation zu machen. Anfang November besichtigte die Vorsitzende Christa Becker zum ersten Mal das Gelände an der Schneiderstraße und hat danach gleich die Veterinärsbehörde eingeschaltet. Ihren Aussagen nach war die Anlage eine Zumutung für die Tiere. „Kranke und gesunde Kaninchen wurden nicht richtig voneinander getrennt, fast jedes Weibchen ist schwanger. Viele Tiere haben Parasiten, Abzesse, chronischen Durchfall und leiden an Kaninchenschnupfen.“
Knapp 180 Tiere sind inzwischen provisorisch in einem ehemaligen Gewächshaus untergebracht und werden dort katalogisiert und medizinisch versorgt. Für drei Tiere kam jede Hilfe zu spät. Sie mussten eingeschläfert werden, weil die Qualen zu groß waren. „Wir haben im Moment enorme Kosten, um die Tiere zu versorgen. Alleine die Tierarztkosten belaufen sich bisher auf etwa 8000 Euro“, meint Christa Becker. „Die Pachtschulden übernehmen wir auf keinen Fall, sonst könnte der Herr Schneider ja einfach so weitermachen, wie bisher.“
20 aktive ehrenamtliche Helfer, darunter auch die Solinger Tierärztin Alexandra Fluck, kümmern sich nun um das Wohl der Langohren. Schneiders Vorwurf, dass die AGT mit den Tieren ein gutes Geschäft machen will, ist nach Ansicht von Christa Becker „eine Frechheit: Wir machen an jedem Tier mindestens 100 Euro Verlust“. Es gehe außerdem nicht ums Geld, sondern um das Wohl der Tiere.
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